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Ortsgeschichte Sora Teil 2

Downlaod (Gesamt)

11. Von den Berufen im Orte

Landwirtschaft und Viehhaltung

Versuchen wir das Zahlenwerk aus nachfolgenden Übersicht zu entschleiern: Es handelt sich in dieser Zusammenstellung der Dörfer um Sora durchweg um kleine Dörfer von 50 – 625 Einwohnern. Die Fläche wird zu 90 - 97% landwirtschaftlich genutzt und diese Nutzung weist wiederum nur auf Ackerbau (90 – 95 %). Nur Klipphausen hat eine größere Rittergutsholzung (85 ha), deren Ausdehnung durch den Bau der Reichsautobahn wesentlich zurückgegangen ist.

Beachtlich ist die größere Jungviehweide der Genossenschaft in Birkenhain (25%). Bis zu 73 % (Lampersdorf) ist die Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Nur Klipphausen, Taubenheim, Ullendorf und Röhrsdorf liegen unter 50 %; hier wohnen vielfach Arbeiter, die in Wilsdruff, Meißen und anderwärts ihr Brot finden.

 

Seit Jahrhunderten galt die Dreifelderwirtschaft: Alles Ackerland war in 3 Teile, sogenannte Drittfelder (Vorder-,  Mittel-, Hinterfeld) eingeteilt. Die Fruchtfolge war im ganzen Dorf einheitlich geregelt. Im 1.Jahre wurde Wintergetreide (Weizen, Roggen) angebaut, im 2.Jahr Sommergetreide (Roggen, Hafer, Gerste) und im 3.Jahr blieb das Land brach liegen. Das aufgeschossene Unkraut wurde vom Vieh abgeweidet. Kurz nach 1800, nachdem Kartoffel und Klee allgemein bekannt geworden waren, fing man an, die Brache zu besommern = sie mit Hackfrüchten und Futterpflanzen zu bestellen. Kartoffeln baute man im 18.Jahrhundert noch ganz wenig an, „weil die Bauern nicht mit ihnen umzugehen verstanden.“ Die Ernteerträge waren naturgemäß bedeutend geringer als heute. Bei Korn rechnete man mit etwa fünffachen, bei Hafer mit sechsfachem Ertrag. Heute trägt Korn etwa fünfzehn-, Hafer achtzehnfältig. Bei der Dreifelderwirtschaft fehlte es stets an Futter. Die Folge davon war eine geringe Viehhaltung, die ihrerseits wieder Düngermangel verursachte.

In der ersten Hälfte des 19.Jahrunderts hörte der Bauer von den Gedanken eines Albrecht Thaer, eines Adolf Stöcker-Tharandt über Drainage und künstlichen Dünger. Das Ablösegesetz vom 17.3.1832, das ihn frei machen sollte von aller Fron, wurde durchgeführt. Es bedurfte der geistigen Besitzergreifung dieser Neuerungen. Der Bauer aber war langsam und schwerfällig. Man gründete daher landwirtschaftliche Vereine: 1834 in Tharandt, 1840 in Kesselsdorf, 1844 in Klipphausen. Ihr ziel war die Verbesserung der landwirtschaftlichen Technik, Anwendung von Futter- und künstlichen Düngmitteln, Ertragsbereicherung einzelner Nebenzweige (Viehzucht, Zuckerrügen- und Obstanbau). Um 1850/55 löste sich der Feldbau von der reinen Dreifelderwirtschaft und ging zur geregelten Fruchtfolge über. Durch Wegfall der Brache verringerte sich zwar das Weideland, aber dafür gewann man größere Mengen an Sommer- und Winterfutter (Klee, Rüben, Kartoffeln). Es konnte mehr Vieh gehalten werden. Damit wuchs die Menge des Düngers. Der Weizenanbau steigerte sich. Gemenge, Erbsen und Wicken baute man nur als Ersatz, wenn der Rotklee nicht geriet. Dazu trat etwas amerikanischer Pferdezahnmais. Hopfen-, Hanf- und Flachsanbau wurde immer mehr beseitigt.

Was baute der Bauer auf seinen Feldern an?

 

1792

Weizen, Korn, Hafer, Gerste, Erbsen, Wicken, Raps, Kraut,  Erdbirnen, Rüben, Klee

1874

Weizen, Roggen,  Hafer, Gerste, Erbsen, Wicken, Raps, Kartoffeln, Runkelrüben, Kohlrüben, Klee, Kraut, Möhren

1937

Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Mais, Raps, Hülsenfruchtgemenge, Mischfrucht, Kartoffeln,  Zuckerüben, Runkelrübe, Möhren, Kohl, Flachs, Klee, Luzerne, Futtergetreide.

 

Die Anbaufläche der verschiedenen Feldfrüchte hat sich geändert.

Im Deutschen Reich

 

1883

1938

1913

1932

Weizen

Vierfach

Weizen

Sechs Fünftel

Roggen

Zwei Fünftel

Roggen

Zwei Fünftel

Gerste

Etwas verringert

Kartoffeln

Zwei Drittel

Kartoffeln

Etwas vermehrt

   

Flachs

Neuer Anfang

   

 

Die Arbeitsweise ist eine andere geworden: 1865 fand in Dresden eine Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen statt. Hier sah der Bauer Pflüge, Sämaschinen englischen und amerikanischen Ursprungs, Hack-, Dresch-, Häckselmaschinen und Lokomobilen der Firma Sack und Siederleben. Immerhin musste erst die Schlacht von Sedan geschlagen werden, ehe man solche Maschinen in den eignen Hof hereinholte.

 

Anschaffung fortschrittlicher Verbesserungen in Lotzen

 

1892     Göbeldreschmaschine Arnold, Schlechte, Göpfert

1894     Fahrrad Arnold

1908     Mähmaschine Arnold

1909     Kartoffelroder Arnold

1911     Flügelmäher Arnold

1926     Willi Lorenz

1928     Posthilfsstelle Lampersdorf Fernsprecher Gemeindeamt Lotzen

            1940       Garbenbinder Emil Arnold

 

In Sora

1886     Göbeldreschmaschine Joh. Friedr. Bennewitz (Später Risse)

1890     Flügelmäher Otto Bennewitz

1896     Mähmaschine Otto Bennewitz

            Kartoffelroder Otto Bennewitz

1897     Balkenfahrt in der Scheune Otto Döring

1903     Fahrrad Ernst Krätzer

1906     Garbenbinder Paul  Riße

1910     Kraftrad Ernst Krätzer

1912     Automobil Paul  Riße

1920     Strohpresse Alwin Pietzsch

1924     Traktor Paul Riße

1930     Melkmaschine Alwin Pietzsch

1937     Heuaufzug Martin Schönhals

 

In Lampersdorf

1850     ließ Karl Gottlob Hetzel das erste Röhrwasser in Holzröhren legen

1867     Eduard Hetzel die erste Wurfmaschine (Getreidereinigung)

1875     Theodor Pietzsch die erste Breitsämschine

1876     Eduard Hetzel die erste Göpeldreschmaschine

1880     Eduard Hetzel die erste Häckselmaschine

1882     Laura verw. Naumann Dreschmaschine mit Wasserantrieb

1885     Schneiderin Maria Erfurt erste Nähmaschine

1885     Eduard Hetzel erste Drillmaschine, eiserne Ringelwalze

1886     Eduard Hetzel Doppelpflug

1887     Eduard Hetzel Trieur

1888     Eduard Hetzel Kleesämaschine, Kartoffelroder, Tigerrechen

1891     Oswin Pietzsch Milchzentrifuge

1894     Richard Hetzel Grasmähmaschine

1895     Richard Hetzel Selbsttränke im Kuhstall, Heuwender,

Flügelmaschine (Getreidemäher),  Viehwaage

1896     Richard Hetzel Düngerstreuer                     

1896     Richard Hetzel Kartoffelsortiermaschine

1897     Maurer Joh. Werner das erste Fahrrad

            Richard Hetzel Kartoffeldämpfe mit Kupferblase

1898     Richard Hetzel Feldscheune

1903     Richard Hetzel marktfertige Reinigung an der Dreschmaschine

1904     Richard Hetzel Maschinenschuppen für Landmaschinen

1905     Richard Hetzel Rübentüppelmaschine

1906     Schadenrechen

1907     der erste Fernsprecher

1910     Aurel Klunker erste Balkenfahrt für die Scheune

1913     das elektrische Licht kommt ins Dorf

            Richard Hetzel das erste elektrische Butterfaß

            Paul Arnold elektrische Wasserpumpe

            Richard Hetzel elektrischer Milchentrahmer

            Richard Hetzel das erste Automobil (Ford)

1914     Arthur Naumann das erste Motorrad

1916     Richard Hetzel Bindemäher, Selbstbindestrohpresse

1918     Gustav Naumann, Kreissäge, erste Streugebläse                                                                      

1921     Oswin u. Alfed Pietzsch,  Kartoffelpflanzlochmaschinen

            Arthur Naumann, Stallhängebahn (für Dünger, Futter)

1922     Oswin Pietzsch erste Hackmaschine

            Alfred Pietzsch elektrische Jauchepumpe

1924     Arthur Naumann Radio mit Lautsprecher

1925     Alfred Pietzsch der erste Traktor (Fordson)

1926     Alfred Pietzsch Heugebläse

1927     Edwin Kümmel elektrische Waschmaschine

1928     Arthur Naumann Jaucheleitung

            1. v. Frieda Münch Einrichtung der ersten Posthilfsstelle

1929     Arthur Naumann automatische Selbsttränke mit wasserleeren Becken

1930     Arno Kuhn erste Melkmaschine

1934     Arthur Naumann pflastert den Hofraum mit Granit

            elektrischer Kochherd

1935     Alfred Lorenz elektrische Wäschetrockentrommel

1937     Arthur Naumann erster liftbereifter Traktor (Deutz Diesel, Universalmaschine)

            Herbert Claus, elektrisch-automatische Hauswasseranlage                                                       

1938     Paul Arnold elektrische Gewürz- und Kaffeemühle

1943     Arthur Naumann elektrische Wäscherolle

            Herbert Wetzig elektrische Kartoffeldämpfe

 

Schon Mitte der 70er Jahre kam aus einem der Nachbardörfer eine transportable Göpeldreschmaschine, die unter anderem auch mehrere Jahre in der Kirstenmühle das Getreide ausgedroschen hat, bis dann ein Anschluß an die Wasserkraft aus der Mühle gebaut war und die Dampflokomobile sie ganz aus dem Dorf verdrängt hat, wie auch nach einigen Jahrzehnten die Elektrizität den Göpel ganz ausgeschaltet hat.

 

Unter Bismarks Förderung entstand 1885 der “Deutsche Bauernbund“. Als Bismark 1890 in den Ruhestand trat, machte sich der Mangel landwirtschaftlicher Organisation unter Caprivi, dem „Manne ohne Ar und Halm“, fühlbar. 1893 gründete man daher den „Bund der Landwirte“. Zur rechten Zeit bekam unsere heimische Landwirtschaft den rechten Mann: Georg Andrä.

Er pachtete 1897 Rittergut Limbach, steckte sein Vermögen in eine gute Drainage der nassen Felder, nahm 1887 Rittergut Wilsdruff hinzu, richtete 1906 als erster eine Jungviehweide hier ein und kaufte schließlich 1890 rittergut Braunsdorf, wo er in alle Zweige der Landwirtschaft, vor allem aber in Stalldünger und Jaucheaufbewahrung Versuche anstellte und größte Erfolge erzielte.

Seinem Vorgehen verdanken der landwirtschaftliche Verein Wilsdruff (1894), die landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft, der landwirtschaftliche Buchführungsverein (1920/21) ihre Entstehung.

Hinsichtlich der Viehzucht handelte es sich zuerst um die Rinderzucht. Früher legte man wenig Wert auf sie. Die Kühe waren durchschnittlich zu alt und brachten keinen Gewinn. Man hielt sie als notwendiges Übel des Düngers wegen. 1834 gab es in Sora 201, in Lampersdorf 127, in Lotzen 22 Rinder, 1942 dagegen in Sora 226, in Lampersdorf 204, in Lotzen 32. Man bevorzugte einen eingeführten Oldenburg/Holländer Schlag, der mit der früheren Landrasse gekreuzt wird. Seit        gibt es eine Rinderzuchtgemeinschaft. Seit Juli 1936 muß sämtliche Milch der Großmolkerei in Dresden zugeführt werden.  Auf dem Bauernhof verbleibt nur die Menge für den Eigenbedarf.

Das Vieh wurde ehemals auf die Allweide, auf Stoppeln und Brache getrieben. Niemand durfte die Hutung hindern. Es bestand die sogenannte „Altgemeinde-Gerechtigkeit“. Nachdem 1907 die große Viehweide Birkenhain eingerichtet worden war, erwarben die Bauern hier Anteile und treiben ihr Vieh dort auf. Um den Fettgehalt der Milch zu erhöhen, hat man seit 1936 mit Reichsbeihilfe Silos gebaut zur Einlagerung eiweißhaltigen Futters (Grünfutter, Kartoffeln).

Beliebt war ehemals die Schafzucht. 1834 gab es in Lotzen 160, 1837 in Lampersdorf 455, 1847 in Sora sogar 841 Schafe. Aber das Schaf wurde im Stalle von Kuh und Schwein verdrängt und auf dem Acker durch Getreide und Hackfrüchte. Die Wolle wurde aus Nordamerika  und Argentinien, namentlich aber aus Australien eingeführt. Boden und Arbeit wurden bei uns zu teuer, um sich den sinkenden Wollpreisen anpassen zu können. Nur die Rittergüter behielten ihre Herden (aber nur einige). Das ehemalige Hut- und Hirtenhaus in Sora, etwa hundert Meter vom Spritzenhaus nach Philipps Gute zu, rechts am Birkenhainer Wege, wurde am 27.5.1863 für 450 Thlr. An Gutsbesitzer Leberecht Philipp verkauft, der es am 5.8.1902 wegreißen ließ. Von den ehemaligen Hirten nennt uns das Kirchenbuch in Sora:

            1577 Jacob Eichler, der Hutmann

            1589 Jörg Fröller, Hirt der Gemeinen

            1652 Hans Fiedler

            1665 Georgius Kalert

            1685 Hans Pfeiffer

            1692 George Richter, Hutmann

            1758 Davit Blau

            1771 Johann Blau

            1777 + Joh. Mich. Lindner, Hutmann, 68 Jahre alt

In Lampersdorf:

            1581 Benedix Rudolff

            1585 Thomas Hennig, der Vihe Hirte

            1608 gibt es ein Hirtenhaus

            1627 Jacob Keule

            1648 Hans Fiedler

            1686 Hans Gebhardt

 

Der Weltkrieg 1914/18 brachte Wollmangel brachte Zellwolle, Spinnstoffsammlung, Punktkarte. Der zweite Weltkrieg 1939/45 brachte nicht nur Punkt- oder Kleiderkarte sondern entblößte uns aller Faser- und Spinnstoffe, besonders die nach dem Waffenstillstand einsetzende Ausplünderung des deutschen Volkes.

Wie in der Rinderzucht, so haben auch in der Schweinezucht, besonnene Züchtung, sorgfältige Wartung und reichlichere und rationelle Fütterung zu bedeutsamen Aufstieg geführt. Vergleichen wir die Gegenüberstellung:

 

1834

1933

 

Lotzen

8

62

Schweine

Lampersdorf

43

464

Schweine

Sora

55

454

Schweine

 

Daß Meißner veredelte Landschwein wird gern gekauft. Der Wilsdruffer Ferkelmarkt, der ehemals die erzgebirgischen Schweinhändler freitags herbeizog, ist zwar weggefallen, aber Wilsdruff hat immerhin zwei ständige Ferkelhändler, die den Bahnversand der Ferkel besorgen, und im Schweinekontrollring Wilsdruff, 1928 gegründet, besteht eine besondere Ferkelvermittlungs-Stelle.

Nicht so glücklich war man in der Pferdezucht. Man kauft einen ostfriesischen Schlag und ein Kaltblutpferd und betreibt durch Kreuzung mit gutem Erfolg sächsische Zucht. Nach neueren Zuchtgesetzen nimmt man indessen Abstand von Kreuzungen und bevorzugt reine Kalt- oder Warmblutzucht. Von Bedeutung für die Pferdezucht ist die seit 1828 in Kesselsdorf bestehende Beschälstation, die mit ersten Hengsten des Sächsischen Landesstallamtes Moritzburg besetzt ist. Um Verlusten vorzubeugen, wurde 1904 der Pferdeversicherungsverein ins Leben gerufen, und 1934 angegliedert.

Sehr beachtlich ist die Geflügelzucht geworden. Überall sind moderne Hühnerställe entstanden, die es mit sich bringen sollen, daß die Hühner auch im Winter legen. Der Staat hat die Preisbildung der Eier in die Hand genommen, hat Mindest- und Höchstpreise festgesetzt und bürgt damit für eine gleichmäßige und stetige Preisbildung für das ganze Jahr. Seit 1936 besteht in Sora eine Eiersammelstelle. Die Haltung der Tauben ist sehr zurückgegangen infolge geringer Preisbildung. Einen erfreulichen Aufstieg nahm auch der Obstbau. Durch jahrelange Beobachtung der Erträgnisse fand man für den Ort passende Sorten.

 

   

Obstbau in Obstgärten

In offener Flur

   

Apfel

Birne

Pflaume

Kirsche

Apfel

Birne

Pflaume

Kirsche

1900

Lampersdorf

646

383

886

2

--

--

60

540

 

Lotzen

261

138

322

22

22

15

-

2

   

Tragfähig

Noch nicht tragfähig

1912

Lampersdorf

453

236

715

330

449

154

65

49

 

Lotzen

240

133

7

27

171

28

33

40

1925

Lampersdorf

237

93

146

43

183

50

101

62

 

Lotzen

546

343

648

786

       

1934

Lampersdorf

603

197

222

129

293

122

139

187

 

Lotzen

288

64

82

41

111

27

65

49

 

Sora

404

203

428

56

       

1938

Sora

585

252

430

56

 

 

 

 

1942

Lampersdorf

351

146

165

121

263

110

170

177

1938

Sora

585

252

430

56

       
                   

1942

Lampersdorf

351

146

165

121

263

110

170

177

 

 

 In Lotzen

 

Pferde

Rinder

Schafe

Schweine

Ziegen

Feder-vieh

Gänse

Enten

Kanin-chen

Bienen

1834

-

22

160

8

4

-

-

-

-

2

1837

-

21

-

6

-

-

-

-

-

8

1840

1

23

-

6

-

-

-

-

-

1

1844

-

19

-

8

3

-

-

-

-

1

1847

-

28

-

21

5

-

-

-

-

2

1850

-

37

-

18

10

-

-

-

-

2

1853

-

28

-

7

8

-

-

-

-

3

1855

-

20

-

8

2

-

-

-

-

2

1858

-

40

-

22

11

-

-

-

-

1

1861

-

39

-

19

13

-

-

-

-

1

1864

-

36

-

19

10

-

-

-

-

2

1867

-

38

-

23

12

-

-

-

-

5

1873

-

39

-

23

6

-

-

-

-

2

1933

4

42

-

62

10

209

9

5

2

6

1938

4

36

1

62

11

206

38

7

35

8

1942

4

33

-

24

13

154

9

2

23

8

In Sora

1834

47

201

530

55

34

-

-

-

-

6

1837

46

195

630

53

21

-

-

-

-

1

1840

47

199

691

59

19

-

-

-

-

2

1844

44

188

745

57

15

-

-

-

-

2

1847

50

211

841

57

23

-

-

-

-

1

1850

53

229

552

83

10

-

-

-

-

3

1853

48

230

601

93

11

-

-

-

-

10

1855

44

237

440

83

14

-

-

-

-

2

1858

43

250

441

121

16

-

-

-

-

-

1861

52

242

393

90

21

-

-

-

-

14

1864

51

239

367

132

22

-

-

-

-

7

1867

47

241

370

147

13

-

-

-

-

15

1873

55

247

237

196

14

-

-

-

-

3

1933

53

275

-

454

8

12

15

56

91

9

1934

55

263

-

419

-

-

-

-

-

-

1935

57

270

-

319

-

-

-

-

-

-

1936

58

271

-

408

-

-

-

-

-

-

1937

55

287

-

396

-

-

-

-

-

-

1938

38

278

-

388

-

-

-

-

-

-

1939

41

281

-

434

-

-

-

-

-

-

1940

41

280

-

333

-

-

-

-

-

-

1941

41

275

-

286

-

-

-

-

-

-

1942

41

266

-

167

-

-

-

-

-

-

1943

41

272

-

248

-

-

-

-

-

-

In Lampersdorf

 

Pferde

Rinder

Schafe

Schweine

Ziegen

Feder-vieh

Gänse

Enten

Kanin-chen

Bienen

1834

34

127

353

43

18

-

-

-

-

11

1837

35

143

455

48

18

-

-

-

-

17

1840

39

140

302

67

18

-

-

-

-

5

1844

36

152

276

49

15

-

-

-

-

6

1847

43

163

214

55

11

-

-

-

-

5

1850

42

154

193

77

13

-

-

-

-

8

1853

37

155

325

53

11

-

-

-

-

6

1855

35

144

292

77

6

-

-

-

-

11

1858

39

158

76

96

15

-

-

-

-

11

1861

36

164

3

66

12

-

-

-

-

-

1864

36

164

3

86

14

-

-

-

-

2

1867

36

167

1

84

11

-

-

-

-

6

1873

31

165

1

108

11

-

-

-

-

6

1933

37

208

3

464

7

804

59

37

16

31

1934

38

204

1

401

7

688

83

22

20

23

1935

39

201

2

358

8

717

90

27

15

26

1936

43

201

2

344

7

684

75

21

9

31

1937

43

214

3

292

18

732

74

28

6

33

1938

45

209

1

247

8

758

98

53

18

40

1939

31

208

1

330

12

688

64

24

20

41

1940

30

202

4

255

11

710

118

54

29

33

1941

33

204

10

253

13

577

69

74

35

38

1943

29

204

20

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Die beiden Lampersdorfer Mühlen

Die ehemalige Obermühle scheint durch Jahrhunderte der Familie Hoier (Hoyer) gehört zu haben. Das Kirchenbuch Sora nennt uns 1573 einen Peter Hoiyer. Am 14.2.1589 wird „der Hoffemüller zu Lampersdorf. Matthes Wustlich (offenbar eine Pächter) vom Wasserrad erdrückt.“ 1683 ist die Mühle im Besitz Hans Hoiyers. 1648 wird ein Müller Georgius Hun auf Georgii Hoyers Mühle genannt.  1661 hat Georgius Hoyer die Mühle an Hans Gansauge verpachtet. 1674 heißt der Pachtmüller George Mehlich, am 2.11.1720 Martin Dietze.

1725 erneuert der Müller Adam Hoyer die Erdgeschossräume seiner Mühle. Den westlichen Giebel lässt er bis zur Dachspitze vollständig massiv herstellen. Der Eingang zur Mühle bekommt einen neuen Sandsteinbogen, der in der Mitte das Müllerwappen (Mühlstein, Haueisen, Zirkel, Winkel) trägt dazu A. 1725 H. Links und rechts vom Wappen ist der Spruch verteilt:

            Giebt Gott mir Weitz und Korn,

            Mahlgast und Fluth die Fülle

            So ist sein Segen da

            Und steht die Mühl nie stille.

Adam Hoyer verkauft an den Müller Gottlieb Lommatzsch. Dieser baute 1748 dreizehn Ellen an das Wohn- und Stallgebäude an, da durch die vergrößerte Ackerfläche, gewonnen durch Rohdung des Waldlandes, der Kuhstall zu klein geworden war. Den  nördlichen Giebel ließ er ebenfalls wie sein Vorgänger massiv erstellen. Er baute einen Torbogen zwischen Wohnhaus und Seitengebäude und ließ an ihm ein Müllerwappen einhauen mit der Jahreszahl 1748 und seinem Namen. Dann sind Besitzer der Mühle bis 1803 Johann Gottfried Lommatzsch, bis 1820 Johanna Rosine verw. Lommatzsch, bis 1841 Joh. Friedrich  Pietzsch, bis 1856 Adolf Eduard Pietzsch. Er baute 1842 die Erdgeschoßmauern des Hausflur massiv. Über den  Hausflur ließ er die Anfangsbuchstaben seines Namens E.A.P. mit der Jahreszahl 1842 einhauen. Auch setzte er neue Öfen, am Stubenofen eingegossen 1846, am Ofen der Oberstube E.A.P. 1842. Er steht noch heute. Von seinem Vater Gottfried Pietzsch ist noch ein großer in Sandstein gehauener Wassertrog mit der Jahreszahl 1842 vorhanden, der als Milchkühltrog benutzt wird. Gottfried Pietzsch baute 1848 auch die neue Scheune. 1855 verkaufte Eduard Pietzsch seine Mühle in der Lotzener Schänke an Friedrich  Wilhelm Naumann. Die Felder nach der kleinen Triebisch aber nahm er aus und verkaufte sie später einzeln meistens an Lotzener Einwohner. 1875 kam die Mühle bis 1892 an Laura Florentine verw. Naumann geb. Weise, bis 1921 an Friedrich Gustav Naumann, von da ab an Joh. Gustav Arthur Naumann, den heutigen Bürgermeister (bis zum Zusammenbruch 1945). Die Besitzung hat aufgehört, Mühle zu sein, seit 1921.

 

Die Niedermühle, die ehemalige Kirstenmühle in Lampersdorf, dürfte einst in gutem Ansehen gestanden haben, auch hinsichtlich der Landwirtschaft. Bis zum Jahre 1736 waren drei Wasserräder in Betrieb. Sie galt als die größte Mühle an der Kleinen Triebisch. 1847 nahm der damalige Besitzer Karl Gotthelf Kirsten, als er die Mühle an seinen Vetter, Karl Wilhelm Kirsten, verpachtete und sich in Seeligstadt ein Gut kaufte, an dessen Flur er grenzte, wohl ungefähr soviel wie ein Zweispännergut mit nach Seeligstadt. Etwa 10 ha (36Scheffel) bleiben bei der Mühle in Lampersdorf. Als Besitzer nennt uns das Kirchenbuch 1561 Merten Löwe, 1653 einen Peter Löwe. In den Kaufbüchern, Steuerlisten und anderen Urkunden im Sächs. Landeshauptarchiv ist darüber noch  nichts festgestellt. Im Gerichtsbuch Wilsdruff erste Ausgabe, Seite 182, finden wir einen Jorge Rudloff. Dieser verkauft 1581, Freitag nach Fabian und Sebastian an Georg Bobertzsch. 1582 kauft am Sonntag Estomihi Peter Burckhardt das Anwesen. Die Kinder des Peter Burckhardt verkaufen die Mühle 1593 am 22.2. für 2800 Gulden an Lorenz Kirsten, Sohn des Hans Kirsten aus Naustadt. Über Lorenz Kirsten und dessen Ehefrau Dorothea geb. Götze, Tochter des Jacob Götze, ein Siebenachtelhüfner in Lampersdorf, gibt auch die Familiegeschichte KIRSTEN wenig Auskunft. Ob Lorenz Kirsten im Anfang des dreißigjährigen Krieges umgekommen ist oder ob er an der Pest gestorben ist oder vorher geflohen und in seiner Heimat Naustadt oder einem seiner Geschwister gestorben ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Seine Ehefrau starb am  11.Mai 1637 ihres Alters 60 Jahre als Witwe. Andreas Kirsten kauft die Mühle am 2.12.1628 für 2100 Gulden von seinem Vater Lorenz Kirsten. Nach 34 Jahren geht die Mühle an Andreas Kirsten II über, er kauft sie am 11.6.1662, zwölf Jahre später kauft er noch die Helbigsdorfer Mühle von seinem Schwiegervater Hans Hun, denn seit dem 22.4.1662 war er mit Anna Hunn aus Helbigsdorf verheiratet. Andreas Kirsten III erwirbt die Mühle von seinem Vater Andreas Kirsten II  am 10.10.1696 für 1000 Gulden. Im Jahre 1699 stiftete Andreas Kirsten der Kirche zu Sora ein Tragkreuz mit massiv goldener Heilandsfigur für Begräbnisse, welches bedauerlicherweise in der Nacht vom. 20.2.1920 mit noch anderen kirchlichen Gegenständen gestohlen wurde, ohne daß man bis heute eine Spur des Täters finden konnte. Ein Sohn Andreas III., Andreas IV. kauft das Nachbargut der Mühle, aus der einst seine Urahne, die Ehefrau des Lorenz Kirsten, die Dorothea Götze, stammte. (sieh auch  Besitzfolge in Lampersdorf). Johann George Kirsten kauft 1722 am 17.2. von seinem Vater Andreas die Mahlmühle und 1 ½  Hufen Mühlennahrung für 1000 Gulden. Johann Gottlieb Kirsten übernimmt 1760 als einziges Kind und Erbe, wie es im Kaufvertrag heißt, von seinem im vorigen Winter verstorbenen Vater Johann George Kirsten, die Mühle und ein einhalb Hufengut. Johann Gottlieb verpachtet die Mühle für 52 Gulden an Johann Gottlieb Küchenmeister, bisher Pachtmüller in Garsebach. Wie lange die Mühle verpachtet gewesen ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Wahrscheinlich hat Joh. Gottlieb Kirsten nur die Landwirtschaft betrieben. Ob er verheiratet war, ist nicht bekannt. Trotzdem er der alleinige Erbe dieses großen Anwesens war, das mit reichen Barmitteln und schuldenfrei gewesen ist, verkauft er schon nach acht Jahren, als Junggeselle. Wie aus dem Verkauf zu ersehen ist, waren viele Schulden vorhanden, selbst Arbeitslohn war noch zu zahlen, was alles bei diesem Verkauf geordnet wurde und nicht ohne Schwierigkeiten abging. Im Jahre 1766 wurde von Gottlieb Kirsten, der als einziger Erbe 1760 die Mühle übernommen hatte, ein neues Wohnhaus gebaut. Johann George Kirsten, ein Urenkel von Andreas Kirsten, der 1674 die Helbigsdorfer Mühle zu seiner in Lampersdorf noch hinzu kaufte und dessen Nachfahren bis heute noch dort ansässig sind, war der Käufer der am 14.5.1768 die Mühle für 1600 Meißnische Gulden erwarb. Am 19.1.1769 wurde Johann George Kirsten mit Anna Regina, Johann George Dietzens, ehel. älteste Tochter getraut. Joh. Gotthelf Kirsten erwirbt lt. Gerichtsbuch Wilsdruff II, Abgabe Nr. 42 am 15.11.1806 (Seite 264) Nr. 10 des Lampersdorfer Brandversicherungs Catastri, von seinem Vater, dem Mühlennahrungsbesitzer Joh. George Kirsten, seine Mahlmühle mit 1 ½ Hufengut, nächst künftigen Weihnachten zu übergeben für 1400 Gulden. Im Kaufvertrag sind umfangreiche Steuerlasten verzeichnet. Im Inventarverzeichnis sind auch noch die Brenngeräte mit aufgeführt. Nur ist daraus nicht zu erkennen, ob Wein oder Kornbrandt hergestellt wurde. Der Weinberg muß damals noch im Betrieb gewesen sein, erst 1830 soll der Weinbau zum Erliegen gekommen sein. Johanna Rosina Kirsten geb. Adam, die Ehefrau des am 25.Juni 1827 verstorbenen Vorbesitzers der Mühle, erwarb diese am 28.8.1827 für 1400 Gulden oder 1225 Thaler. Der Kaufvertrag enthält eine sehr ausführliches Inventarverzeichnis mit 190 Posten, dieses gewährt einen Einblick in den damaligen Besitz der Mühle und Landwirtschaft, auch die Brenneinrichtung ist mit aufgeführt, doch scheint sie schon nicht mehr ganz vollständig zu sein. An Stelle des Weinbaus scheint schon damals der Obstbau getreten zu sein, denn die Obstbäume, von denen der Obstwein stammt,, der zu einem kleinen Teil noch im Besitzer der heutigen Nachfahren ist und um 1884 hergestellt wurde, ist von alten, sehr reich tragenden Bäumen. Von welch hoher Qualität diese Obstweine waren, und daß hier eine von Generationen erworbene Erfahrung mitgewirkt hat, beweist die noch heute diesen Weinen innewohnende Güte. Der vom Mühlenhof abwärts rechts gelegene steile Hang verrät den Weinberg noch heute durch seinen Terrassenbau. Während man trotz des ehemaligen starken Mühlenbetriebs jahrhundertelang durch die Triebisch in den Mühlenhof fuhr, war es einer Frau und zwar der Witwe Johanna Rosina Kirsten vorbehalten, eine Brücke zu bauen, die sich mit ihren zwei Bögen noch heutigen Bauweise würdig zur Seite stellen kann, jedenfalls gerade um ihres vornehmen Aussehens willen zog die ehemals ringsum  von Lerchen und Kastanien beschattete Brücke um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Lampersdorfer Jugend kräftig an; sie war ihr Tummelpetz an schönen Sommerabenden. Karl Gotthelf Kirsten, der Sohn der beiden letzten Besitzer der Mühle, kauft sie von seiner Mutter, am 22.6.1845 für 1259 Thaler.  Seit 1768 war dieses Anwesen nu in der dritten Generation vom Vater (oder von der Mutter) auf den Sohn übergegangen. Karl Gotthelf hatte nun aber keine Kinder und wohl auch nicht den rechten Sinn für kleinliche Müllerei, und so verpachtetet er 1847 die Mühle an seinen Vetter, der wie sein Großvater eine Müllerssohn aus der Kirstenmühle in Helbigsdorf war, an Karl Wilhelm Kirsten. Im Jahre 1853 jedoch entschloß sich Karl Gotthelf Kirsten, die Mühle zu verkaufen. Er hatte sich Fertigkeit angeeignet, Geld zu machen, und so versucht er auch hier, die Sache geschickt anzufassen. Leitete freiwillige Versteigerung der Mühle ein, obwohl er wusste, daß sein Vetter, der sich am 18.11.1849 mit Christiane Friedericke Kirchner aus Birkenhain verheiratet und die Mühle schon sechs Jahre in Pacht hatte, Wert auf den Erwerb der Mühle legte, die ihn und seine Familie ernähren und den Namen Kirsten weiter tragen sollte. Ja aber Karl Gotthelf Kirsten reget einen Gutsbesitzer an, in der Versteigerung tüchtig zu treiben und es gelang; die Mühle kam verhältnismäßig teuer in den Besitz seines Vetter, Karl Wilhelm Kirsten. Zu dem Treiber bei der Mühlenversteigerung, Dem Bauer G. Gießmann in Lampersdorf ließe sich noch vieles, aber nichts Gutes berichten. Er leistete den Pferdehändlern Zutreiberdienste in der gewissenlosesten Weise, bei Güterschlächtern half er mit den dunkelsten Machenschaften zu betreiben und beteiligte sich noch an mancherlei trüben Geschäften. Die eigene Wirtschaft befand sich in einem verwahrlosten Zustand, Borgerei war an der Tagesordnung, aber trotzdem trat er und seine Familie immer großspurig auf. Die Tochter bekam eine Hochzeit ausgerichtet, wie sie Lampersdorf wohl je einmal erlebt hat, doch als G. bankrott war, zeigte es sich, daß weder Handwerker oder Lieferanten bezahlt worden waren. So wie G. mit Schimpf und Schande von seinem Hofe gehen musste, scheint sich sein verwerfliches Tun auch noch an seinen Kindern gerächt zu haben, Krankheit, Ehezerrüttung und wieder Bankrott verfolgte sie.

Vor dem dreißigjährigen Kriege soll zwischen Lampersdorf und Taubenheim eine Silbergrube „Schloß Falkenstein“ genannt, bestanden haben. Dies mochte, im ehemaligen Mühlen, späteren Gutsbesitzer in Seeligstadt, Karl Gotthelf Kirsten, im Kirstenschen Familienkreise der „reiche Vetter“ genannt, neues Begehren geweckt haben. Er taufte auf Seeligstädter Seite des Triebischhanges, unterhalb Lampersdorf, einen Schacht und entwickelte einen großzügigen Plan. Das gesamte, zwischen Lampersdorf und Taubenheim liegende, aber noch ungenützte Nutzgefälle der Triebisch, zirka 25 Ellen (14m) sollte ausgebaut werden. Das Gefälle seiner einstigen Besitzung, der Kirstenschen Erbmühle, sollte, wenn nicht freiwillig zu erreichen, durch eingeleitete Zwangsenteignung hinzugenommen werden. Diese schon beträchtliche Wasserkraft sollte nun der Silbergewinnung dienen. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt. In jender Zeit sandte die kommende Goldwährung ihre Strahlen voraus, der schöne Plan des reichen Vetters zerrann, und die Lampersdorfer Kirstenmühle blieb als solche erhalten (Sieh hierzu auch „Unsere Heimat“, Beilage zum Wilsdruffer Tageblatt 1935). Karl Gotthelf Kirsten brachte es zu außergewöhnlichem Reichtum.  In Dresden, Ecke Schweizer- und Hohe Straße besaß er eine Villa mit großem parkartigen Garten (bei der großen Vernichtungskatastrophe am 13. und 14.2.1945 wurde sie mit zerstört, jetzt stehen noch die Ruinen, und wie lange wird es noch dauern, und auch diese letzten Spuren des einstigen Besitzes sind nicht mehr). Karl Gotthelf Kirsten vermehrte aber auch hier noch seinen Reichtum durch  Börsenspekulationen.

Dem damaligen Kirstenmüller bzw. seiner Mutter, der Amalie Therese Kirsten in Helbigsdorf, gab er den Rat, den fast 300 Jahre immer vom Vater auf den Sohn vererbten Besitz zu verkaufen und das Geld in Papieren anzulegen, die hohen Gewinn bringen sollten. (Siehe „Mein Lebensgang“ von Georg Michael Kirsten, Helbigsdorf). Aber all dieser Reichtum reichte nicht bis an das Lebensende von Karl Gotthelf Kirsten, im Armenhaus in Dresden auf der Maternistraße (jetzt Arbeitsamt) ist er in Not gestorben.  Von den Kindern seines Vetters, dem er die Mühle so teuer verkaufte, wurde er noch unterstützt.

Karl Wilhelm Kirsten war Besitzer vom 30.7.1853, nachdem er, wie schon oben aufgeführt, sechs Jahre Pächter der Mühle war. 1860 unterbaute er das 1766 erbaute Wohnhaus, dabei ist sicher auch der ehemalige Weinkeller mit neu gedeckt, der sicher auch 1766 erbaut worden ist. Am Wohnhaus über der Tür brachte Karl Wilhelm Kirsten den Spruch „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ Aus Josua 24,15 an. Auch die Wasserleitung, welche durch feines Wurzelwerk fast zugewachsen war und kein Wasser mehr durchließ, erneuerte er. Der Obstbau muß damals in seinen besten Jahren gewesen sein. Von ihm haben wir, seine Nachfahren, noch kleine Mengen dieses nun schon über sechzig Jahre alten Weines.(Siehe auch Familiengeschichte Lydia Risse geb. Kirsten Nr. 4 u.5.)

Christiane Friedericke Kirsten geb. Kirchner übernahm nachdem ihr Ehemann am 10.3.1881 verstorben war, am 15.8.1881 die Mühle. Sie bewirtschaftete sie mit ihren zum Teil erwachsenen Kindern acht Jahre. Johannes Georg Kirsten, der jüngste Sohn der vorigen Besitzer, erwarb die Kirstenmühle Lampersdorf am 16.8.1889. Ein Schadenfeuer zerstörte 1897 Scheuen und Seitengebäude (am 31.Oktober) und am 28.9.1901 brannte die neuerbaute Scheune ebenfalls nieder. In der Mühle selbst hat Georg Kirsten mache Neuerung  geschaffen, unter anderem den ersten Benzinmotor aufgestellt. Bei dieser Modernisierung hat er aber keinen rechten Erfolg gehabt, sondern er kam in eine Lage, die es ihm unmöglich machte, die Kirstenmühle Lampersdorf, dessen 13.ter Kirsten als Besitzer er war, sich und seinen Söhnen zu erhalten. Emil Oskar Kleber, eine Schwager des vorigen, erwarb am 14.12.1900 in der Zwangsversteigerung. Karl Bruno Bäulich kaufte die Mühle von dem Kleber am 18.7.1901. Bei diesem war es auch, wo die Scheune am 28.9.1901 zum zweiten Mal in so kurzer Zeit brannte. Die Brandursache blieb in beiden Fällen (1897 und 1901) unermittelt, doch sollte wohl bei dem Scheunenbrand 1901 das nunmehr 135 Jahre alte Wohnhaus mit aus dem Wege geräumt werden, zu welcher  Annahme die Tatsache berechtigt, daß in diesem Wohnhaus am 6.9.1906 mittags 11 Uhr, wie festgestellt werden konnte, die Besitzersehefrau abermals Feuer anlegte, welches aber durch schnelles Eingreifen ihres Sohnes niedergehalten werden konnte. Hermann Arno Kuhn kaufe am 10.10.1912 das Anwesen, welches er aber später an Herbert Wetzig verpachtete (sieh hierzu „Die Geschichte der Kirstenmüller an der Kleinen und Großen Triebisch von Prof. Dr. Herbert Schönebauer).

 

Handwerker

„Handwerker zu setzen“ gehörte vor Jahrhunderten nicht zu den Rechten eines Dorfes.  Wir gehen aber kaum fehl, wenn wir annehmen, daß es in Sora und Lampersdorf jederzeit einen Schmied und einen Stellmacher gegeben hat. Brauchte man einen Bäcker, Beutler, Färber, Fleischer, Gerber, Glaser, Klempner, Kürschner, Sattler, Schneider, Schuhmacher, Seiler, Töpfer, Tischler, Zinngießer, Böttcher, Maurer und Zimmermann, musste man zur nahen Stadt gehen. Durch das Gesetz vom 9.10.1840 bekamen die Dorfgemeinden, Handwerker zu setzen. Bedingung war, daß der Handwerksgeselle, der sich selbständig machen wollte, der städtischen Innung beitrat, keinen Lehrling hielt und die Jahrmärkte nicht bezog. Von weittragenden Folgen war dann das neue Gewerbegesetz vom 15.10.1861 § 3 lautet: „Jedem dispositionsfähigen Inländer ohne Unterschied des Geschlechts, ohne Beschränkung in der Wahl des Ortes, ist es erlaubt, jedes Gewerbe zu betreiben.“ Was das sächsische Gewerbegesetz noch vergessen hatte, das beseitigte 1869 die Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund.

 

Handwerker, die auswärts ihr Brot verdienen (1940)

1.    Dachdecker Richard Arnold

2.    Arbeiter Greichen in Fa. Louis Seidel, Wilsdruff

3.    Maurer Kolske im Baugeschäft Berthold, Wilsdruff

4.    Installateurmeister Lorenz

5.    Maurer Willy Müller, im Baugeschäft Berthold, Wilsdruff

6.    Zimmerer Kurt Rentzsch im Baugeschäft Otto & Schlosser, Meißen

7.    Eisenbahner Oswin Rülker auf Bahnhof Wilsdruff

8.    Rudolf Schmieder, Zimmerer bei Träber, Röhrsdorf

9.    Zimmerer Sicker, bei Träber, Röhrsdorf

 

Bergbau in Sora, Lampersdorf und Lotzen. Ja, hat´s gegeben! Als 1826 im Gräflichen Einsiedelschen Eisenhütten zu Gröditz und 1841 durch Kammerherrn Freiherrn von Dathe auf Burgk in seiner „König Friedrich-August-Hütte“ im Plauenschen Grund ein Hochofen gebaut worden war, herrschte bald ein starkes Bedürfnis nach Eisenerz. Gebiete uralter Schiefergesteine enthalten gemeiniglich solche gesuchte Brauneisenlager, und so war es kein Wunder, daß man, nicht ohne Erfolg, an zahlreichen Stellen unserer Heimat auf. Brauneisenstein grub. In der Lotzener Delle auf Lampersdorfer Flur entstanden 1837 die Wilhelm und die Wolfgang Fundgrube, auf soraer Flur im gleichen Jahr die Hermann Fundgrube, nachdem hier bereits 1790 Wunderbares Glückerbstollen getäuft worden war. Hoffnungen aber und Gewinn zerflossen. Wie man 1793 damals den Bergbaubetrieb eingestellt hatte, so tat man es in der Wilhelm Fundgrube 1840, nachdem der Betrieb in den beiden anderen Fundgruben im Jahre ihrer Entstehung bereits zum Erliegen gekommen war.

 

Unser Kaufmannsladen

Wer von uns wusste den nicht? Und wer wäre unbefriedigt aus dem Lädel herausgekommen? Hier stand früher K. Gottlieb Bachmanns Bauerngut, das am 20.März 1847 wegbrannte. Auf der Brandstelle baute Vater Goldschmidt sein Fachwerkhäuschen. Seine Frau tat Botendienste. Sie kam wöchentlich nach Meißen, an und zu auch nach Dresden, zweimal nach Wilsdruff. Was man ihr auftrug, wurde treu und brav erledigt. Sie kaufte aber auch zum wiederverkauf, und so wurde ihre Stube nach und nach ein kleiner Laden mit Schachteln und Büchsen und vielen vielen Tüten. Mit der Zeit sah man die Unzulänglichkeit der Stube ein und baute einen Laden, einen richtigen kleinen Kaufmannsladen mit Tisch und Regalen, Mit Garnschrank, Salzkiste und Erdölständer. Gott was barg das kleine Lädel bald alles! Von den Gewürzinseln der Südsee, von den Kaffeeländern Amerikas, von England und Norwegen gab´s nun Verbindungswege bis in Goldschmidts Laden in Sora. Man konnte in ihm seinen  Würfelzucker, der bis vor kurzem noch etwas unbekannt war und Zuckerhut und Zuckerzange führend waren, zum Kaffee, seinen Pökling zum Abendbrot kaufen. Die Weißöl- und die Erdöllampe wurden von ihm getränkt. Der Junge kaufte seine Pferdeschmitze, das Mädel seinen Aniszucker. Nichts, nichts, was der Kaufmannsfrau unbekannt gewesen wäre! Am 1.April 1882 richtete das Kaiserliche Postamt zu Wilsdruff bei Marie Auguste Goldschmidt geb. Walther eine Posthilfsstelle ein, und diese Posthilfsstelle wuchs am 1.September 1904 zur Öffentlichen Fernsprechstelle. Gutsbesitzer Reinhold Nitzsche war es, der damals zuerst die Fernsprechstelle benützte, indem er den Tierarzt anrief. Die Gemeinde musste auf 5 Jahre die Verpflichtung übernehmen, nachzuzahlen, wenn nicht jährlich 130 M einkamen. Sie hat nicht nachzuzahlen brauchen: der Fernsprecher wurde zum Bedürfnis. Mit dem Tode der Inhabern ging der Laden auf die Kinder über. ER erweiterte, vervielfachte, verhundertfachte seine Bestände. Vom Neuruppiner bunten Bilderbogen über den festen 3-Zoll-Nagel, Holzpantoffel, über Syrup, Bolus, Kaffeezusatz, die ganze Welt war da! Alles, alles konntest du nun in Sora haben!

In Lampersdorf wurde 1911 im neuerbauten Gasthof ein Kaufmannsladen eingerichtet, der aber 1932 wieder einging.

 

Aus dem Einnehmerhaus

1825/26 war die Meißen-Wilsdruffer Straße chaussiert worden und  in Sora hatte man nach dem Baukostenanschlag des Kreisamtsmaurermeisters Ilschner für 1093 Thlr. 17 Gr. 3 Pf. Ein Chauseegeldeinnehmerhaus gebaut. Am 1.!1.1826 wurde dieses Chausseegeld-Einnahme eröffnet. Ihr erster Einnehmer war Friedrich Wilhelm Haupt, der von Zehren her versetzt wurde. Er bekam 7 Thlr monatliches Fixum, den 24ten Pfennig vom Chausseegeld-Einkommen, 18 Thlr. jährlich Beihilfe für Holz, Licht und Schreibmaterial, 16 Thlr. Zur Unterhaltung der Laterne. Mit dieser Chausseegeld-Abgabe war man nicht allgemein einverstanden. Der Rittergutsbesitzer von Heynitz und die Gemeinde Miltitz kamen zuerst mit einem Gesuch ein. Sie erreichten, daß man ihnen Ermäßigung des Chausseegeldes auf zwei Drittel für den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Dresden und für die Anfuhr von Steinkohlen zubilligte. Dann taten sich zusammen die Gemeinden Ullendorf, Riemsdorf, Reichenbach, Bockwen, Naustadt, Taubenheim und Lampersdorf, führten aus, daß sie beim Bau der Straße kostenlos Steine angefahren hätten und baten ebenfalls um Ermäßigung des Chausseegeldes, was sie auch erreichten. 1832 starb Einnehmer Haupt. Nachfolger wurde Accis-Güterbeschauer Johann Gottfried  Lehrig in Lommatzsch, nachdem der Accus-Güterbeschauer Kotter /Meißen die Soraer Einnahmestelle vertretungsweise besorgt hatte. 1834 bereits wird Lehrig an die Chausseegeldeinnahme bei den Katzenhäusern versetzt. Nach Sora aber kommt der Accis-Torschreiber Christian Friedrich Koitz vom Brüdertor in Oschatz. Jahr um Jahr sitzt er hinter seinem Einnahmefenster. 1841 muß sein Expeditionsofen ausgebessert werden, 1842 sogar der Schlagbaum erneuert. 1844 kommt Koitz an die Einnahmestelle Kaitz an der Dippoldiswalder Straße, und man ersetzt ihn in Sora durch  Oberchausseewärter und Amtsstraßenmeister Carl Friedrich  Thümmel aus Zschopau. E bekommt 132 Thlr. Jährliches Gehalt, 7 % Einnahmegebühren von den eingekommenen Chausseegeldern, 18 Thlr. Für Holz, Licht und Schreibmaterial, 16 Thlr für die Laterne und freie Wohnung, muß aber 100 Thlr. Kaution stellen. Die unruhigen Jahre 1848/49 gehen vorüber. Thümmel fühlt sich in Sora nicht wohl. Sein Einkommen ist schmal, seine Dienstwohnung ungesund. ER bittet mehrfach um seine Versetzung und erreicht schließlich, daß  er 1853 nach Mohorn versetzt wird. Da sich ein verabschiedeter „Hautboist“ Kaden für die Stelle gemeldet hat, kommt man tatsächlich auf dessen Anstellung zu, erhöht sogar sein Einkommen auf 10% von den Einnahmegeldern. Kaden ist lungenkrank und stirbt am 30.1.1854. Die Steueraufseher Gottschalk und Rose verwalten zunächst die Einnahmestelle, bis sich am 1.4.1854 der pensionierte Amtsarchivar Friedrich Heinrich Steegen findet. Er hat die Feldzüge 1813 in Sachsen, 1814 in den Niederlanden, 1815 in Frankreich mitgemacht und war dann von 1821 ab volle 30 Jahre Copist und Amtsarchivar am Justizsamt Stollberg, wo er sich beim Aktenausheben einen Leistenbruch zuzog. Er lässt 1856 einen neuen Schlagbaum setzen, kümmert sich aber nicht sonderlich um seine Amtstätigkeit. Seine Familienverhältnisse sind zerrüttet. Er trinkt und man droht ihm mit Dienstentlassung, die auch tatsächlich erfolgt zu sein scheint. Am 1.10.1860 zieht der pensionierte Unteroffizier Nic. Mroß in das Soraer Einnehmerhäuschen,, der vordem an der Albertsbahn in Tharandt angestellt war. Ein Blitzschlag 1866 richtet wohl Gebäudeschaden an, verschont aber die Insassen. Am 1.10.1869 wird Mroß nach Plauen versetzt. Die Einnahmestelle bekommt Friedrich Ernst Schubert, der in der Schlacht bei Königsgrätz das rechte Bein verlor. Er scheint über den deutsch-französischen Krieg hinaus die Soraer Stelle versorgt zu haben. 1892 setzt man die Einnehmerwitwe Dathe aus Kesselsdorf ins Soraer Einnehmerhaus, aber 1885 verkauft man das Grundstück für 2700 M an den Bäckermeister Ernst Woldemar Schulze aus Taubenheim. Die Chausseegeldeinnahme war geschlossen.  Vom Chausseegeldeinnehmer: HB 1936/54 E. Däßler, von der Meißen-Wilsdruffer Straße. HstA: die Chausseegelder-Einnehmer bei Sora vol I. 1826/57,  II 1857/72. Loc. 34 288 34 319 Rep.LXII Nr. 2109

 

Von den Gasthöfen

Keines der drei Dörfer besitzt einen Erbgerichtsgasthof wie etwa Röhrsdorf, Grumbach, Herzogswalde, Mohorn. Blättern wie im Kirchenbuche, stoßen wir wohl hier und da auf „den Schenken von Lampersdorf“, nicht aber auf einen Schenken von Sora. Die Soraer Bauern besaßen das Recht des Reiheschanks, ausgeübt 1790 von Bauer Kunze. Da erhebt Bauer Joh. Georg Klemm (Lampersdorf) Einspruch gegen diese Anmaßung, und das Schönbergische Gericht zu Limbach verbietet tatsächlich solchen Reihenschank bei 40 Thlr. Strafe. Kunze kehrt sich nicht an dieses Verbot und wird darum mit 22.THlr. 23 Gr 9 Pf, gebüßt. Jetzt tritt der Richter von Sora, Johann Christoph Rülker, auf und erklärt im Namen seiner Gemeinde, daß Kurfürst Friedrich  August von Sachsen am 22.9.1794 der Gemeinde Sora  die Befugnis zum Reiheschank erteilt habe. Klemm(Lampersdorf) habe durchaus kein Recht, Gäste zu setzen, Tanzmusik zu halten und den Schank auszuüben. Klemm wendet sich an den Gerichtsdirektor Leonhardt in Wilsdruff, der im Grundbuch 3 Verkäufe  eines Schenk-Bauerngutes mit Erb- und Bierschankbefugnis in Lampersdorf feststellt ( 1609 Peter Wittig/Martin Dietze, 1616 Martin Dietze/Paul Dietze, 1767 Martin Schubert/Johann Gottlieb Schubert) und der daraufhin ein neues Schankverbot für Kunze/Sora erläßt. Kunze setzt nichtsdestoweniger seinen Schankbetrieb fort, da er noch 5 Tonnen Wilsdruffer Bier im Keller habe und außerdem einen großen Vorrat verschiedener Speisen angeschafft habe, die er nicht verderben lassen könne. Nunmehr wird die Angelegenheit der allerhöchsten Behörde zur Entscheidung vorgelegt, von der am 5.12.1810 folgender Bescheid ergeht: Uns ist geziemend vorgetragen worden die Klage Johann Georg Klemms in Lampersdorf gegen Johann Gottlieb Kunze in Sora und gegen denselben erlassenes Verbot des Bier- und Branntweinausschankes. Wir werden es bei solchem Verbot bewenden lassen und weisen Kunzens Begehren hiermit ab. Dresden, am 1.Nov. 1810 A.v.Hünerbein. Die Gemeinde Sora ist damit durchaus nicht einverstanden, wendet sich wiederholt an das Schönbergische Gericht in Limbach und verlangt vom Gerichtsherrn, daß er bei 20 Thlr. Strafe den Schank in Lampersdorf verbieten solle. Klemm wendet sich  an den Advokaten Georg Ernst Müller. Er verlangt bestimmte Beweise, inwiefern Sora das Recht des Reiheschank haben soll. Man bringt 6 Zeugen herbei, die da aussagen, daß Sora seit mehr als 40 Jahren den Reiheschank besitze, 1778 auf Tamme, 1780 auf Philipps und darnach in Kästners Gut, daß übrigens in Sora nicht immer Wilsdruffer, sondern auch fremdes Bier verschenkt worden sei. Die Gerichtspersonen wissen keinen anderen Ausweg, als beide Parteien zum Vergleichstermin einzuladen, in dem versucht werden soll, eine Einigung zwischen den beiden Gemeinden herbeizuführen. Der Gerichtsdirektor bringt es auch dahin, daß die Feindseligkeiten von beiden Seiten eingestellt werden und Kunze und Klemm die Kosten gemeinsam tragen. Kunze kauft im Oberdorf eine Wirtschaft, da der Verkehr auf der Landstraße jährlich wuchs. Sein Nachfolger, Der Gastwirt Böhme, erbaute 1830 den heutigen Gasthof, der aus den Händen des Erbauers auf Carl Ernst Richter überging, der mit der Wirtschaft eine Bankfleischerei betrieb. Sein Sohn bewirtschaftete jahrzehntelang den Erbgerichtsgasthof in Grumbach. 1882 wurde Richters Schwiegersohn, Güldner, der in Taubenheim eine Fleischerei mit Schankbetrieb besaß, Besitzer des Gasthofs in Sora. Güldner blieb aber in Taubenheim und verpachtete den Gashof in Sora an Gastwirt Thiele. Im August 1885 kaufte ihn Holzhändler Friedrich  August Fickmann. Er baute 1896 die ganze Vorderseite massiv und verlängerte die Fensterfront um4 auf 13 Fenster. Er errichtete auch den großen Pferdestall der häufigen Beherbergung von Kohlefuhrwerken wegen, die die Landstraße nach Meißen bis zur Errichtung der Bahn 1909 belebten. Im April 1908 kam der Gasthof an Fleischermeister Max Haubold, der 1899/1908 in Wilsdruff eine Fleischerei in Wilsdruff betrieben hatte. Seine Gattin, humorbegabt und schlagfertig, war als die „Tausendjährige Ida“ im weiten Umkreis beliebt und bekannt. Sie starb am 13.6.1941, ihre Ehemann am 31.3.1943

 

Die Döringstiftung

In Lampersdorf steht auf der Straßenkreuzung eine Linde, an deren Einfriedung man lesen kann: Zur Erinnerung an die Döringstiftung 1904.Am Westausgang von Limbach stößt man am Zusammenfluße des Dorfweges mit der Staatsstraße auf eine ähnliche Linde: die Döringlinde 1906. Ernst Heinrich Döring wurde als Sohn eines Gutsbesitzers am 29.Oktober 1836 in Lampersdorf geboren. Seine Eltern siedelten dann nach Grumbach über, da sie das jetzt im Besitz des Gutsbesitzers Umlauft befindliche Gut am 12.Juli 1838 gekauft hatten, das am 30.9.1854 wieder in andere Hände überging. Hier in Grumbach verlebte Ernst Heinrich seine Jugendzeit. Nur ganz wenige Altersgenossen können sich seiner noch erinnern, die ihn als einen talentvollen, tüchtigen Jungen bezeichnen. Nach Entlassung aus der Schule erlernte er das Handwerk als Zimmermann, das er während der schönen Jahreszeit betrieb. Im Winterhalbjahr besuchte er die Bauschule Dresden. Später ließ er sich in Darmstadt als Architekt nieder. Vom dortigen Bürgermeisteramte war nur die Mitteilung zu erlangen, daß er die letzte Zeit als Rentner dort gelebt hat und ledigen Standes geblieben ist. Verschiedene Tatsachen lassen darauf schließen, daß Döring ein zurückgezogenes Leben geführt hat und wenig in die Öffentlichkeit getreten ist. Über sein tragische Ende sei folgendes berichtet: Döring ging am 10.Juni 1904 wie fast täglich nachmittags allein in den ein halbe Stunde von Darmstadt entlegenen Anlagen der Ludwigs- und Marienhöhe spazieren. Hier fand ihn das anwesende Publikum, welches nach Vernehmen zweier Revolverschüsse zum Tatort eilte, am Wege liegend tot vor. Eine Kugel war ihm durch eine Hand, welche er wahrscheinlich zur Abwehr hochgehalten hatte, und die andere durch das Herz gegangen. Keiner der Anwesenden wagte den Mörder zu fassen, da er jeden mit vorgehaltenem Revolver niederzuschießen drohte, und so entkam er. Raubmord scheint nicht vorgelegen zu haben, da Uhr und Geld bei Döring noch vorgefunden wurde. Als der Tat verdächtig, beziehentlich als Anstifter hierzu, war ein Neffe, der um diese Zeit sich in Darmstadt aufgehalten und sich in heruntergekommenen Zustande befunden hat, in Haft genommen wurde, aber wegen mangelnder Beweise wieder freigegeben werden musste. Der Ermordete hatte am 15.Novemerb 1902 ein Testament gemacht, aus dessen sehr umfangreichen Inhalt nur das für uns in Frage kommende mitgeteilt sei: § 1 Zu Erben meines Vermögens setze ich unbeschadet der später verordneten Vermächtnisse und Anordnungen ein: 1. den landwirtschaftlichen Verein der Provinz Starkenburg zu einem Vierteil; 2. die Dorfgemeinschaft Lampersdorf, Birkenhain, Limbach und Grumbach, sämtlich bei Wilsdruff im Königreich Sachsen gelegen, zusammen auf eine Vierteil, in welches sie sich gleichenteilig teilen; 3. den Gustav-Adolf-Verein des Kreises Darmstadt zu einem Vierteil; 4.Die Stadt Darmstadt zu einem Vierteil. Auszugsweise von § 2: die unter 2 genannten Dorfgemeinden haben das ihnen zufließende Kapital ebenfalls verzinslich anzulegen und die Zinsen alljährlich zur Beschaffung von jungen Obstbäumen und Pfählen zu verwenden, welche an solche Dorfbewohner, die geeignete Gras- oder andere Gärten oder bis zu 10 Hektar zur Obstzucht geeignetes Land besitzen mit der Bestimmung der Anpflanzung nötigenfalls Okulierung, ententgeltlich abzulassen sind. Wenn in den betreffenden Gemeinde die kleinen Grundstücksbesitzer alle mit Bäumen versorgt sind und zur Obstzucht kein geeignetes Feld mehr übrig haben, dann können auch an größere Grundbesitzer Obstbäumchen unentgeltlich abgegeben werden. Die Auswahl der Personen steht überall dem Gemeindevorstand zu.“

Auf Grund dieser Bestimmung fiel einer jeden der genannten Gemeinden ein Erbteil von 3095,42 M zu, deren Zinsen alljährlich satzungsgemäß Verwendung gefunden heben. Weiter kommt noch eine Bestimmung in  § 5 sub. 2 hier in Betracht, die folgenden Wortlaut hat: „Meinem Bruder Friedrich Ernst Döring, dessen Aufenthalt mir unbekannt ist;  er ist schon seit vielen Jahren abwesend, vermache ich 6000 M. Sollte derselbe vor mir verstorben sein oder aus einem sonstigen Grunde das Vermächtnis nicht erwerben können oder wollen oder sollte er bereits verstorben sein, so tritt seine eheliche Nachkommenschaft an seine Stelle. Ist solche Nachkommenschaft nicht vorhanden, so teilen sich in diese 6000 M die in § 1 unter NR.1,2 und3 genannten Erben.“ Nachdem das Amtsgericht Tharandt unter dem 16.Oktober  1904 für diesen verschollenen Bruder eine Pflegschaft einrichten ließ und dasselbe Amtsgericht unter dem 20.2.1906 dessen Tod erklärte und als Zeitpunkt des Todes den 31.12.1871 annahm, fiel den genannten Dorfgemeinde ein weiteres Erbteil von je 448,25 M zu, deren Zinsen in gleicher Weise zur Verwendung kommen. Kurz sei noch erwähnt, daß Dörings übrige Geschwister Vermächtnisse erhielten, und zwar 10000 M der erste acht, dann je 6000M und einer 3000 M. Weiter verpflichtete Döring eine Testamentsvollstrecker auf Kosten des Nachlasses zur Errichtung eines Grabmonumentes  mit eiserner Einfriedung auf dem Darmstädter Friedhof und bestimmte hierzu sie Summe von 12000 M. Das Fundament sollte bestehen aus besten, wetterfesten , hellgrauen Sandstein oder auch von weißem Marmor mit seinem Medaillon. Für den Entwurf sollte ein Preisausschreiben erlassen und hierzu bis zu 1500 M verwendet werden. Talauf, talab stehen Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumenbäume, teils Zwerg- teils Hochstämme, an die 625 allein auf Lampersdorfer Flur. Sorglich sind sie mit Pfählen und Drahtschutz versehen. Überall waltet unsichtbar sichtbar Dörings Stifterhand. Denken wir dankbar seiner ! Und suchen wir seine Heimatliebe auf unsere Nachkommenschaft zu übertragen!

 

12.Statistisches

Einwohner

 

 

Sora

Lampersdorf

Lotzen

 

Einwohner

Gebäude

Haushalte

Einwohner

Gebäude

Haushalte

Einwohner

Gebäude

Haushalte

1834

164

-

-

125

-

-

76

-

-

1843

187

-

-

144

-

-

62

-

-

1846

176

-

-

157

-

-

72

-

-

1849

181

22

31

161

17

24

61

13

18

1852

198

22

28

173

17

24

59

13

17

1855

205

24

27

159

18

24

64

13

16

1858

196

24

24

163

18

19

61

13

16

1861

204

24

28

163

19

24

63

13

16

1864

202

24

30

153

19

24

74

13

14

1867

201

23

28

159

19

20

70

13

16

1871

201

23

29

150

19

21

70

13

20

1875

195

25

33

128

19

23

65

12

16

1880

192

25

31

130

19

24

67

13

16

1885

193

23

30

137

19

23

65

13

16

1890

195

25

29

134

19

19

70

13

15

1895

193

25

-

140

18

-

82

13

-

1900

197

-

-

135

19

20

83

13

14

1905

183

-

-

125

21

19

65

13

13

1910

196

-

-

107

20

18

59

13

13

1919

218

-

-

126

-

21

55

-

14

1925

217

-

-

129

-

 

59

-

-

1933

214

23

38

116

-

28

50

-

-

1936

-

-

-

116

-

29

-

-

-

1939

-

-

-

116

-

29

-

   

1941

-

-

-

-

-

-

51

13

17

1943

-

25

43

-

-

-

33

-

-

1944

-

-

-

-

-

-

36

-

-

 

In Sora waren es 1933 14 Höfe und 9 Hausgrundstücke mit 38 Haushaltungen, 1943 14 Höfe und 11 Hausgrundstücke mit 43 Haushaltungen.

In Lampersdorf sind 1943 zwei Fliegergeschädigte aus Köln und einer Frau Erna Rothe mit 3 Kindern aus Berlin, 1944 kommen zu diesen noch weitere drei fliegergeschädigte Frauen mit je 2 Kindern aus Leipzig.

 

Die Richter

 

Sora

Lampersdorf

1561

Simon Grellmann

1564

Blasius Praß

1578

Blasius Fichner

1577

Jorg Hoier

1633

Thomas Birkner

1616

Martin Dietze

1647

Gregor Köler

1653

Jacob Götze

1654

Jacob Hermann

1689

Peter Götze

   

1767

Johann  Georg Dietze

   

(Kirchenbuch Limbach /Sora)

 

Die Bürgermeister in Sora

 

Von

bis

 

19.04.1839

1844

Carl Gotthelf Kunze

01.01.1845

1850

Johann Gottlob Nitzsche

01.01.1851

1856    

Karl Gottlob Schönhals

01.01.1857

1862

Moritz Ludwig Wätzel

06.12.1865

1879    

Friedrich Robert Kästner

01.01.1863

22.07.1865

Julius Hermann Schönhals

23.07.1865

06.12.1879

Karl Ernst Rülker

01.01.1880

xx.03.1914

Friedrich Robert Kästner

17.04.1914

26.06.1933

Reinhold Nitzsche

1933

1945

Edwin Pietzsch

20.05.1945

 

Elsa Götze

 

Die Bürgermeister in Lampersdorf

 

Von

bis

 

1839

1845

Johann Gotthelf Wetzel

1845

1850

Adolph Eduard Pietzsch

1851

24.11.1855

Friedrich Wilhelm Hempel

24.11.1855

30.09.1858

Karl August Thierbach

01.10.1858

1882

Carl Gottlob Philipp

1883

1884