Ernst Arthur Kühne:

Ortsgeschichte und Geschichte der Dörfer

Sora, Lampersdorf, Lotzen[1]

 

Diese Arbeit hat Herr Oberlehrer Ernst Arthur Kühne, Wilsdruff

vor und Anfang des 2.Weltkrieges begonnen (1935-1948)

 

1.

Wo sie liegen

2.

Der Dörfer ältesten Urkunde

3.

Was der Bauer vorfand

4.

Unsere Höhen und unsere Aussicht

5.

Dienststellen, Ämter und Behörden

6.

Was wir aus den ersten Jahrhunderten an Urkundlichem erfahren

7.

Von der Kirche

8.

Von der Schule

9.

Straßen und Wege

10.

Krieg und Kriegsgeschrei

11

Von den Berufen im Orte

 

 

 

 

 

 

 

12.

Statistisches

 

 

 

 

 

13.

Politische Einstellung

14.

Volkskundliches

 

 

 

15.

Heimatliches Schrifttum

 

·         Gegenwärtige Besitzer in Lotzen  (1948)

 

·         Gegenwärtige Besitzer in Lampersdorf  (1948)

 

Sora, Lotzen, Lampersdorf                                   

 

1. Wo sie liegen

 

Mitten im Gau Sachsen, westlich Dresden

Haltepunkt der Kraftpost Wilsdruff-Meißen

Im Süden des Kreises Meißen

Straßenentfernung                                 4,5 km von Wilsdruff                                                             

                                                             10,6 km von Meißen

 

Namensvettern:

Sohra bei Freiberg, Post Oberbobritzsch

300 Einwohner

Sora bei Schirgiswalde, Post Wilthen       

30 Einwohner

Lampersdorf, Post Oschatz                     

348 Einwohner

 

2. Der Dörfer älteste Urkunden

 

Jede geschichtliche  Forschung bedarf der Urkunden. Sora kann sich  glücklich schätzen, die älteste geschriebene Urkunde der Heimat, die Originalurkunde Nr. 92b im Hauptstaatsarchiv Dresden vom Jahre 1186 sein Eigen nennen zu können, also eine Urkunde beinahe aus der Zeit der Ortsgründung.

Aber die besten zwei ungeschriebenen Urkunden, die noch älter sind, entstanden in den Tagen der Ortsgründung selbst: Die Dorf- und Fluranlage, der Ortsname.

Vorgeschichtsfunde für Sora und Lotzen fehlen bis zur Stunde. In Lampersdorf  fand Bauer Pietzsch am 2.10.1938 in seinem Hofe das Bruchstück einer Amphipolit-Steinaxt. Auch in der Umgebung liegen solche Funde vor, in Burkhardswalde, Schmiedewalde, Seeligstadt, in Röhrsdorf, Sachsdorf, Taubenheim, Ullendorf, Wilsdruff, Robschütz, Jockischberg zeigen zwei schöne slawische Abschnittswälle. Diese Funde und Wälle scheinen mit alten Wegverbindungen zusammenzuhängen.

Umso bedeutsamer sind die beiden oben angeführten Urkunden: Sora zu beiden Seiten der Dorfstraße auf dem Geländeabfall liegen die großen Güter mit dem „Vorhaupt“ zur Straße stoßend. Hinter dem Gute, zur Höhe ansteigend die gutseigenen Felder, Wiesen, Wald. Sora ist ein Reihen- und Waldhufendorf deutscher Gründung, wie alle die umliegenden Dörfer

Lampersdorf: Von der kleinen Triebisch aus streichen die Feldstreifen westwärts zur Höhe empor: Lampersdorf ist ein einseitiges Waldhufendorf.

Die andere Urkunde bilden die Ortsnamen:

1186 : Sivritthissare,1334 : Sar parvum und Sar magnum, 1428 Soraw, 1465 zcum Sora. Die älteste form ist zusammengesetzt aus Sivritth = Siegfried, der Name des Bauernführers und ahd. Sawer, nhd. Sauer, sumpfig. Sivritthisare also die sumpfige Aue des Siegfried. Der Ortsname kennzeichnet das Dorf als eine Gründung main-fränkischer Bauern wie Röhrsdorf = Dorf des Rüdigers, Wilsdruff = Dorf eines Wielands, Burkhardswalde = im Walde Burkhards.

1349 Lamprechtisdorf , 1378 Lamprechtstorf, 1428 Lampirsdorff, 1445  Lampersdorff= Dorf eines Bauernführers Lampert.

Das Vorwerk „uffn Lutze“ gehörte bis 1592 zum Rittergut Limbach und kam damals in der Erbteilung an das Rittergut Wilsdruff. Caspar Rudolph von Schönberg baute es zu einem Dörfchen aus.

Auf der Oederschen Karte lesen wir: der hof ufm Lutz genannt. 1559 nennt uns das Kirchenbuch Sora/Limbach einen Johann Schlicke, diese Zeit Hoffmeister uffn Lutze. Die Flur des Dörfchens ist aus der Lampersdorfs heraus benommen. Entweder kommt der Name her von „lozin“ = Weidenbach oder von „loza“ = Wald, also „im Walde gelegen.“

 

3. Was der Bauer vorfand

Die weite Wanne Soras wie der Ost- und Südostabfall der Bayerhöhe, die Flur Lampersdorfs und Lotzens, sind dick überkleidet mit eiszeitlichem Lößlehm, der im Süden in der Tiefe sehr bindig und schwer durchlässig ist.

Dieser Lößlehmruhr an den Hängen des Tales der kleinen Triebisch und nordwärts der Soraer Dorfstraße auf Syenit, der vor Jahrmillionen breiartig dem Erdinneren entquoll, in Lampersorf-Lotzener Flur und südwärts der Soraer Dorfstraße auf Kießelschiefer, dessen Granolithen das Gestein als eine Ablagerung des Meeres erkennen lassen.

 

4. Unsere Höhen

1.      Trigomonometrischer Punkt am Gemeindeweg Sora/Birkenhain südlich der großen Wegelinde 310,3 m

2.      Baeyerhöhe 322,3 m (Hierzu sieh BH 1927/S.116)

Wohin wir bei klarem Wetter sehen können

„Der Rundblick von der Baeyerhöhe ist einer der freiesten und schönsten der ganzen Dresdner Gegend.“ Prof. Dr. Gottfried Weiker (Rings um Dresden in 15 Tagen.)

Infolge des harten Gesteins, Kieselschiefer, hielt sie den abtragenden Kräften Stand und ragt nun heute über die heimische Landschaft beherrschend empor, die sich zur Fastebene abtragen ließ.

Alle jugendlichen Täler (Saubach, Große und Kleine Triebisch) sind verdeckt. Nur das Elbtal zieht sich im Osten als scharfkantiger Graben durch  die Ebene, deren ursprüngliche Einheit hier jedem offenbar wird.

Der Blick reicht hinter in die Lausitz (die Höhen nördlich von Königsbrück 40 km, von Pulsnitz und Bischofswerda 50 km, der Keulenberg 38 km), fliegt nach Süden hinauf zum Wilisch 25 km und Lerchenberg 20 km. Über dem oberen Stück des Saubachtales bei Grumbach wird der Blick auf die Dippoldiswalder Heide frei mit dem Luchberg in ihr (28 km). Dann zeigen sich die Ausläufer des Tharandter Waldes, dahinter die Paulsdorfer Heide, in der wir die Talsperre von Malter ahnen. Während nun ziemlich im Vordergrunde der Tharandter Wald zum Landberg 9 km ansteigt, taucht dahinter der Geising 40 km auf, dem der Kahleberg 40 km folgt. Dann decken der Landberg und südwestlich anschließend die Höhen von Mohorn den Blick in die Ferne.

Weiter nach Südwesten folgt das mittelsächsische Gebirge als deutliche Erhebung, wobei die Halsbrücker Esse (142 m hoch) 17 km und Siebenlehn mit seinem Wasserturm 14 km heraustreten, bis schließlich das Muldental bei Nossen diesen Höhenzug mit einem scharfen Abfall enden lässt.

Nach Nordwesten folgt die Hügellandschaft jenseits der Triebisch mit dem Katzenberg 11 km, neben ihm rechts der Collmberg 42 km, bis schließlich nach Norden zu das Porphyrgebiet von Meißen mit den Polenzer Linden 6 km den Rundblick vervollständigt.

5. Dienststellen,  Ämter und Behörden (1939)

Lampersdorf:

Gemeindeamt, - Kasse, Posthilfsstelle, Ortsbauernführer

Sora:   

Schule, Pfarramt, Standesamt, Friedensrichter

Klipphausen:

Ortsgruppe der NSDAP

Wilsdruff:

Amtsgericht, Fernsprechamt,  Allgemeine Ortskrankenkasse, Nossen Zahl- und Meldestelle Wilsdruff, Gendarmerie-Hauptwachtmeister, Wilsdruff Posten Limbach

Meißen:

Amthauptmannschaft, Landgericht, Oberlandgericht, Landesbauernschaft, Gauleitung der NSDAP

Nossen:

Finanzamt, Ortskrankenkasse s. Wilsdruff

 

Dienstellen, Ämter und Behörden (1939)

Lotzen:

Gemeindeamt, -kasse

Lampersdorf:

Gemeindeamt, - Kasse, Posthilfsstelle, Ortsbauernführer – weiter wie oben bei Lampersdorf

 

Dienstellen, Ämter und Behörden (1939)

Sora:

Gemeindeamt, -Kasse, Posthilfsstelle, Ortsbauernführer, Schule, Pfarramt, Standesamt, Friedensrichter, weiter wie oben bei  Lotzen und Lampersdorf

 

6. Was wir aus den ersten Jahrhunderten an Urkundlichem erfahren

1769 trug man in Sora Kirchendach und Dachreiter ab. Findet der Rülker im Kirchenboden oberhalb des Grundsteins in der Giebelmauer ein grob zugehauen Einschiebekästen von Buchenholz, noch ganz frisch und unverweset, obwohl solchem aus andern Kennzeichen ein hohes Alter anzusehen. Hatte solches über dieses noch einen, auch aus dem ganzen zugehauenen Angriff dergestalt, daß alles zusammen dem Schlägel eines Böttichers ziemlich ähnlich sahe. Bei Ausziehung  des Einschiebers fand man darin ein Pergament, eine halbes Papierbogens groß, mit einem wächsernen Siegel an vermorschter Schnure. So man aber ein wenig daran zupfet, wollte es gleich zerbrechen.

Heute liegt die wertvolle Urkunde (Nr. 92b)[2] im Hauptstaatsarchiv (1947 heißt es Landeshauptarchiv) Dresden und weil nicht jeder dahin fahren mag, soll hier ihr Bild stehen und ihr großes Siegel und was auf ihr geschrieben:

Markgraf Otto der Reiche von entschied als Oberlehnsherr in dieser Urkunde, daß die Leute Adelberts von Taubenheim ihm

1.      von jeder halben Neubruchhufe ¼ meißnisch Silbermark solle,

2.      sollten sie nicht verpflichtet sein, an der jedes Jahr stattfindenden Hauptversammlung der Lehnsleute teilzunehmen

3.      sollten sie die unter der Bezeichnung „Fare“ zusammen gefassten Strafrechtsbestimmungen nicht gelten,

4.      sollten sie frei sein von Entrichtung jeglicher Bede, d.h. landesherrlicher Steuer

5.      sollten sie nicht gezwungen sein, irgendwelche Frondienste zu verrichten, sondern solche freiwillig tun.

Streitigkeiten untereinander sollten sie im allgemeinen für sich erledigen. Nur in besonders schwierigen Fällen sollte ihr Herr einspringen, aber auch nur, wenn er besonders darum begrüßt würde und dann solle er den Streit schlichten „mit ihrer Beihülfe“.

Jahrzehnte kamen und gingen, brachten neue Bestimmungen: Bereits in der Bedeliste (auch Bede) 1334, also 150 Jahre nach  Abfassung der Urkunde vom Jahre 1186, wird festgelegt, daß Sora zu entrichten hat 30 Groschen, 1378 sind es ein Schock 41 Groschen 3 Pfennige in zwei Terminen und 9 Scheffel halb Korn und halb Hafer.

Die Soraer 21 Hufen und die 15 ½ Hufen Lampersdorf kamen von den Taubenheims an die Schönbergs auf Limbach (3.5.1445) und blieben bei Ihnen bis auf die Jahre 1501/23.

Das Vorwerk Lotzen gehörte ehemals zum Rittergut Limbach und kam erst 1592 in der Erbteilung an das Rittergut Wilsdruff. Es wurde verwaltet von dem „Hoffmeister uffn Lutze“, von denen uns in den kirchlichen Registern Limbach/Sora genannt werde: 1559 Johann Schlicke, 1568 Donat Brunnert, 1584 Merten Büttner, 1597 Jacob Fritzsche, 1607 Peter Schüttig, 1633 Peter Fuhrmann, 1634 Hans Kühne.

Besitzer des Rittergutes Wilsdruff war 1592 Caspar Rudolph von Schönberg. Er bat 1609 seinen Kurfürsten um Entlassung aus den landesherrlichen Diensten, um sich der Bewirtschaftung seiner Güter zu widmen. Er kaufte die Hesel/Philippsche Mühle unter Wilsdruff, die heutige Hofemühle, kaufte die Postscherschen Felder und scheint diese Zeit das Vorwerk Lotzen durch Ansiedlung von Dreschern zum Dörfchen mit 16 Häusern ausgebaut zu haben. Im Laufe der 17.Jahrhunderts scheint sich das Dörfchen selbständig gemacht zu haben. 1627 wird Hans Staudte, 1655 George Dietrich, beide „Richter zum Lutzen“, 1688 ein Hufschmied Andreas Horn, 1696 ein Leineweber George Wittig und ein anderer Michael  Hillig genannt. Das Vorwerk taucht 1559 in den kirchlichen Registern zum ersten Male auf. Die Oedersche Karte (1.Jahrzehnt des 17.Jahrhundert) bringt den „hof ufm Lutz genannt“. 1611 kehrt Caspar Rudolph in die Dienste seines Landesherrn zurück, wurde Berghauptmann zu Freiberg, 1613 Obereinnehmer der Land- und Tranksteuer, 1616 Oberhauptmann der Erzgebirge, nahm 1626 seine Entlassung, kaufte noch  Rittergut Maxen, starb aber bereits am 13.12.1628 im Alter von 57 Jahren und wurde, angetan mit der kurfürstlichen Gnadenkette, in der Nicolaikirche zu Wilsdruff beigesetzt.

Jahrhunderte waren die Wege Sora/Lampersdorf-Limbach und der Fußweg Lotzen-Wilsdruff belebt durch die Fröhner, die zur Arbeitsstätte gingen und fuhren.

Sora: die Bauerngüter Brandkataster 1, 3, 9, 12, 13, 14, 16, 17, 19[3] hatten  22 zweispannige halbe Ackertage 2 Korn-, 1 Hafer- 1 Gras-, 1 Grumethautag, 3 Handtage zu leisten und hatten außerdem Heu und Krumet dürre zu machen, Hafer zu binden und zu rechen. Die Brandkataster Nr. 7, 8, 10 und 11 [4] waren zu 2 Kornbau- und zu 7 Handtagen verpflichtet. Das Gut Nr. 2[5]

hatte 22 zweispännige halbe Ackertage, 2 Korn-, 1 Gras-, 1 Krumethautag und 3 Handtage zu stellen, während die Nr. 18 und 20[6]  je 3 Korn-, 1 Hafer-, 1 Gras- und einen Krumethautag zu leisten hatten. Nr. 22[7] endlich war nur zu einem Haferhautage verpflichtet und hatte Hafer zu rechen.

 

Lampersdorf: Die Nr. 3, 5, 6, 7, 8, 9, 11 hatten 22 zweispännige halbe Ackertage, 2 Korn-, 1 Hafer- 1 Gras-, 1 Grummethautag und 3 Handtage zu leisten, hatten ebenfalls Heu und Krummet dürre zu machen und Hafer zu rechen. Nr. 4 (die Schmiede) war verpflichtet zu 2 Kornhau- und 7 Handtagen, desgleichen Nr. 10. Nr. 1 hatte 6zweispännige halbe Ackertage, 3 Korn-, ½ Hafer- 1 ½  Gras-, 1 Grummethautag und 5 ½  Handtage zu beschicken, war zum Dürremachen von Heu und Grummet verpflichtet und zum Binden und Rechen von Hafer. Nr. 2 hatte endlich 16 zweispännige halbe Ackertage, 2 Korn-, ½  Hafer- 1 Gras-, 1 Grummethautag und 3 Handtage zu leisten nebst  der Handarbeit der übrigen Bauerngüter.

Baudienste: Bei allen Baulichkeiten am Schloß Limbach, Viehhaus, Scheune, Schäferei, an Brücken und Mauern mussten die Bauern alle Fuhren der Reihe nach verrichten, alles Material an Ort und Stelle schaffen, die Baustätte beräumen, Grund graben, Sand sieben, Kalk einmachen und zu gleicher Zeit mit den Bauleuten an- und abtreten.

Wache: Die sämtlichen Untertanen waren verpflichtet zu wachen, wenn der Gerichtsherr verreist war, wenn Leichen auf der Bahre lagen oder sonst gefährliche Zeiten sich anließen, mit Wasser nächtlich umzugehen außerhalb des Hofes, damit aller Gefahr gewehret und darauf sehen, daß bei eintretenden Unglücksfällen kein Mangel an Wasser ist.

Röhrwasserdienste: Damit der Gerichtsherr Wasser erhält in seinem Hof und seine Wohnung, sind die Untertanen verpflichtet zu graben, Röhren zu legen und zu verdecken, den Röhrboden zu räumen, Teiche und Pfützen zu schlemmen, so oft es nötig ist und mit Pferd und Handdienst alle Arbeit zu verrichten, damit es Menschen und Vieh im Gutshof nicht an Wasser fehle.

Scheunendienste: Die Bauern und Gärtner müssen der Reihe nach alle Gebäude des Gutshofes mit Dachschober versehen, die alten abnehmen, die neuen auflegen wie sie der Gutsherr haben will, „dabei allen Fleiß anwenden, daß weder im Verfertigen der Schobe eine Nachlässigkeit verspüret werde“ . Wenn die Scheunentennen wandelbar werden, sind die Untertanen verbunden, neue Tennen zu schlagen, aufzuhacken, einzuweichen und so herzurichten, daß die Drescher in keiner Weise gehindert werden.

Jagddienste: Von Bartholomäus bis Fastnacht ist jeder verpflichtet, 2 Tage mit auf die Jagd zu gehen, was ihm am Abend vorher angesagt wird.

Gesindezwang: Der Gutsherr hat das Recht, von Gutsbesitzern, Gärtnern und Häuslern die Kinder heraus zu suchen, die als Knechte und Mägde ihm zu dienen haben. Vor Weihnachten muß der Gemeindevorstand eines jeden Dorfes Dienstgesindezettel abgeben, damit keine Unterschleife vorkommen. Auf das herrschaftliche Gebot hat das Gesinde zu erscheinen, damit es in Augenschein genommen werden kann, und dann um ein gewisses Lohn zu dienen.

Bierzwang: Bei allen Festlichkeiten, welchen Namen sie auch haben mögen, muß das Bier vom Gerichtsherrn bezogen werden, und dabei ist der Obrigkeit anzugeben, wie viele Personen zu Tische sitzen und ist vorher obrigkeitliche Genehmigung einzuholen. Wer auf seiner Nahrung Branntwein brennen will, muß der Obrigkeit jährlich einen Zins zahlen.

Handwerker und Tagelöhner: die Handwerker, was für eine Handwerk sie auch treiben mögen, und die Tagelöhner sind schuldig, bei den Gerichtsherrn, so oft er sie verlangt, für einen billigen Lohn zu arbeiten und dürfen fremde Arbeit der herrschaftlichen nicht vorziehen. Wenn nach Gottes Willen ein neuer Pfarrer, Gerichts- und Hausverwalter, Schulmeister oder Schäfer einzieht, so müssen die Untertanen der Reihe nach solchen Personen die Möbel holen.

Vogelfang und Fischerei: Es ist niemand gestattet, auf seinem Grund und Boden Netze zu stellen, es sei denn, daß er darüber einen Pachtbrief habe.

Straßen und andere Unkosten: Die Untertanen sind schuldig, die Straßen eines jeden Dorfes, Felder und Wiesen vorzurichten und gut zu halten, damit jeder ohne Hindernis fortkommen kann, und wenn das nicht geschieht, fallen die Gemeinden in die hochadlige herrschaftliche Strafe. Bei begebenden Falles müssen die Untertanen nach Zahl der Hufen alle Unkosten, so auf die Gefangenen oder durch Prozesse entstehen, tragen. Bauern, Gärtner und Häusler müssen der Reihe nach Tag und Nacht die Wache bei  den Gefangenen verrichten.

Lieferungen und besondere Dienste: Wenn der Fall eintritt, daß der Bauer stirbt und keinen Sohn hinterlässt, so bekommt der Gutsherr das beste Pferd und stirbt einen Untertanen Weib und hinterlässt keine Tochter, die beste Kuh, doch steht es ihm frei,  für Pferd und Kuh Geld zu nehmen. Was die Untertanen an Rindern, Kälbern, Schweinen, Schafen, Geflügel, Butter, Käse und dergleichen übrig haben und verkaufen können, müssen sie der hochadligen Herrschaft anbieten und wenn es derselben gefällt, um billig Zahlung lassen. Bei Ausrichtung  einer Hochzeit der Gutsherrschaft sind die Untertanen verpflichtet, von einer jeden Hufe einen Scheffel Hafer, eine Henne, eine Mandel Eier, vier Gebund Heu abzugeben., wie es seit uralten Zeiten üblich gewesen ist. Bei Ehrengelagen in Freud und Trauer müssen die Bauern allen Hausrat, Geschirr für die Küche her- und wieder forttragen, Brot und Semmel und was  sonst noch nötig ist, ab- und auftragen ohne jede Bezahlung, es wolle denn die hochadlige Herrschaft dem einen oder dem anderen etwas reichen lassen. Wenn nach dem Willen Gottes des Allerhöchsten im Hause Schönberg jemand stirbt, sind die Untertanen bei Herstellung der Gräber und Legung der Leichensteine alle Pferde- und Handdienste zu leisten schuldig, alles Material herbeizuschaffen, den Maurern und Handwerksleuten alles in die Hand zu geben und die Richter und Gerichtsschöppen oder wer sonst aufgefordert wird, müssen dem Begräbnis in schwarzer Kleidung aufwarten, die Leiche tragen, die andern Leute zum Beweis ihrer Trauer mit zu Grabe gehen und wer ohne erhebliche Ursache sich  nicht beteiligt, verfällt in die herrschaftliche Strafe.

Aufgrund des Ablösungsgesetzes vom 17.3.1832 erklärte sich am 6.10.1837 Oberstleutnant von Schönberg bereit, in Verhandlung  über die Beseitigung dieser Frondienste eintreten zu wollen. Die Bauern machten sich verbindlich, dem Rittergut für Aufhebung der bisherigen Rechtsverhältnisse eine Ablösungsrente auf die Dauer von 50 Jahren zu leisten. Es stand jedem frei, die von ihm übernommene Ablösungsrente durch  Kapitalzahlung mit fünfundzwanzigsten Betrag der zu tilgenden Rente zu erledigen. Die Höhe der Rente richtete sich nach der Größe des Grundstückes. Die Frondienste, die das Dörflein Lotzen an das Rittergut Wilsdruff zu leisten hatte, waren vorstehenden ähnlich.

7. Die Kirche Sora

ist von der Sage umrankt: An Stelle der heutigen Kirche habe früher eine arme katholische Kapelle gestanden. In einer schweren Gewitternacht sei die Herrin des Schlosses Taubenheim an dieser Kapelle vorrübergefahren. In ihrer Angst habe sie ein Gelübde getan: Wenn sie glücklich nach Hause komme, wolle sie der Kapelle einen Teil ihres Vermögens schenken. Es geschah und dadurch wurde die Soraer Kirche eine der reichsten im ganzen Sachsenlande.

In ihrer ersten Zeit war sie offenbar ein Filial von Taubenheim her. Ihr zugehörten Lampersdorf, Birkenhain und Hasela.

Adalbert von Duvenheim, eine Freier, mag ihr Gründen gewesen sein. Sie wurde frühe selbständig und kam am 3.5.1445 unter das Patronat der Herren von Schönberg auf Limbach.

Als mit der beginnenden Reformation die Verhältnisse der Soraer Kirche untersucht wurden, stellte man fest, daß sie vor 1540 längere Zeit unbesetzt gewesen war und man vereinigte daher die beiden Kirchspiele Sora/Limbach mit dem Sitz des Pfarrers zu Limbach, dem Wohnsitz des Erbherrn. Dieses Verhältnis bestand von 1540 bis 1851, wo man Sora wieder selbständig machte, Borkenhain aber zu Limbach schlug. Am 1.10.1925 vereinigten sich die Kirchgemeinden Sora und Röhrsdorf.

Im ersten Viertel des 18.Jahrhunderts war die Kirche sehr baufällig geworden; man baute sie neu 1730. 1769 aber musste man bereits wieder den Dachreiter abreißen und bei dieser Arbeit fand man die schon erwähnte wichtige Urkunde von 1186. Damals rückte man die Ostwand hinaus und setzte den neuen Turm vor die Westwand. 1874 wurde das Gotteshaus neu ausgestattet. 1886 schlug der Blitz in den Turm, so daß der Helm brannte und in veränderter Form erneuert wurde. Das Trauregister beginnt 1557, das Taufregister 1559, das Sterberegister 1578.[8]

8.Die Soraer Schule

war eine Pfarr- und Küsterschule, zurückgehend bis in vorreformatorische Zeit. Des Küsters bedurfte schon die katholische Kirche: Er hatte die Glocken zu läuten, Handreichungen am Altar zu tun, hatte die Kirchenrechnung zu führen, besorgte all die anderen Schreibarbeiten im Dorfe, die sich bei Besitzwechsel und anderen Gelegenheiten nötig machten.

Was lag näher, als ihm zur Unterweisung der Kinder heranzuziehen! Während er seinem Handwerk nachging, schusterte, böttcherte, Besen band, gab er den Kindern, worüber er in seinem Wissen und Können verfügte (Hierzu siehe Häuserbuch Lotzen Nr. 3, Antonius Lewer, Schulmeister zu Sora.).

1539 starb Georg der Bärtige, Luthers ernster Widersacher. Sein Bruder Heinrich der Fromme, der die Regierung übernahm, sandte um die Mitte des Jahres Boten aus in das Land, die sich um Kirche und Schule kümmern sollten. Wenn ihre Berichte wenig günstig lauteten, verordnete er bereits am 21.Dezmeber desselben Jahres eine zweite Visitation, über deren Durchführung der Herzog jedoch starb.

Im Frühjahr 1540 stehen denn Richter und sonst welche vorgeladenen Soraer Einwohner vor den Visistatores, um Rede und Antwort über die heimischen Verhältnisse zu geben:

Da die Pfarrer „eine Zeit lang wüste und ohne pfarrer gewesen“, werden „zwo Pfarren Sora und Limbach zusammen geschlagen und auf bitte des Lehnherrn verordnet, die Residenz zu Limbach zu halten.“ Der Pfarrer soll verpflichtet sein, „einen Sonntag umb den anderen in jeder Kirche frühe das Evangelium zu predigen und in der anderen nachmittags deßgleichen. Und so man geschickte Kirchner haben möchte, derer einer in der Kirche da frühe geprediget wehre worden, nachmittags den Catechismus für die Kinder und einfaltigen handelte. Es sollen an jedem orte die Kirchner behalten werden, die die Kinder in Zucht helfen aufzuziehen und die pauren die Teutsche gesenge lernen, unnd so zu tauffen oder das sacrament zu reichen, in der pfarre, da der Pfarherr nicht residiret, das solches dem kirchner angezeiget werde, dere dan dasselbige ferne dem Pfarher anzeigen soll.“

Dem Küster standen zu: 14 Scheffel 1 Achtel Hafer, 90 weniger ein Viertel an Broten, 16 Brote zu Weihnachten 45 Eier von 2 Bauern 15 ½ Groschen Milchheller, 7 ½ Groschen Meßheller, 9 Pfennige in Birkenhain.

15 Jahre gehen ins Land, ehe sich die Regierung abermals um die Kirchen- und Schulverhältnisse des Landes kümmert: Das Visitationsbuch der Superintendentur Meißen bringt auf Blatt 426 Angaben über die Soraer Verhältnisse: Behausung ziemlich, 1 gertlein, Der Kirchner bekommt 7 Groschen von der Kirche, muß aber broth und wein schicken. Es ist also ein Haus für den Küster vorhanden, den Namen des Küsters aber erfahren wir nicht. In den „general-Artikeln v. 8.5.1557“ erhalten dann alle Küster eine genaue Anweisung:

„Die Dorfküster sollen verpflichtet sein, alles Sonntage nach Mittag und in der Woche auf einen bestimmten Tag die Kinder den Katechismus und christliche Gesänge mit Fleiß und deutlich zu lehren...und da eins oder mehrere Filial zu der Pfarr gehören, soll er mit solchen Lehren mit Rat seines Pastors dermaßen abwechseln, daß die Jugend in allen Dörfern nach  Notdurft unterweisen und ja nicht versäumt werde. Es sollen sich aber die Kirchner sonderlich befleißigen, daß sie die Gebote den Kindern und Alten fein langsam, klar, deutlich und unterschiedlich vorsprechen oder vorlesen von Wort zu Worten, wie sie im kleinen Catechismus gedruckt sind.“

Fordern die General-Artikel nur einen Unterricht, der aus Katechismusunterweissung und dem Abhören der Gebote und Gesänge besteht, so haben wir doch in diesem Unterricht, an dem nach dem getroffenen Bestimmungen alle Kinder teilnehmen sollen, die ersten Anfänge der Volksschule zu sehen. Der mühsame Weg des Vorsagens und Überhörens führte von selbst zu dem Bedürfnis, das Lesen zu lehren, um die Katechismuslehre zu erleichtern. Zum Lesen kam alsdann notwendiger Weise das Schreiben. Die ersten und damit ältesten Unterrichtsfächer der Volksschule waren mithin Religion, Singen, Lesen und Schreiben.

1574 werden die Kirchen und Schulen erneut visitiert: „Hier ist vorbracht worden, daß Kirchendiener zu Limbach und Sohra keine Schule halten, dessen sich die Leute sonderlich aber die zum Sohra beschweret haben, deshalben ist ihnen auferleget und bevohlen worden, wo ferne die Leute Ihre Kinder zu unterweisen begeren, das dieselbigen neben ihren Kirchen Dienst vleißig sollen abwarten bey verlust ihres Dienstes. So die aber ohne veseumung der Kinder etwas darbey schaffen können soll ihnen wohl vergönnet werden.“

Die Schule scheint also bereits ein Bedürfnis gewesen zu sein, sonst wäre keine Beschwerde erfolgt. Schulzwang besteht nicht. Dem Lehrer wird gestattet, während dess Unterrichts seinem Handwerk nachzugehen, so er es „ohne verseumung der Kinder schaffen kann.“

1580 erging die „Kursächsische Schulordnung“, das erste sächsische Schulgesetz, das an den Schulmeister nicht geringe Anforderungen stellte. Er solle „die Schulkinder in 3 Häuflein teilen, das eine darinne diejenige gesetzet, so erst anfahen, Buchstaben zu lernen. Das andere die, so anfahen zu syllabieren. Das dritte, welche anfahen zu lesen und schreiben. So das Kind ziemlich wohl lesen kann, alsdann dasselbe im Schreiben unterrichten, und die Vorschriften in eine besonderes Büchlein, so das Kind dazu haben soll, ihnen verzeichnen, und sich befleißigen, gute deutsche Buchstaben zu machen.“

In der Visitation 1581 klagt der Custos zu Sora, „ das er ein bös Haus habe, die Stube sei naß und ungesund, weil das Haus gar in Sumpf und Bruchig leit.“  Da uns die Visitationsberichte den Namen des ersten Schulmeisters verweigern, wurde das Kirchenbuch befragt: Am 20.12.1558 wird getauft, Thomas, eine Sohn Georg Hoffmanns des Kirchners zu Sora. Am 14.22.1589 ist in Gott verschieden, Hedwig, ein Weib George Hoffmanns, des Kirchendieners zu Sora. Am 22.5.1600 zu abend ist gestorben Georg Hoffmann, der alte Schreiber zu Sora. Am 221.1614 stirbt Elisabeth, die hinterlassene Witwe Georg Hoffmanns selig, weiland Schulmeister zum Sora.

Sein Nachfolger ist Joseph Schulter, der uns am 31.12.1598 als „schulmeister zum Sora“ unter den Paten genannt wird. Am 14.7.1600 steht Pate „Ketha ein Weib Joseph Schulzens des Schulmeisters.“ ER scheint nur einige Jahre in Sora gewesen zu sein.

Ihm folgt Antonius Löwe, „ an die 30 Jahre Schulmeister zum Sora“, wie am 30.8.1633 versichert wird, als er Peste (an der Pest) 53 Jahre alt stirbt.

Sein Amt geht auf seinen Sohn über Matthes Löwe, der eine Tochter des Kesselsdorfer Schulmeisters Jeremias Pause heiratete.

Böse Zeiten, die sie zu durchleben hatten, die Jahre des Dreißigjährigen Krieges! Plünderungen und Misshandlungen,  Mangel und Seuchen kamen wiederholt auch über die Schwelle des Schulhauses, das zudem sichtbar am Wege lag.

Trotzdem scheit man wirtschaftlich nicht schlecht gestellt gewesen zu sein, denn Gottfried Fritzsche, Schulmeister zu Sohra, kauft 1687 nach dem großen Stadtbrandte um 550 Gulden das Grundstücks des Rektors Günther in Wilsdruff, Meißner Straße 5. Er baut hier ein Wohnhaus und Scheune auf und überlässt alsdann 1689 das Grundstück seinem „Eydam“ (Schwiegersohn) Gottfried Franken, Bälgern und Sattlern vor 650 Gülden“, wozu ihm seine Frau 100 Gulden in die Ehe brachte.  Dieser Gottfried Fritzsche „bestalter Schulmeister zu Sora“ copulieret mit Jungfer Marthen des Jacob Webers auf der Semmelsberge eheleibliche Tochter.“ Am 27.12.1690 stirbt Frau Martha, Gottfried Fritzschens Eheweib, 61 Jahre alt. Am 4.10.1691 aber wird Gottfried Fritzsche, eine Witwer, in der Kirche zu Sora copulieret mit Elisabeth, nachgelassener Witwe weiland Karl Löbners, gewesenen Schulmeisters zu Röhrsdorf.  Am 1.9.1701stirbt alsdann Gottfried Fritzsche, der Schulmeister, am 7.3.1720 seine Witwe Elisabeth.

1703 kommt nach Sora Schulmeister Johann Gottlieb Richter. Er verliert am 20.12.1734 seine Ehefrau Anna Sophia geb. Knauthin, die „lange Zeit unpässlich gelegen und schwere zufälle gehabt hat.“ Der Witwer verheiratet sich am 19.1.1736 in der Kirche zu Sora ein weiteres Mal mit Frau Christina Spenglerin, des weiland Christian Spengelers, Blasebalgmachers in Dresden nachgelassener Witwe. Er erlebt noch die Aufregung der Schlacht bei Kesselsdorf, stirbt aber bald danach am 10.3.1747, 67 Jahre alt, and er Geschwulst, „ an die 44 Jahre gewesener Schulmeister  zu Sora.“ Seine Witwe Christina, gestorben an heftigem Fieber den 3.Tag, nachdem sie sich eingeleget, so von Erschrecknüß wegen erlittener Plünderung hergerühret, und wurde am 2.Advetnus 1759, „weil es eben ein wenig ruhig war“ christlich beerdigt.

1747 zog von Limbach herüber Daniel Traugott Günther. Er sieht sich 1751 veranlaßt, an seinen Patronatsherrn folgendes Gesuch um Gehaltszulage einzureichen: „Ew. Hochedelgeb. Geruhen gnädigst und hochgeneigt, worum ich mich gemüßigt gesehen, um eine ordentliche Verbesserung meines Einkommens bei Ihrer Hochwohlgeb. Gnade geziemend nachzusuchen. Die sehr schwache Schule und die gar selten einkommenden  Audienzen, dazu meine starke Familie, deren notdürftige Erziehung bei den jetzigen schlechten Zeiten mir schwer wird, nöthigen mich, meine Bitte um Gehaltszulage vorzutragen. Die Kirche zu Sora erhält jährlich 4 Scheffeln Korn und zwei Scheffel Hafer von vier Bauerngütern. Ich nehme zu Ew. Hochegelgeb. gnädigen Herrn meine Zuflucht und bitte untertänigst, man solle in Anbetracht meiner Misslichen Umstände ein erbarmendes Auge höchstgnädig auf mich richten und zur Abwendung meines zu besorgenden gänzlichen Ruins das oben angeregte Kirchengetreide mir zukommen zu lassen. Dabei erlaube ich mir zu bemerken, daß die 111 Brote, welche ich jährlich aus der Kirchfahrt erhalte, ungefähr 7 Monate reichen für 8 Personen, so daß ich gegen 8 Scheffel noch kaufen muß, dazu das sehr teure Holz, dessen ich nicht einen Splitter zu Deputat habe, die Notdürftige Kleidung, Ausgabe in Krankheitsfällen, vollends noch die Brotschuld, welche in diesem Jahre auf 10 Thaler gestiegen, das alles bewisst meine Notlage. Ich  tröste mich hochgnädiger Erhörung und werde Gott um Ihrer allerseitiges Wohl für Seele  und Leib mit inbrünstigem Gebete anflehen und nicht ermüden und verharre lebenslang usw.“

Der Gerichtsverwalter Wolfermann gibt das Gesuch an die Superintendentur ab und bemerkt dazu, daß er kein Bedenken habe, dem Schulmeister das Getreide zu lassen und empfiehlt, daß die Soraer Kirche bei ihrem ansehnlichen Vermögen etwas mehr tun könne. Auch die Genehmigung des Oberkonsistoriums ist erforderlich, darum geht das Gesuch auch dahin. Am 15.Okotber schreibt Sup. Wilke an die Kirchväter in Sora, daß das Oberkonsistorium in Einvernehmen mit dem Superintendent und dem Kollator dem Schullehrer Günther in Anbetracht seines dürftigen  Zustandes, welcher von allen Seiten bestätigt wird, genehmigt hat, daß dieser und auch sein Nachfolger das Getreide erhält, und solches in der Kirchenrechnung in die Ausgabe aufzunehmen ist. Der Siebenjährige Krieg begann. Daniel Traugott Günther Ludimoderator und Organist zu Sora, sollte sein Ende nicht erleben. Er starb am 17.3.1757 an Fieber mit darauf folgender Geschwulst nach langwierigem Krankenlager, 42 Jahr alt. Seine Witwe Johanna Rahel geb. Brücknerin aus Dresden überlebte ihn bis zum Jahre 1786.

Nachfolger Günthers wird Johann George Häußler, der am 2.11.1747 in Limbach getraut worden war mit Anna Maria geb. Geroldin  und der volle 10 Jahre zunächst in Limbach amtiert hatte. Der Krieg ging keinesfalls spurlos an der Soraer Schule vorüber, aber Häußler findet durch, verliert jedoch am 22.2.1770 seine Ehefrau Anna Maria am verzehrenden Fieber. Er heiratet am 9.8.1770 ein zweites Mal, wird ins Sora getraut mit Jungfrau Johanna Elisabeth Engelin aus Großenhain. Am 14.8.1771 aber geht er nach verrichteter Schule nach  Taubenheim und wird dort im Schulhaus tödlich vom Schlage getroffen, 51 Jahre alt, 14 Jahre in Sora.

Ihm folgte ebenfalls von Limbach kommend Karl August Gelhaar, ehemals Präfekt in der Kreuzschule in Dresden. Als 1773 die „erneuerte Schulordnung für die teutschen Stadt- und Dorfschulen im chursächsischen Lande“ erschien, hatte er ihr in Sora Eingang zu verschaffen. Außer dem Unterricht im Christentum, der von jetzt ab nicht nur Katechismus, sondern auch  Biblische Geschichte, Bibelkunde und Kirchenlied umfasste, sollten die Kinder Unterricht in Lesen, Schreiben, Singen, Rechnen und nun neuerdings auch in „anderen Künsten und Wissenschaften“ erhalten: Erdbeschreibung, geistliche und weltliche Geschichte, das nötigste aus der Stadt- und Landwirtschaft, Belehrungen über die allgemeinen Kirchen- und Landesgesetze, über den Gebrauch des Kalenders, der Zeitungen und noch anderen im gewöhnlichen Leben nützlicher Dinge. Schulmeister Gelhaar fühlte, daß zu solchem Unterricht besser vorgebildete Lehrer gehörten. Um 1769 stiftete auch die Freifrau Flechter von Klipphausen ein Kapital von 40 000 Thalern zur Errichtung eines Schullehrerseminars des nachmaligen Freiherrlich Flechterschen Lehrerseminars in Dresden Nord. Als Gelthaars Sohn, erst 16 Jahre alt, „unter Beitritt, Einwilligung und Genehmigung seines Vaters Schulmeisters zu Sora“ in Wilsdruff das Grundstück  Meißner Nr. 5 erwirbt, muß der Vater für 600 Gulden gutsagen (dieses Haus kaufte schon 1687 der Soraer Schulmeister Daniel Fritzsche). 1789 stirbt unserm Gelharr seine Frau weg, Christiana Friederika. Am 2.10.1790 folgt er ihr in den Tode „nach und nach ganz entkräftet“; 58 Jahre, 19 Jahre in Sora und zuvor 14 Jahre in Limbach.

Auch  Gelhaars Nachfolger, Karl August Tamme, zieht von Limbach herzu, wo er 4 Wochen amtiert hat, zuvor Kinderlehrer in Helbigsdorf, Tamme verlebt mit seiner großen Familie in Sora die bösen Jahre der Napoleonischen Kriege.  Am 5.1.1814 stirbt ihm an Nervenfieber seine Ehefrau Auguste Christiana geb. Rudolph aus Röhrsdorf. Seine starke Familie verlangt nach einer neuen Hausfrau.: Schulmeister und Organist Karl August Tamme wird daher am 8.6.1814 in der Kirche zu Sora getraut mit Johanna Rosine Starke, Stieftochter des Pfarrpächters Triebe in Sora. Tamme stirbt am 28.5.1834 im Alter von 75 Jahren. Er hinterließ eine Witwe und 19 Kinder.

Bereits 1831 ist Schulsubstitut zu Sora Heinrich Wilhelm Singer. Er stammte aus Niederheinsberg, war Schulgehilfe in Krögis, und 1826/39 Kinderlehrer im nahen Helbigsdorf, das ihm am 14.9.18289 das erste Schulhaus errichtete. Die Revolution 1849 hätte ihm beinahe den Hals gekostet: er war sonnabends immer im Gasthof zu Sora mit einigen Bauern und Häuslern zusammengekommen und hatte ihnen da aus der Dorfzeitung, aus den Landtagsblättern und aus den deutschen Grundrechten vorgelesen. Am 7.5.1849 vormittags kommt der Hauptmann der vereinigten Communalgarde von Lampersdorf und Sora, Gutsbesitzer Hempel, zu ihm und erzählt, daß es in Wilsdruff an Lebensmitteln fehle und was man tun wolle, wenn die Scharen in Sora einfielen. Singer verfaßte eine Rundschreiben an die Vorstände zu Taubenheim, Seligstadt,  Burkhardswalde, Schmiedewalde, Limbach, Birkenhain, Lampersdorf, daß sie freiwillig Brot und Butter nach  Wilsdruff liefern sollten und daß sie nachmittags 3 Uhr zu einer Versammlung im Gasthof zu Sora zu einer Besprechung versammeln wollten. Dort wird festgesetzt, daß beim Einfallen der Freischaren der Singer sechs Schläge mit der Glocke geben solle, worauf die anderen Ortschaften zu  Hilfe eilen sollten. Gendarm Breifeld will jedoch wissen, daß man mit Lieferung der Lebensmitteln die Freischaren nur unterstützen wolle, daß Singer geäußert hätte, die Freischaren wollen die Freiheit von der auf Deutschland ruhenden großen Schmach , die dem deutschen Volk angetan, erkämpfen. Die Kreisdirektion verfügt, daß gegen den Lehrer Singer „etwas nicht zu verfügen gewesen sei.“ Singers Sohn, Otto Singer, wandte sich ganz der Musik zu, wurde auf dem Kreuzchor vorgebildet, studierte dann am Leipziger Konservatorium und galt als unübertroffener Schumann-Spieler. Nach einem siebenjährigen Aufenthalt in Dresden zog es ihn nach Amerika.

Nach dem Tode Singers 1871 gab es einen Lehrer Julius Hermann Pflugbeil, der sich um die Hebung des Gesangs sehr verdient machte. Er gründete einen Männergesangverein. Pflugbeil wurde am 10.3.1880 sittlicher Verfehlungen wegen verhaftet. Er wurde vertreten von Haubold, dann von Heinig, der aber seine Stelle über Nacht verließ, da er polizeilich gesucht wurde.

Am 6.12.1880 zog Ernst Theodor Kippe aus Naustadt zu. Er baute 1896 das neue Schulhaus und trat 1910 in den Ruhestand.

Seine Nachfolger wurde Karl August Grüttner. Als er  zum Kriegsdienst eingezogen war, übernahm Pfarrer Große vom 5.2.1917 bis 15.11.1918 den Unterricht. Grüttner starb am 20.10.1918 an der Grippe nach Lungenschuß.

In der Vakanzzeit war vom 19.11.1918 bis 9.4.1919 Kurt Gohle als Vertreter zugewießen.

Am 10.4.1919 holte die Gemeinde Otto Theodor Kortz ein, der im Dezember 1923 jedoch nach  Taubenheim ging.

Er wurde vom 17.12.1923 bis 31.3.1924 durch Vikar H. Wünsch vertreten, bis im April 1924 Paul  Klotzsche einzog.

Als Wanderaushilfslehrer von auswärts wurden mit 3, 5, 8 Stunden  beschäftigt:

Walter Burckhardt von Naustadt

01.07.1927 bis 31.12.1927

Fritz Hoffmann von Sachsdorf

Schuljahr 1931/32

Berufsschullehrer Ernst, Wilsdruff

Schuljahr 1932/33

Berufsschullehrer Karl Brauer, Taubenheim

Schuljahr 1933/34

Marianne Häntzsch, Wilsdruff

Schuljahr 1934/35

Johannes Wetzig, Kesselsdorf

Schuljahr 1935/36

Herta Werner, Taubenheim

Schuljahr 1936/37                     

Johannes Wetzig, Wilsdruff

Schuljahr 1937/38

Helmut Dietrich,  Helbigsdorf

Schuljahr 1938/39

Harald Schimmek, Sachsdorf

Ostern bis Michaelis 1939

 

9.Straßen und Wege

Ein heute vergessener Weg ist der Markweg. Er führte von der Flurgrenze Sora/Taubenheim von der Wilsdruff/Meißner Landstraße herüber ins Tal  der kleinen Triebisch und hatte dann westwärts Anschluß teils an den Lampersdorf/Schmiedewalder, teils an den Lampersdorf/Burkhardswalder Gemeindeweg über die Bayerhöhe, die alte „Salzstraße“.

Alte Leute nannten ihn „Marktweg“ = Weg zu den drei Jahrmärkten in Burkhardswalde (an Maria Heimsuchung, Montag nach Bartholomäi, Montag nach  Mariä Geburt) von denen 1902 die beiden Marien-Jahrmärkte noch begangen wurden.

Diese Namensgebung scheint irre zu führen: Klipphausen hat eine „Markwiese (Parz. 330), die dem Pfarrer zur Besoldung überwiesen war, und Röhrsdorf weiß um „Markwegfelder“. M.E. will in allen diesen Fällen „Mark“ soviel wie „Grenze“ sagen: Grenzen des Erbamtes Meißen gegen das Amt Dresden.

Ein zweiter alter Weg die „Silberstraße“, die auf Flur des Ortsteils Kneipe von NO nach SW zieht und am Kuh- und Krähenbusch die Grenze gegen Klipphausen bildet. Auf dem „Meilenblatt“ (1780) und den Oberreithischen Altas“ (1820) heißt sie „Erzt-„ bzw. „Eisstraße“. Sie mag Jahrhunderte Land viel Pferdemühsal gesehen und manchen Fuhrmannsfluch gehört haben.

Um 1225 soll man in Scharfenberg begonnen haben, Silbererz abzubauen. Es wurde zur Verhüttung nach Freiberg gebracht. Die Silberstraße kam von Naustadt herüber, querte Röhrsdorf (Sühnekreuz!), berührte Kneipe, überstieg am Krähenbusch den Höhenrücken und gewann über den Haltepunkt Limbach/Birkenhain den Anschluß beim „Reiterloch“ an den Gemeindeweg Limbach/Helbigsdorf. Sie querte das Dorf, führte hinab ins Triebischtal, um am Semmelsberg nach  Mohorn emporzusteigen, wo sie Anschluß fand an die „Hofer“ Landstraße. (Vgl. Rudolf Schumann „Von der alten Silberstraße von Scharfenberg und Munzig nach Freiberg,  Mitteilungen des Landesverbandes Sächsischer Heimatschutz  1939 Seite 97).

Ein dritter alter Weg ist der „Bischofsweg“. Seit 968 gab es in Meißen den Bischof. Weltlich kluge Leute war es zum großen Teil in ihrer Aufeinanderfolge, Kirchenfürsten, die ihrer Person und ihrem Amt Geltung zu verschaffen wussten. Einer von ihnen, Bischoff Benno II. kaufte 1227 für  168 Gewichtsmark, die ihm das Kapitel borgte, Schloß und Stadt Stolpen. Nun bedurfte es einer Wegverbindung Meißen/Stolpen.

Den Elbübergang vollzog man auf der Fuhrt zu Briesnitz. Hier war 946 eine Wehanlage errichtet wurden, zu der sich bald eine Kirche gesellte. 1223 wurde zwar die Burgwarte, in die sich  Jutta, die Mutter Heinrich des Erlauchten geflüchtet hatte, vom Thüringer Landgrafen Ludwig dem Heiligen belagert und gänzlich zerstört, aber die Beziehung Meißen/Briesnitz wurde damit keineswegs zerschnitten: In Briesnitz bestanden zwei Vorwerke; das kleinere gehörte dem Bischof, das größere dem Archidiakon von Nisan, dem Vertreter des Bischofs, der die Aufsicht über die Geistlichen zu führen hatte, über die Kirchen und kirchlichen Güter im weiten Umkreis, der auch die bischöfliche Gerichtsbarkeit ausübte.

Immerfort bestand die Notwendigkeit, sich zwischen Meißen und Briesnitz und Stolpen, dem bevorzugten Wohnsitz der Meißner Bischöfe, auszutauschen. Eine Straße am linken Ufer gab es nicht. Pferd und Wagen mussten den Weg über die Höhen suchen. Irgendwo musste das Saubachtal gekreuzt werden. Mit dem Pferd konnte mans wohl von Röhrsdorf her am „Raubschloß´“ Neudeckmühle tun, nicht mit dem Wagen. Mit ihm war der Saubach erst in Sachsdorf/Klipphausen zu überschreiten.

Sachsdorf erscheint urkundlich 1227 unter dem Namen Sachowe. Klipphausen heißt bis in das erste Viertel des 16.Jahrhunderts Cleyn-rwgersdorf (=Kleinröhrsdorf). 1528 nimmt es in der Erbteilung der Brüder Hieronimus, Balthasar und Franz Ziegler auf Gauernitz der älteste,  Hieronymus, für seinen Anteil, baut das Vorwerk zum wehrhaften Wohnsitz um und gibt ihm den Namen Klipphausen, der dann auf das gesamte Dorf  übergeht. Wer das Vorwerk vor Jahrhunderten gebaut hat, wird wohl eine offene Frage bleiben.

Geschichtlich sicher ist es, daß die Miltitze das Vorwerk vor den Zieglers besaßen. Bekannt ist es, daß die Familie Miltitz und Ziegler gute Beziehungen zum Meißner Bischofsstuhle unterhielten. Der längere Aufenthalt des Meißner Bischofs ab und zu in Klipphausen ist durchaus glaubhaft, so daß die beiden Namen „Bischofskanzel“ und „Bischofsstuhl“ durchaus ihre Berechtigung haben können.

Wie der Weg verlaufen sein mag: Fleischertor in Meißen,  Nossen, Marbach, Röhrsdorf, Kneipe, Klipphausen, Sachsdorf (Wilsdruff umging man des Zolles wegen!), Hühndorf, „Himmelreich“, Rennersdrof, Brabschütz, Merbitz, Briesnitz. Der Weg mag viel hin und her gesehen haben, mag oft gebessert worden sein. Als der Dom zu Meißen der evangelischen Lehre geöffnet wird, bringt man 1539 bei Nacht und Nebel die Gebeine des Heiligen Benno auf dem Bischofsweg, also über Kneipe nach Stolpen, bis sie über Wurzen endlich in München landen. 1555 kommt das kleine Vorwerk zu Briesnitz 1559 das größere in die Hände des Kurfürsten. Im selben Jahr wird das Amt Stolpen wettinisch. Damit ist die Zeit des „Bischofswegs“ vorbei. 1227/1559 , reichlich 300 Jahre! Heute ist er zum Teil zum kaum noch gekannten Fußweg zusammengeschwunden. Niemand weiß noch um ihn.

Die m.E. wichtigste Straße für Sora war der „Salzweg“, wie ihn das Messtischblatt Nr. 65 (1895/1911) nennt. Ihr Verlauf: Triebischbrücke Munzig, die nördliche Flur von Burkhardswalde schneidend zum Südende Seligstadts, über die Seligstadter Höhe nach  Lampersdorf, Dorfstraße Sora, Kneipe.

Diese Straße hat eine nordwestliche und südöstliche Fortsetzung: Triebischfurt nach  Leipen / Mauna /Lommatzsch –Kneipe nach  Klipphausen / Sachsdorf / Hühndorf / Unkersdorf / Steinbach / Wurgwitz / Weißeritzfurt / Dohna / Kulmer Paß.

Die Straße ist vorgeschichtlich bezeugt: Jungsteinzeit 3000 v. Chr.: Seligstadt (Bauer E. Wallrabe 1934 Keulenkopf, Jul. Hartmann Steinaxt ), Lampersdorf (Bauer Alfred Pietzsch 1938 Steinaxt), Sachsdorf (W.Stephan 1922 Feursteinbeilchen), Unkersdorf (Oberlehrer Günnel 1922 Grünschiefer-Fauskeil), Steinbach (Maurer Einert 1931 Walzenbeil, Bauer Rudolf Pfitzner 1939 Steinaxt), Bronzezeit um 1200 v. Chr.: Herdstättefunde (1925, 1931, 1934 Harald Döring und Alfred Wachsmuth, Burkhardswalde), Seeligstadt ( E.Wallrabe 1926 Schleckenfunde), Steinbach ( E. Einert 1940 Schleuderstein), Zölmen (Freugutsbesitzer Kühne 1912 Absatzbeil).

Auf diesem Wege mögen die Bandkeramiker nach dem Elbtal und dem Lommatzscher Lößgebiet ein-, die Schnurkeramiker aus denselben Wohnplätzen nach  Böhmen abgezogen sein. Wenig später ziehen hier die Bügelamphorenleute von Norden nach Süden, die Glockenbecherleute umgekehrt von  Böhmen nach Sachsen. Begünstigt von einem warmen Klima machen sich dann an dieser ältesten Straße die Träger der Aujetizer Kultur und die Nordillxrier sesshaft. Germanische Völker folgen, die eingetretene Klimaverschlechterung alsdann vertreibt.

Nach  Jahrhunderten dringen um die Mitte des 8.Jhd. n.Chr. in das herrenlose entvölkerte Gebiet slawische Völker  aus dem Osten. Von ihnen erzählt ein weiterer Weg, der sich in Sora  mit der alten Salzstraße verbindet, der Weg Robschütz / Jockischberg / Kettewitz / Taubenheim / Sora / Kneipe / Bischofsweg nach Briesnitz.

Die beiden Slawengaue Glomaci (Lommatzsch) und Nisani, ersichtlich in ihren Wallanlagen Robschütz /Jockischberg und Bresnice, verlangten eine Wegverbindung. Diese Wallanlagen, der „Gucksch“ und die „Schanze“ mit vorgelagertem Graben in einer Länge von 230 m in Jockischberg/Kettewitz und der „Bürger“ oder „Raubscher“ in Robschütz, ein Abschnittswall mit Graben im Durchmesser von etwa  60 m, sind beachtliche Werke, die von monatelanger Arbeit eines ganzen Stammes sprechen in dem heißen Bemühen, sich eine Zufluchtsstätte zu schaffen. Diese Arbeiten schafften die Slawen gegen die andringenden Deutschen (H. Wiechel, Die ältesten Wege in Sachsen).

10.Krieg und Kriegsgeschrei

Hussitenkriege

1415 war in Konstanz unter Wortbruch des böhmischen Kaisers der böhmische Prediger Huß verbrannt worden. Die Böhmen wollen sich dafür rächen und drohen, ins Reichsgebiet einzufallen. Eine allgemeine Bestürzung Griff Platz, namentlich im Kurfürstentum Sachsen, unserer Heimat.

Der Landesherr rüstete. Die Dörfer hatten Männer (in voller Ausrüstung), hatten Rüst-, Speise- und Heerfahrtswagen und Begleitmannschaften zu stellen. Weistropp z.B. hatte „ 15 menre, 6 armbrust, 2 spisse, Hühndorf 9 menre, 5 armbrust, 4 spisse aufzubringen.“ Daneben wurden Rüstwagen mit Begleitmanschaft gefordert. Bei jedem Wagen sollen sich befinden: 1 gute Kette, 1 Radehacke, 1 Keilhaue, 1 scharfe Axt und andere Notdurft, dazu jeden vierten Mann der Untertanen als Fußknecht. Daneben waren Speisewagen zu stellen, jede mit 3 starken Pferden und dorbey zwene redliche wagenknechte und doruff bir, brot, dorre fleisch, speck, potter, keße, stockfisch, Erbeiß (Erbsen), grutcze, Salzc, huffeisen, huffnagel, und anderes als zcu einem speysewagen gehort. Schließlich verlangte man Herrfahrtswagen = vier- der sechsspannige Fuhrwerke, die zum Transport von Bagage, Rüstung, Munition und anderen Bedürfnissen gebraucht wurden. Hoendorf (Hühndorf) war mit Weisstropp, Unsewitz, Reinersdorf, Kaufbach und anderen 13 Dörfern verpflichtet, einen derartigen Heerfahrtswagen zu beschaffen. Alles in allem war die „Folge“ = die Heerfahrtsfolge eine der drückendsten Leistungen an den Landesherrn.

Nichtsdestoweniger fielen die böhmischen Streitscharen wiederholt ein. Wilsdruff wurde 1447, 1450 geplündert und verbrannt. Den Dörfern wird’s nicht besser ergangen sein.

1618- 1648  Der Dreißigjährige Krieg

1613 rüstete der Landesherr abermals. Die Gerichte sollten an jedem Ort die besten und geschicktesten Leute in Städten und Dörfern auslesen, mit Gewehr und „livree“ versehen und in die Ämter präsentieren. Da mussten sie vor den Hauptmann, mussten würfeln, und wen es betraf, der musste sich einschreiben lassen. Jahre gingen dann gewöhnlich hin. Fuhrleute wussten von Schlachten und Kriegszügen zu erzählen.

1632 ist der gefürchtete Kroatenoberst Holck in der Heimat. Grumbach, Mohorn, Wilsdruff, Herzogswalde, Sora, Weistropp werden geplündert. Was gilt ein Menschenleben! In allen Dörfern melden die Chroniken, wie man die Bewohner mißhandelte, erschoß, zu Tode quälte. Dazu die Pest. Blättern wir etwas im Kirchenbuche:

1633 schleppt Michael Löwe, des Schulmeisters 16jähriger Sohn die Pest ein ins Schulhaus. Er stirbt am 16.3., sein Vater, der 53jährige Antonius Löwe, 30 Jahre Schulmeister in Sora, am 30.8. September bis Dezember 1633 sind die schlimmsten Monate  des fürchterlichen Krieges. Die Pest wütet besonders „auff dem Lutz“. Ihre Opfer werden in den Gärten begraben.

1637 liegt eine Salvie Guadia der Kaiserlichen Armee in Sora im Quartier. Gerold Lotzel von Saßenhausen aus dem Waldeckschen Lande unter dem hochlöblichen Bockischen Regiment, ein Mußquetier, welcher allhier im Leneshof liegt, wird in der Kirche zu Sora ehelich copuliret.

1643 wird der Hoffmeister Martin Rußner von den Soldaten ergriffen und barfuß so lange im Schnee herumgetrieben, daß seine Füße abgelöst werden mussten und er bald darauf unter argen Schmerzen verschieden ist. Die Soldaten schleppten die Pest ein. Männer müssen ihre Weibe, Weiber ihre Männer auf dem Schiebbock zum Friedhof fahren oder in den Gärten beerdigen. Während es sonst in der Parochie Sora im Jahre 12 – 15 Tote gab, nennt das Kirchenbuch 1632 75, 1933 35 Verstorbene. Manche Familien sterben ganz aus.

Der Nordische Krieg 1706/07

Kurfürst August der Starke war 1697 zum polnischen König gewählt worden. Er hatten den Polen versprochen, ihnen die Gebiete, die Türken und Schweden entrissen hatten, zurückzuerobern. In Schweden regierte ein 16jähriger Jüngling, Karl XII. Da die Polen ihren König nicht unterstützten, wurde August der Starke mehrfach geschlagen. Karl XII eroberte ganz Polen und rückte dann durch Schlesien nach dem wehrlosen Sachsen vor. Zwar hielt er streng auf Manneszucht, aber das Land musste sein Heer gut und reichlich versorgen, kleiden und zahlreiche Rekruten stellen, dazu ihm monatlich eine halbe Million Taler entrichten.

Das Dorf Sora hatte für das Mauerfeldsche Regiment, für die Schwedischen Dragoner und Capita ins Bolents Companie, die 54 Tage im Quartier lag, für 239 Taler 17 Gr. 11 Pf. an Heu, Hafer, Fleisch, Bier, Hühner, Butter, Käse, Zugemüse, Salz, Essig, Eier, Würze, Branntwein, Licht und Holz zu liefern, ferner  für 807 Taler 8 Gr. 4 Pf. in der Zeit vom 14. –26.10.1706. Für Capitain Storn Schilden bei Jacob Hermann war für 60 Thaler 22. Gr. 3 Pf.,  für Lietnant und Feldwebel bei Christian Philipp 66 Thal. 23 Gr. zu liefern. Die Verpflegskosten für Cornet Meyer bei Michael Philipp beliefen sich auf 87 Thaler 15 Gr., für Cornet Leps bei Elias Philipp auf 43 Thaler 20 Gr. 9 Pf., Für Captain Balden bei George Schubert auf 94 Thaler 4 Gr. 5 Pf.

1732 Salzburger Emigranten

Der Erzbischof von Salzburg, Firmian, suchte den lutherischen Glauben mit Stumpf und Stiel auszurotten. ER wolle lieber Dornen und Disteln in Dörfern und Städten sehen als einen Ketzer. Die Lutheraner aber leisteten Widerstand und blieben bei ihrem Glauben. Also verfügte der Erzbischof, daß sie ihr Heimatland verlassen mussten ohne Wagen und Karren, nur mit einem Sacke auf dem Rücken. Selbst ihre Kinder mussten sie zurücklassen. Der König von Preußen bot ihnen neue Wohnsitze. Ihr Weg führte sie durch Sachsen. Freudige Aufregung durchlief die Heimat, als es im Sommer 1732 hieß, die Salzburger kommen!

Als der preußische Kommissar Osten am 8.August den Rat zu Dresden um Genehmigung des Durchzugs und um Verpflegung der Fremdlinge bat, erklärten die Vertreter der Bürgerschaft, man würde es gern sehen, wenn den Emigranten der Durchzug hier gestattet würde, sei auch bereit, ihnen alle Willfährigkeit und Beihilfe zu erweisen. Sie stellen die Sache dem Feldmarschall Wackerbarth und dem Kanzler Bünau anheim. Diese gaben die Weisung, die Flüchtlinge von Freiberg unmittelbar nach  Meißen zu führen, also nicht über Dresden, weil „hier viele Römisch-Katholische seien und sich leichtlich bei Ansehen und Durchzug der Emigranten von einem oder anderen Teil mit reden vergangen werden könnte.“

Die Begrüßung der Glaubensgenossen wollten sich aber die Dresdner nicht nehmen lassen; sie zogen den Exulanten bis Limbach entgegen und wanderten am 10. und 11.August über die Silberstraße nach  Meißen, wo sie die Gäste mit Büchern, Geld und Kleidungsstücken reichlich beschenkten. Superintendent Dr. Valentin Löscher und der regierende Bürgermeister der Residenz Stefigen waren gekommen, um den 950 Salzburgern ihre Teilnehme zu bezeigen. Limbacher und Soraer aber werden das getan haben, was in ihren Kräften stand, um die Auswandernden mit Lebensmitteln zu versorgen.

1745 Die Schlacht bei Kesselsdorf

Am 29.Janar warf der alte Dessauer[9] die Sachsen aus ihren Schanzen bei Leipzig.  Am folgenden Tag fiel ihm Leipzig ohne Schwertstreich in die Hände. Er hatte die Weisung, dem sächsischen Herr „auf den Hals zu rücken und solche so tüchtig, als ihm möglich wäre, zu schlagen“. Die Lage wurde ernst.

Sächsische, polnische und österreichische Truppen sammelten sich um Dresden, das durch die Kriegswendung in große Schrecken versetzt wurde.

Der Kurfürst floh mit seinem Minister Brühl am 1.Dezember nach Prag. Am 12.Dezember fällt Meißen in die Hände der Preußen. Die Nacht zwischen dem 14 und 15. Dezember verbringen die Truppen des alten Dessauers biwakierend in Kälte und Schnee zwischen Naustadt und Röhrsdorf. Der Fürst selbst wohnt bei Bauer Simon in Röhrsdorf.

Die Winternacht ist bitterkalt. Was die Soldaten erwischen, wandert in die Lagerfeuer: „die zwei gedoppelten Tore von dem Kirchhoffe zu Naustadt mit den zwei Türen, eine Stück  Zaun vom Pfarrhause, der ganze Zaun um den Kraut Garten an der Schule, sieben Türen und ein Stück Zaun. Der Schulmeister Elias Lohse klagt: „Ich habe eine solche Plünderung an meinen Mobilien, allen Kleidern, Wäsche, Betten und wenig habender Barschaft erlitten, daß ich mich bei meinen mir in meinem Ehestande verliehenen 6 Söhnen und 4 Töchtern in dem größten zeitlichen Mangel und Armuth sehen muß.“ Das ganze Dorf ist geplündert wurden. Der Schaden beläuft sich auf 8627 Thaler. Übel hausten die Preußen in Taubenheim, nachdem die sächsische Reiterei aus dem Dorf vertrieben war. Der Pfarrer Christian Gottlieb Stoll gibt seinen Schaden der Plünderung auf 474 Thaler an. Am schlimmsten erging es dem Schulmeister und Organisten Michael Krieger., dem man 200 Thaler Bargeld und für 80 Thaler an Wäsche, Leinwand, Kleidern und Victualien raubt. Er schreibt: „...indem die Plünderung in hiesigem Dorf und sonderlich in meiner Schulwohnung an die 15 Stunden gewähret. Das baare Geld haben sie durch gedraueten Tod, auf die Brust gesetzten bloßen Degen und aufgespannten Pistol von mir erpreßet, das übrige aber durch gewaltsame Erbrechung der Kammer und Laden genommen, Wobey mir das Hemd auf dem Leib nicht gelassen worden, sondern ich habe es – welches niemand gesehen – nach empfangenem Stich in  den rechten Arm ausziehen und hingeben müssen, daß also die ganze Nacht meinen Nackten Leib mit nichts anderes als einen alten Kleidchen bedecken können, auch zur Erhaltung meines Lebens, weil vor weiterem Unglück nicht mehr sicher war, nebst den meinigen früh um 4 Uhr die Flucht aus meinem Hause ergriffen und hinter Zäunen in Schnee und Kälte zubringen müssen, bis aufs Tag Gelegenheit gefunden, bey einem hiesigen Häußgen Mann ein alt Stück  Hemd wieder anziehen.“

Und Sora,  Lampersdorf und Lotzen?

Der Pfarrer Mag. Manitius hat uns keinen Bericht dieser Tage hinterlassen, wir erfahren lediglich, welchen Schaden der Durchzug am 15.Dezember in der Frühe verursachte, er ist erschreckend hoch:

 

Lampersdorf

1260 Thaler

Lotzen

 388 Thaler

Sora

4021 Thaler.

 

Plünderungen und Verluste müssen erheblich gewesen sein und mögen wohl Tränen und Misshandlungen gebracht haben.

1756-1763 Der Siebenjährige Krieg

 8.September. Preußens großer König[10] ist mit einer Reisenarmee von Rothschönberg her in die Wilsdruffer Gegend eingerückt, hat vor der Stadt nach  Kaufbach zu ein Lager bezogen. Alles ist in Aufruhr: Die Soldaten wollen leben! Brot, Fleisch, Bier müssen geliefert werden, Heu und Stroh angefahren werden! Was man in Wilsdruff nicht bekommt, wird aus den Nachbardörfern herangeholt. Am nächsten Morgen bricht die Armee wieder auf, Dresden zu überrumpeln. – September, Oktober vergehen. Im November verteilt der König seine Soldaten auf die Winterquartiere. Alle Dörfer sind stark belegt. Auf das kleinste Haus 5 – 8 Mann! Was tun die Soldaten den langen Winter? Sie spielen, sie fluchen, sie trinken!

1757/1758 Durchzüge, Durchmärsche mit Einquartierungen und Kontributionen! Neue Soldaten müssen gestellt werden!

Am 4.September 1759 Aufgrund einer entmutigenden Nachricht übergibt der preußische Kommandant Dresden, Schettau, die Stadt den Österreichern. Friedrich der Große sucht die Festung zurück zugewinnen, rückt vom Triebischtal her in die Heimat ein und treibt die Österreicher und die Reichstruppen auf Dresden zurück.  Schloß Wilsdruff wird preußisches Hauptquartier. Alle Quartiere sind vollgestopft. 7 Batallione liegen in Kälte und Schnee an der Hühndorfer Höhe, notdürftig in Zelten und Erdlöchern untergebracht, werden alle 24 Stunden abgelöst und rücken dann in die anliegenden Dörfer, die alle vollgestopft sind, „daß die Wirte und ihre Familien Tag und Nacht in der größten Kälte in keine warme Stube, sondern auf Böden und Kellern sich aufhalten müssen, wodurch sehr viele ins Grab gegangen.“

Am 20.September 1759 wurde für Sora die Steinigsche Eskadron Graf Renardt Chevaux Legers angesagt unter folgenden Bestimmungen:

„Vermöge des unter dem 1.September ergangenen gnädigen Befehls ist dem Dorfe Sora bekannt zu machen, daß selbiges zum Standquartier des ersten Eskadrons ausgesetzt ist. Es werden am 20.September 1 Offizier, 20 Unteroffiziere und Gemeine mit soviel Pferden einrücken. Das Quartier besteht für die Mannschaften in dem Obdach einer Kammer zur sicheren und trockenen Verwahrung für Leibes und Montierungsstücke und in der Lagerstatt, welches nicht geringer als für des Wirtes Dienstknecht sein darf und wenn der Wirt mit Betten nicht versehen und solche nicht beschaffen kann, wenigstens von Zeit zu Zeit mit frischem Stroh gefüllter Sack, eine Betttuch darüber, ein Kissen mit Überzug und einer warmen Zudecke; die Pferde aber sind mit guten und reinen Stallungen zu versehen, in welchen zugleich das Bett für den Mann mit sein muß. Mit diesem muß sich der Soldat begnügen und ist nicht befugt, mehr zu fordern und darf noch viel weniger wider des Wirtes Worte sein Lager in dessen Stube nehmen. Jedem Wirte wird für jeden Unteroffizier oder Gemeinen monatlich 15 Gr. Quartiergeld bezahlt, diejenige Zeit ausgenommen, da der Mann auf der Stadtwache ist. Das Kreiskommissariat bezahlt das Geld. Der wirt hat sich den letzten Tag des Monats oder den Tag vorher oder nachher, wenn der letzen auf einen Sonntag oder Feiertag fällt, mit einem vom kommandieren Offizier ausgestellten Attest in Potschappel zu melden und das Gemeinde-Petschaft zur Vollzeihung der Quittung mitzubringen. Der verquartierte Wirt dürfen von denen, die keinen Soldaten im Quartier haben, einen Zuschuß  nicht fordern. Für die auf die Stabswacht kommandierten Mannschaften tragen sämtliche Wirte das Geld gemeinschaftlich nach ermessen der Obrigkeit. Wenn eine Soldat Weib und Kind hat, so muß sich das Weib mit den Kindern bei des Mannes Lagerstatt behelfen und kann vom Wirt nichts anderes begehrt werden. Wie dann auch der Soldat sich mit des Wirtes Feuer und Licht zu genügen hat und weder er noch sein Weib die zum Backen, Waschen und anderen Hantierungen erforderlichen Geräte zu fordern hat, auch dem Soldaten zu des Wirtes Beschwerung Vieh zu halten nicht erlaubt ist. Für die Soldaten ist ein Zusammenkochen eingeführt, jedoch nicht mehr als vier Mann von einem Wirt zum anderen. Zur Aufbewahrung von Hart- und Rauhfutter werden Böden und Schuppen gefordert, wofür der Wirt 2 Thlr. 12 Gr. erhält. Die Quartiergelder werden vom Kreiskommissariat an jede Ortsobrigkeit von Monat zu Monat richtig bezahlt. Eine genugsam gesicherte Person aus der Gemeinde teilt das Geld aus und hat Rechnung zu führen. Das Botenlohn zur Abholung der Gelder sind die einzigen Unkosten, die zu berechnen sind, sonst nichts weiter. Potschappel, am 1.September A.v.Lüttichau.“

Die Monate November / Dezember alles verstopft von Soldaten. Die alte Schulmeisterin, weiland Johann Gottlieb Richters, gewesenen Schulmeisters nachgelassene Witwe stirbt am heftigen Fieber den 3.Tag, nachdem sie sich eingeleget, so vom Erschrecknüß erlittener Plünderung hergerühret und kann erst am 2.Advent, „weil es eben ein wenig ruhig war“, begraben werden. Auch am 21.11. kann das Leichenbegängnis „wegen der vielen Kriegsunruhen“ nicht gehalten werden. Als Todesursache wird mehrfach angegeben: Erkältung bei der preußischen Kriegsunruhe.

1760. Der König braucht frische Soldaten. Die Preußen griffen auf, wen sie fanden. In Sachsdorf stirbt Frau Dorothea Hackin Witwe des Leinewebers Hacke, „vor großen Schrecken, weil die Preußen ihren Sohn mit Gewalt aus dem Hause zu recrutieren wegnahmen.“ Ein ähnlicher Fall aus Kleinschönberg: „Paul Raum wurde hier sehr traurig, da sein eigener Sohn durch die Preußen im Monat März mit Gewalt weggenommen wurde.“

Am 25.April gegen  Abend brach die preußische Armee aus den Quartiere um Wilsdruff auf und marschierte in das Lager am Katzenberge. Die österreichische Armee unter Marschall Daun blieb in ihrem Quartieren. Nur das Korps Berlechingen rückte bis Wilsdruff vor und besetzte die umliegenden Dörfer mit Jägern, Kroaten und Husaren. Der König versuchte vergeblich, Dresden wiederzugewinnen und schreibt am 15.11. aus dem Unkersdorfer Pfarrhaus: „wir werden Dresden nicht wiederbekommen!“

Verheerend wirkt das Nervenfieber. In der Parochie Limbach/Sora sterben 71 Leute, wo doch im Durchschnitt nur 11 bis 13 Todesfälle vorkamen.

Auch das Jahr 1761 verging. Allenthalben Not und Mühseligkeit. Der Kirchvater Hillig in Sora veruntreut ihm anvertrautes Kirchengeld, um Vieh und Saatkorn zu kaufen und Kontributionen entrichten zu können. Er wird amtsentsetzt.

Am Saubach liegen sich die beiden Armeen gegenüber, die Preußen auf dem linken, die Österreicher auf dem rechten Ufer. Am 27.Juni und am 27.September kam es zu feindseligen Unternehmungen, die aber zwecklos verliefen.

Die Ganze Lage illustriert ein Bericht des sächsischen Generals von Gößnitz am 8.Juli: „Der bereits verarmte Landmann wird vollends zugrunde gerichtet, unsere Cavalerie totaliter ruiniert. Die Folgen äußern sich bereits soweit, daß die Pferde im Lager an der Stange tot umfallen und bey kleinsten Kommando auf der Straße liegen bleiben.“

Daß bei der schlechten Ernährung das Entlaufen stark im Schwange war, ist begreiflich. Bald aber merkten die Soldaten, daß sie aus dem Regen in die Traufe kamen. Ebenso böse sah es im Offizierskorps aus. In Sora trug sich eine üble Affäre zu. Von ihr gibt Kunde folgender Briefwechsel.

Bericht des General Hülsen an den Prinzen Heinrich[11]

Durchlauchtigster Prinz, Gnädiger Prinz und Herr, Ew. Königliche Hohheit meld in Alleruntertänigkeit, wie heute gleich nach der, für mein Quartier ausgegebenen Parole, der Generallieutnant von Platen und der Generalmajor von Meyer aneinander geraten sind, und sich nicht sowohl in meiner Presence, als auch da noch sämtliche Stabs- und übrigen Offizieren von meiner Parole gegenwärtig gewesen, herumgehauen, Ohngeachtetet alles meines Zuredens, und ob ich sie gleich  bey Ankündigung des Arrestes Frieden geboten, sind sie dennoch  nicht voneinander zu bringen gewesen, bis ich mich endlich zwischen ihnen gestellet, und bei dieser Gelegenheit noch einen flachen Hieb auf den Arm bekommen. Der Generallieutnant ist im Gesicht blessirt, welches jedoch  nichts zu sagen hat; der Generalmajor von Meyer jedoch ist im Kopfe verwundet, wovon ich  noch  nicht anzeigen kann, ob die Wunde gefährlich ist. Ich lasse beide gedachte Generals bis auf Eur Königl.  Befehl arrest halten. Ich  erstrebe in tiefster Submission.

Sora, den 18.August 1762  Euer Königl. Hochheit ganzt untertänigster treugehorsamster Knecht Hülsen

Dem Prinzen war die Sache sehr schmerzlich. Er konnte den General von Platen nicht gut entbehren. Deshalb gab er Befehl, die Arreststrafe auszuheben und die Sache möglichst zu unterdrücken. Der König war einverstanden. Der Vorgang sollte der Subordination wegen verschwiegen werden. Doch musste der Prinz dem General Meyer sagen, es gäbe genug Offiziere, die den Dienst mehr verständen als er, ereignete sich ein solcher Fall noch einmal , so würde er weggejagt werden.

General von Platen[12] an den Prinzen Heinrich: Durchlauchtigster Prinz, Gnädigster Fürst du Herr! Ew Königl. Hohheit sage untertänigsten Dank, daß  Höchst Dieselben mich meines Arrestes entlassen und wieder in die Activität des Dienstes zu setzen gnädigst geruhen wollen. Ich  hoffe in der von Ew. Königl. Hohheit gnädigst verordneten Untersuchung überzeugend zu beweisen, wie sehr ich in Ansehung des Dienstes und meiner eigenen Person  beleidigt worden, und daß ich bey diesem unangenehmen Vorfall so wenig des Königs als EW. Köngil.  Hohheit Ungnade verdiene.

Sora, den 19.August 1762 Ich  erstreb mit devoter Veneration Ew. Königl. Hohheit untertänigster Knecht d. F. v. Platen

Seit dem 21. November fanden auf dem Wilsdruffer Rathaus Besprechungen statt zwischen dem österreichischen Beauftragten General Ried und dem preußischen General Krolow, die schließlich zu einem Waffenstillstand führten. Aus ihm entstand am 15.Februar 1763 der Friede zu Hubertusburg.

1806 –1813 Die Napoleonischen Kriege

1806. Preußen verhandelt mit Sachsen über einen Krieg mit Frankreich. Napoleon wartet die Kriegserklärung nicht ab, sondern zwang das zögernde Preußen zum Krieg. Vom 10. –12.September 1806 besetzten die Preußen die Elblinie zwischen Meißen-Niederwartha-Dresden. Sie dünkten sich noch immer des großen Friedrich unüberwindliche Streiter. Wenige Wochen später war das Schicksal der Preußen und Sachsen entschieden: Napoleon hatte das Preußisch- sächsische Heer bei Jena und Auerstädt vollständig auseinander gesprengt. Der König von Sachsen, dessen Gebiet der Überflutung durch die feindlichen Scharen zunächst preisgegeben war, entschied sich, obwohl schweren Herzens, zu einem Bündnis mit Napoleon.

1808, da sich  Spanien des Wünschens Napoelons nicht fügen will, zieht er stehenden Fußes dahin. Und so flutet denn seine Armee von August bis in den Dezember hinein in unsere Dörfer. Sie haben Spanndienste zu leisten. Dabei gehen Pferde und Wagen verloren. So hat Sora einmal 24 Pferde auf 24 Meilen zu stellen, von denen 3 und 12 Wagen nicht zurückkommen. Ein andermal 28 Pferde, von denen 5 und 14 Wagen nicht zurückkommen.

1809 Napoleon steht, unterstützt von den Sachsen, im Kampf gegen Österreich. Da fällt ein österreichisches Korps unter General von Ende[13] in Sachsen ein. Man will den Nachbarn zum Verbündeten gewinnen! Mit den Österreichern vereint die Mannschaft des Herzogs Friedrich  Wilhelm von Braunschweig.

Der Kommandant der etwa 2000 Mann starken sächsischen Truppen, Freiherr von Thielmann, verlässt sofort Dresden und bezieht an der Dresden-Leipziger Straße bei Pennrich ein Lager.

Am 12.Juni morgens kommt es zu einem Gefecht bei Pennrich/Steinbach. Die Sachsen ziehen sich auf Wilsdruff zurück. Der Schwarze Herzog folgt, lässt die Stadt mit einigen Granaten bewerfen, worauf sich die Sachsen noch weiter zurückziehen. Die Schwarzen Hursaren bleiben zum Teil noch in Wilsdruff liegen, zum Teil erreichen sie ein Lager in der Nähe der Struth. Sie gehen in die umliegenden Dörfer um sich Nahrungsmittel zu beschaffen. Den Bauern, die ihre Häuser verschlossen halten, schlug man  Türen und Fenster ein und nahm im Hause, was fortzuschaffen war. Wenn jemand widerstand leisten wollte, wurde er jämmerlich verprügelt. Namentlich hatten die Weibsleute durch die rohen Burschen viel zu leiden. In Birkenhain schoß ein Husar den Bauer Rülker nieder. In Sora wurde das Gut Tammes in Brand gesteckt.

Seit 1810 bestanden Verstimmungen zwischen Napoleon und dem Zaren Alexander. Der Krieg war unvermeidlich. Napoleon wollte Russland, das letzte Bollwerk der Europäischen Unabhängigkeit, niederwerfen. So wurde denn auf sein Gebot gewaltige Rüstung betrieben. Im April 1812 erhielten die Rheinbundfürsten, darunter Sachsen,  Anweisung, ihre Soldaten marschbereit zu halten. Nun fluteten Tag für Tag Soldaten aller Waffengattungen, aller Nationen durch unsere Dörfer. Immer nach Osten. Herzogswalde, Limbach, Wilsdruff, Grumbach, Sora, Kesselsdorf und die umliegenden Dörfer hatten April/Mai 1812 Tag für Tag unaufhörliche Einquartierung mit Verpflegung und Spannfuhren.

Anfang 1813 kehrten die kehrten die geschlagenen Reste dieser großen Armee, verlumpt und ausgehungert, zurück. Gefolgt von den Russen. Man erzählt, die wildesten dieser Horden wären zu sechs und sechs Mann mit Ketten aneinandergeschlossen, um sich – losgelassen – gleich wütenden Tieren auf den Gegner zu stürzen. Sie hätten Vogelschnäbel und tiefliegende Gansaugen. Wohl wird am 19.März in Dresden die Augustusbrücke gesprengt, die Russen sind nicht aufzuhalten; sie durchschwimmen den Strom und bald ist das linke Ufer von ihnen überflutet. Alles drängt nach Westen,  Napoleon entgegen, der vom Rheine her mit neuen Truppen naht. Es kommt am 2.Mai zur Schlacht von Großgörschen: Preußen, Russen fluten nach der Elbe zurück, gefolgt von den Franzosen! Fürchterliche Tage und Wochen! Die Einwohner leben in ständigem Hangen und Bangen. Bauer und Kirchvorsteher Johann Gottlieb Tamme, Sora, wird am 8.Mai nachmittags gegen 2 Uhr von einem Italiener niedergeschossen,  „weil er kein Brot mehr reichen konnte.“

Pfarrer Reinbold, Limbach, berichtet: „Überschwemmt von einer Flut französischer Krieger, die mit Ungestüm verlangten, was nach unaufhörlichen vorangegangenen Einquartierungen und Lieferungen nicht mehr vorhanden war, blieb den Einwohnern von Sora und Limbach , entblößt von allem, was zur Erhaltung des Lebens gehört, nichts übrig, als das Ergreifen der Flucht. Einen herzerschütternden Anblick gewährte es, alte Mütter auf dem Schubkarren fortschleppen und schreiende Kinder in Körben fortgetragen zu sehen. Mir selbst gebot die schreckliche Notwendigkeit eine solche Flucht. Alles zurück lassend, was ich mein aufgespartes und  erworbenes Eigentum nennen konnte, musste ich mit meiner, nur 24 Stunden zuvor von einer  Tochter entbundenen Gattin und übrigen Kindern dem Zuge meiner jammernden Gemeinde folgen. Mehrere Monate verlebt ich mit den Meinen bald in Seligstadt, bald in Sora und Lampersdorf unter schmerzlichen Gefühlen, Besorgnissen und Entbehrungen aller Art, ob sich gleich das Wohlwollen selbst leidender Einwohner dieser Dörfer gegen mich aussprach. Vorüber endlich war das Schwerer Ungewitter und wiederhergestellt die Ruhe, da kehrte ich, noch ganz geschwächt vom Nervenfieber, das mich der Grenze des Lebens nahe brachte, nach Limbach zurück. Aber, ob Gott, welch ein Gefühl des Entsetzten durchbebte meine Brust. Im ganzen Hause waren alle Thüren, Schränke, Kisten und Kasten geöffnet und zerschlagen, nicht ein Geschirr zum Kochen, nicht ein Glas zum Trinken, nicht ein Lämpchen, noch ein Splitter Feuerholz hatten die, die in meiner Abwesenheit hier gehaust, übrig gelassen. Selbst ein großer Teil meiner Bücher war verschwunden oder zerrissen. An meinem Priesterrock hatte sich die Wut durch  Prügeln ausgelassen. Auf einer Weide hingen einige Lumpen desselben als traurige Überreste meiner Habe.“

Das Nervenfieber wird eingeschleppt. In Sora sterben 1812  7, 1813 22, 1814 16 Personen zum großen Teil am Nervenfieber. Von Sora wird berichtet, daß die Feinde dem Pastor Becker auf Philipps Gute Pferde, Wagen, Kleider, Wäsche und anderes genommen haben und solchen Schaden zugefügt, daß er sich  nicht wieder wird erholen können. Nicht besser erging es Johann August Kunze,  dem man außer Pferden, Geräten noch 500 Thaler bares Geld raubte. Der Pfarrgutspächter verlor ein Pferd, Wäsche, Kleidungsstücke und hat außerdem noch über 165 Thaler Lebensmittel geliefert. Selbst der Schulmeister Karl August Tamme wurde nicht verschont, musste für 85 Thaler Lebensmittel liefern, die er für seine zahlreiche Familie sehr nötig brauchte. Am schlimmsten ging es Johann Gottlieb Wetzel, der durch  den Brand beinahe alles verloren hatte und nun auch vieles hergeben musste im werte von 130 Thalern. Johann Christoph Rülker ist durch viele Unfälle soweit herabgesunken, daß er 1000 Thaler Kapital hat aufnehmen müssen. Schönhals und Kästner geben ihren Schaden auf ziemlich 100 Thaler an, doch hoffen beide, daß sie dafür etwas Entschädigung erhalten werden. Johann Gottlieb Philipp, ein Anfänger der Wirtschaft, der ein größeres Kapital zu verzinsen hatte, musste viel Getreide und Wirtschaftsgeräte im Werte von 260 Thalern liefern. Johann Gottlieb Nitzsche musste 720 Pfund Brote, 230 Zentner Heu, eine Kuh, 15 Schafe, 60 Scheffel Hafer liefern, außerdem wurden seine Gebäude beschädigt. Johann Gottfried Burckhardt nahm man drei Pferde 720 Pfund Brote, 410 Zentner Heu, Kälber, Schafe, Schwein, Ziegen. Gottfried Bauer, August Börner haben jeder einen Schaden von 60 Thalern und selbst der arme Hirte des Gemeindeviehs, Georg Ziegenbalk musste Wäsche, Kleidungsstücke, Leinwand im Werte von 50 Thalern hergeben. An Einquartierung hatte die Gemeinde 42.000 Mann, für jeden Mann 8 Groschen Verpflegung – das ergibt ein Kapital von 28.000 Thalern. In Lampersdorf war es ebenso, am schlimmsten in der Zeit vom 6.- 10.Mai 1813 während eines russischen und französischen Biwaks. Johann Gottfried Pietzsch hat drei Reitpferde und ein Zugpferd mit dazugehörigen Sattel- und Riemenzeug, Kleidungsstücke, Wäsche, Getreide, Heu, Stroh liefern müssen und wird sich  nicht so schnell erholen. Gottfried Thierbach, Georg dietze verlieren viel an Vieh, auch barem Geld, Kleidungsstücke, Leinwand, desgleichen Eva Regina Lommatzsch, Besitzerin eines ein dreiviertel Hufen Gutes. Gotthelf Kirsten (Kirstenmühle), gibt seinen Schaden auf 85 Thaler an (siehe Familiengeschichte Kirsten).  Gotthelf Kippe, der sehr arm geworden ist, auf über 100 Thaler, Gottlieb Krause auf 10 Thaler an. Das gibt für Lampersdorf eine Gesamtsumme von über 1200 Thalern.

Ende August kommt es zur Schlacht bei Dresden: Napoleon hält sich! Die Franzosen blieben Herr der Lage; sie schikanieren und plündern die Dörfer unserer Heimat, um andererseits zu verschwenden und zu vergeuden; sie wissen nichts von geregelter Ausgabe der Rationen. In der ganzen Gegend treiben sie das Vieh weg, lassen es zu Hunderten auf den Ostrawiesen ohne Stall und Futter im Regen stehen und zugrunde gehen.

Endlich wurde die Lage der Franzosen so unsicher, dam ß man am 6.Oktober mit ihrem Abmarsch begann. Wiederum böseste Tage für die umliegenden Dörfer. Am 7.Oktober bricht Napoleon selbst auf, inmitten seiner Garde, reitete durch Wilsdruff / Sora auf Meißen zu, gefolgt von dem sächsischen König mit seiner Familie. Am 14.November rücken die letzten französischen Truppen ab. Aus diesen Kämpfen kehrte nicht zurück Johann Gottlob Wittig aus Lotzen.  Er war 1811 als Knecht in Maukisch bei Pennrich eingezogen worden, war zum Regiment Kersten gekommen und blieb dann vermisst. Sein Vater war der Richter Johann Gottlieb Wittig in Lotzen.

Besondere Erwähnung verdienen die Erlebnisse des Napoleonkämpfers Johann Gottlieb Leuteritz aus Klipphausen, der an Feldzügen 1806, 1809, 1812, 1813 , 1814, 1815 teilnahm, dann in französische Dienste eintrat und 1852 als Landwirt in Lotzen starb. (Heimatblätter III/I ff)[14]

1848/49 Tage der Neugestaltung

Ein einiges deutsches Vaterland sollte geboren werden – Hoffnungen und Wünsche allerorten! April 1848 Einführung einer allgemeinen Bewaffnung! Vorstand Christian Schumann in Lotzen hat seine liebe Not, die Leute zum dienst mit der Pieke ranzukriegen. Endlich aber kommt man dazu, sich mit den Lampersdorfern und Soraern vom Gutsbesitzer Wilhelm Hempel in Lampersdorf einexerzieren zu lassen.

Sonnabends kommen mehrere Einwohner im Gasthof zusammen, wo ihnen Schulmeister Singer die Dorfzeitung, die Landtagsblätter und die Deutschen Grundrechte vorliest und erklärt.

Dann aber die Maitage! Am 7. Mai vormittags kommt der Hauptmann der vereinigten Communalgarde von Lampersdorf und Sora, Gutsbesitzer Hempel, zu Vorstand Gotthelf Kunze, erzählt, daß es in Wilsdruff übel zugehe und dort an Lebensmitteln fehle. Was man tun wolle, wenn nur die Scharen in Lampersdorf/Sora einfielen! Man beschließt, in den beiden Dörfern zu freiwilliger Lieferung aufzufordern, und Vorstand Pietzsch, Lampersdorf, fährt denn auch nachmittags 3 Uhr Brote und Butter nach Wilsdruff. Hempel und Kunze gehen zur Schule und lassen durch  Singer eine Einladung zu einer Zusammenkunft im Gasthof aufsetzen. Dort beschließt man: wenn in einem Dorfe Freischaren einfallen, solle Singer 6 Schläge mit der Glocke geben, worauf die andern Ortschaften zu Hilfe eilen sollen.

Es kommt zu keinen Tätlichkeiten. Die Revolutionstage vergehen. Gendarm Breitfeld aber bezichtigt den Schullehrer Singer aufrührerischer Bewegung, so daß sich dieser vor seiner Behörde verantworten muß. Die Schulinspektion aber findet, daß gegen den Lehrer Singer „etwas nicht zu verfügen sei.“

Die deutschen Einigungskriege 1864/66 1870-1871

Der Streit um Schleswig-Holstei entfachte den Kampf 1864.

1866: Kampf zwischen Preußen und Österreich. Sachsen ist mit Österreich verbündet. Große Furcht vor den einrückenden Preußen. Man glaubt an bevorstehende Plünderungen und Rekrutierungen. Am 18.Juni rücken die Preußen von Meißen her ein. Es gibt Einquartierungen und Lieferungen:

Lampersdorf:

19.6. Stab des Westfälischen Ulanenregiments Nr. 5:

5 Offiziere 18 Pferde, beliefert mit 24 Rationen =  3 Ztr. 28 Pfd. Hafer,  2 Ztr. 8 Pfr.  Heu, 1 Ztr. 19 Pfr. Stroh

22.4. Eskadron des  8.Landwehr-Ulanenregiments: 56 Köpfe, denen zu reichen sind:

6 Ztr. 41 ¼  Pfd. Hafer,  2 Ztr. 85 Pfr.  Heu, 4 Ztr. 56 Pfr. Stroh

Lotzen:

678 Soldaten, 19 Offiziere, 261 Pferde, Gesamtaufwand: 280 Thlr. 21 Ngr. 5 ¼ Pf.

Sora:

18.6. 1.Kompanie des 4. Westfälischen Infanterieregiments Nr. 17

7 Offiziere, 1 Beamter, 247 Mannschaften, 13 Pferde, zu liefern sind 220 Portionen.

19.6. 7 Offiziere, 2 Beamter, 262 Mannschaften, 23 Pferde mit Verpflegung außerdem 5 Mundportionen je Offizier, 216 für Mannschaften, 4 leichte und 1 schwere Ration, ferner 148 Mundportionen

22.6. Erneute Einquartierung.

Schmiedemeister Koch hat Hufeisen aufzulegen, Hemmschuhe auszubessern, einen Transportwagen für Kranke nach Freiberg und nach Dresden zu besorgen. Fleischermeister Richter hat 40 Pfund Speck (geräuch.), 40 Pfund geräucherten Schinken, 25 Pfd. Blutwurst zu liefern. Der Schaden an den Feldern durch  Auffahren einer Batterie beträgt 91 Thaler.

Gesamteinquartierung: 1823 Soldaten, 44 Offiziere, 830 Pferde,

Kriegsschaden: 1020 Thlr. 17 Ngr. ½ Pf.

 

Der Krieg 1870/71 sah Sachsen auf Preußens Seite. Er weckte auch in Sora / Lampersdorf / Lotzen ehrliche deutsche Begeisterung.

 

Sora. Bericht des Gemeindevorstandes C. E. Rülcker über 1866:

Den 16. Juni während des Vormittagsgottesdienstes ritten die ersten preußischen Truppen durch  Sora. Abends 6 Uhr hatte das Oberdorf schon 183 Mann, 4. Offiziere und 189 Pferde Einquartierung auf Nachtquartier. Am 17.Juni marschierten von früh 7 Uhr bis mittags 1  Uhr ununterbrochen Preußen von Meißen über Wilsdruff nach  Dresden zu. Auch musste Sora um 9 Uhr 6 Spannwagen bis Dresden stellen. Um 11 Uhr kamen mehrere preußische Infanteristen ins Niederdorf , um Lebensmittel zu requirieren, was sie bekommen konnten, wozu 2 Spannwagen bis Döhlen mitgenommen wurden. Halb 12 Uhr wurden 2 Batterien Artillerie angesagt. Ehe aber diese einrückten, kam Infanterie in Massen, 550 Mann mit Offizieren und Beamten, und um 2 Uhr rückte nun die Artillerie ein, 316 Mann 21 Offiziere und Beamte, 270 Pferde. Diese Masse Militär hielt Rasttag in Sora bis zum 19.6., wurde am 19. früh um 2 Uhr durch blinden Alarm erschreckt und rückte in aller Eile gegen 3 Uhr aus Sora ab, einen ungeheueren Tumult in der ganzen Gegend verursachte. Zugleich mussten noch 6 Spannwagen gestellt werden, welche jedoch alle, zum  Glück für Sora, zurückkamen.

Denselben Tag noch um 10 Uhr vormittags kam eiligst eine Bekanntmachung vom Gerichtsamt Wilsdruff, wonach Sora in kürzester Zeit von allem möglichen in das Lager bei Grumbach bringen sollte. Die Gemeinde ließ es jedoch Anstand haben, da sie schon durch die Tage zuvor genug ausgesaugt worden war, mehr als die anderen Dörfern in der Umgegend. Zum Glück hatte sich auch das Lager verzogen, und es war als dann nicht mehr nötig, etwas hin zu schaffen.

Am 21.Juni kam wieder Einquartierung hierher, bestehend in Ulanen, welche jedoch zuvor angesagt worden waren und auch nur in mildem Maße, welche auf den anderen Tag wieder ausrückten. Die größten Durchmärsche waren nun bereits vorüber, es zeigten sich nur noch einige Patrouillen.

Aus Sora haben Soldat Hermann Hunger und Carl Kramer den Feldzug mitgemacht. Nach geschehenem Frieden wurden die Kriegsschäden vergütet. Die Gemeinde wieder vom Königlichen Kriegsamt aufgefordert, ihren Schaden anzugeben. Sora stellte eine Rechnung von 1164 Thlr. 12 Ngr. 8 Pf. zusammen, die in der Finanzhauptkasse richtig ausgezahlt wurden.

Sora – Kriegsschäden – Vergütung 1866

 

Thaler

Ngr.

Pf.

Karl Gotthelf Kunze

102

14

 

Johann Friedrich Bennewitz

184

1

2

Pastor Jeheber

25

10

6

Robert Philipp

187

17

6

Karl Gottlob Grötzsch

22

20

 

Moritz Wätzel

88

6

5

Johann Gottlieb Hunger

17

8

 

Ernst Roßberg

19

14

 

Ernst Rülker

79

10

7

Hermann Schönhals

97

3

 

Karl Gottlieb Kästner

53

5

8

Karl Bachmann

81

4

8

Gustav Nitzsche

54

9

6

Karl Koch

4

 

 

Amalie Börner

14

 

 

Ernst Ehregott Richter

55

20

 

Die Gemeinde

71

7

6

 

Lampersdorf Kriegsteilnehmer                            

1864.1866

            Schmiedemeister Karl Ernst Berger

            Stellmachermeister Karl Winkler

1870/71

            Landwirt Rudolf Thierbach

            Schmiedemeister Karl Ernst Berger

            Stellmachermeister Karl Winkler

            Hermann Rühle, später Gutsbesitzer

            Friedrich Wilhelm Hoffmann (später hier Gastwirt)

            Gutsbesitzer Ernst Fichtner (in Garnison)

 

Die Gefallenen 1914 –1918

Lampersdorf

 

1.                   

Arnold Alfred

15.07.1918

2.                   

Berger Alfred

18.10.1918

3.                   

Kirsten Ernst

19.09.1918

4.                   

Lehmann Kurt

23.10.1918

5.                   

Lorenz Artur

10.08.1917

6.                   

Mehlig Kurt

30.07.1918

7.                   

Pietzsch Alfred

10.08.1916

Lotzen

 

1.                   

Friebe Max

26.04.1915

2.                   

Moses Hugo

04.09.1916

3.                   

Naumann Max

25.07.1915

4.                   

Rentzsch Martin

06.02.1916

5.                   

Schlechte Arno

15.10.1918

Sora

 

6.                   

Börner Max

02.09.1918

7.                   

Donath Woldemar

15.10.1918

8.                   

Grüttner Karl

20.10.1918[15]

9.                   

Schumann Alwin

20.10.1918[16]

 

Der erste Weltkrieg 1914- 1918

Schon seit Tagen lagere auf den Gemütern ein dumpfer Druck. Beunruhigende Gerüchte über militärische Ereignisse durchschwirrten die Luft und die Zeitungen schrieben von ernsten Verwicklungen mit anderen Großmächten. Man sorgte sich um die Sicherheit der Sparkassengelder usw. Der tiefe Ernst der Lage zeigte sich allenthalten auf den Gesichtern.

Freitag, am 31.Juli, um die vierte Nachmittagsstunde die ersten Sonderblätter: Verkündung des Kriegszustandes. Am 1.August 1914, 6.30 nachmittags;  Mobilmachung befohlen! In Sora und Limbach ertönt die Sturmglocke!

Der Sonntag bringt die Kriegserklärung an Russland und an Frankreich. Dienstag erste Pferdeaushebungen auf dem Marktplatz in Wilsdruff und den anliegenden Straßen. Allemal die besten Pferde! Manchem Besitzer wurde der Abschied von seinen treuen Tieren recht schwer.

Es hieß französisches Gold sei nach Russland unterwegs und solle abgefangen werden. Daher wurden Straßen sperren errichtet. Jedes Auto wurde angehalten und musste sich ausweisen.

Der Eisenbahnverkehr wurde eingeschränkt. Der Gütertransport fiel ganz weg. Von Personenzügen fuhr nur noch die Hälfte. Auf jeder Station gab es langen Aufenthalt, da der Güterverkehr abgewickelt werden musste.

Sonntag, am 2.August, war die Kirche voller als sonst. Manche Besucher war das letzte Mal auf Erden mit den Ihrigen zu heiligen Feier zusammen. Der Sonntag-Abend brachte eine neue Abendmahls-Feier. Nach der Kommunion wurden die einzelnen Krieger mit besonderen Denksprüchen gesegnet. Sie knien noch einmal um den Altar. Die Denksprüche waren für:

Paul Arnold

Ps. 125, 1

Richard Arnold

Ps. 147,11

Max Börner

Ps. 37,5

Arno Fichtner

2. Thess. 3,3

Paul Götze

Ps. 23,1

Max Henke

Jer. 15,20

Arthur Heyde

Matth. 28,20

Otto Imhof

Jer. 16,19

Paul Kästner

Ps. 27,14

Emil Kolske

Ps. 121,2

Max Kolske

Ps. 121,7

Ernst Krätzer

Ps. 55,17

Arno Kuhn

Ps. 68,21

Erich Nitzsche

Jes. 41,10

Arno Partzsch

Zeph. 3,17

Martin Schönhals

Spr. 3,5

Richard Schreiber

Ps. 124,8

Arno Tamme

Ps. 62,2

 

Über alle wurde zum Schluß Ps. 121,8 Ps. 50,15 und Jes. 55,15 gesprochen. Darauf verabschiedete die Gemeinde die Krieger mit dem Vers „Zieht in Frieden eure Pfade!“ Alle Kommunikanten gingen dann durch die Sakristei aus der Kirche, damit den Scheidenden wie den Bleibenden des Seelsorgers Handschlag noch zu teil wurde, währenddessen im Dunkel der Nacht die Betglocke ihre ernsten Töne erschallen ließ. Wöchentlich gab´s dann eine Kriegsgebetsstunde, in der das „Nun danket alle Gott“ nach eingegangenen Siegesbotschaften gesungen, aber auch der Helden gedacht wurde, die im Kampfe gefallen waren.

Für bedürftige Familien der Kämpfer wurde gesorgt. Das Reich gewährte monatlich für jede Frau 12, später 15 M, für jedes Kind 6 später 7,50 M. Bezirk und Gemeinde zahlten zu, die Gemeinde mit Gutscheinen für Kartoffeln, Fleisch, Brot und Kohlen.

Einkaufen größerer Mengen Lebensmittel. Die Kirchgemeinde Sora konnte bald 600 M ans Rote Kreuz und an die Diakonissenanstalt einschicken. Im Oktober schickte der Frauenverein an das Lazarett Zeithain 4 Zentnerkörbe Äpfel, 2 Kiepen Äpfel, 1 Kiepe Birnen, 1 Kiste Äpfel und Birnen, 1 Sack Äpfel, 2 Sack Kartoffeln, 2 Krüge eingemachte Früchte, 1 Buttertopf, 10 Stück Butter, 1 Kistchen Zigarren, 1 Deckbett, 3 Mandeln Eier, 2 große Kisten Eingemachtes, 1 kleine Kiste desgleichen, 18 Federkissen, 8 Hemden, 18 Handtücher, 2 Dutzend Staubtücher, 3 bunte Taschentücher. Besonders viel Obst wurde in Lotzen gestiftet. Ein halbes Dutzend Hemden war die Arbeit dreier junger Mädel aus Sora und Lampersdorf..

Am 14.Nov. erneute Lebensmittelsendung nach dem Lazarett im Hospital der Diakonisseanstalt zu Dresden: ein großer Bretterwagen mit 6 Zentnern Obst, 3 Kiepen Obst, 3 kleinen Körben Obst, 2 Sack Äpfel, 1 Krug Kraut, 1 Krug Kürbis, 3 Säcke Kartoffeln, 11 Säcke Kraut, 4 Säcke Möhren/Sellerie, 1 Säckchen Backobst, 2 mal Pökelfleisch, 1 mal Speck, 1 mal Schinken, 1 mal Wurst, 1 mal  Nudeln, 6 Kürbissen 8 Stück Butter.

Hatten die 21 Krieger der Gemeinde Sora bereits je ein Kirmespaket bekommen, so erhielten sie am 28.Nov. je ein Weihnachtspaket: Strümpfe, Pulswärmer, Schals, Ohrschützer, Fußlappen, Handtücher, Taschentücher, alles Arbeiten des Frauenvereins. In jedes Kistchen kam noch ein Stollen, Kaffee-Extrakt, Kakao, Pfefferkuchen, Waffeln, Choleratropfen, Zigarren, Seife, ein Wärmöfchen.

1915. Große Sammlung von Wollstoffen, Lumpen, Altpapier. Durchsicht auf der Tenne des Herrn Nitzsche, um dann der Wilsdruffer Sammelstelle zugeführt zu werden. Die besseren Kleidungsstücke daraus kamen nach Ostpreußen. Aus der Wolle sollen Decken für die Schützengrabenkämpfer gewebt werden.

Vom 1.Februar ab gelten alle Weizen- und Roggenvorräte, alles Weizen,  Roggen-, Hafer- und Gerstenmehl als beschlagnahmt. Den Verbrauch bestimmt die Kriegsgetreidegesellschaft.

1.März: Brotmarkenverteilung: Von nun an verabfolgt der Bäcker sein Brot erst, wenn er 1.die Brotmarke und 2. das Geld erhalten hat.

Am 10.März ordnen in der „Metallwoche“ die Schulkinder vom achten Schuljahr im Wäscheboden des Herrn Nitzsche, was an Metall zusammengekommen ist: 73 Stück Münzen (43 kupferne, 31 silberne), 20 kg Aluminium und Zinn, 120 kg Blei, 25 kg Kupfer, 8,5 kg in Kupferkesseln, 30 kg Messing, 2,5 kg in Staniol, 185 Patronenhülsen, 13 kg Verschiedenes..

Am 11.März wurde eine Osterliebesgabensendung für die 24 Feldgrauen mit Zigarren,  Socken und Kleinigkeiten fertiggestellt.

Am 12.März wurden die Liebesgabensendung für das 245. Inf. Reg. Bei Ypern gepackt: 50 Paar Socken, 2 Paar Kniewärmer, 2 Ohrenschützer, 4 Müffchen, 2 Taschentücher, 1 Topf Fett, 6 Stück Butter, 1 Dauerwurst, 2 Pack Schokolade, 30 Zigarren, 120 Bogen Briefpapier, 1 Metze Äpfel und ein paar besondere Esswaren. Am selben Tage überbrachten die Herren Nitzsche und Schönhals dem Wettinstift in  Coswig 36 Hühner und 900 Eier.

Im Bericht des Frauenvereins Sora konnte Ende März festgestellt werden, daß 215 Paar Strümpfe,42 Pulswärmer, 9 Schals, 5 Kniewärmer, 2 Kopfschützer, 5 Ohrenschützer gefertigt worden waren. Der erste Grundstock für diese Arbeiten war durch eine Haussammlung des Herrn Kirchschullehrers Grüttner  gemacht worden, 470 M. 200 M hatten damals die ostpreußischen Flüchtlinge bekommen, für das übrige Geld kaufte man Strickwolle. Später wurden in den 3 Gasthöfen Sammelbüchsen aufgestellt. Aus der Gaststätte in Lampersdorf und Lotzen wurden sie gestohlen. Der Dieb wurde zwar entdeckt, hat aber keinen Schadenersatz geleistet.

Anläßlich des Geburtstages des Königs im Mai wurde für die Verwundeten gesammelt: Kirchgemeinde Sora spendete 415,70 M.

Am 25.Mai wurde eine Kiste für das 3.Armierungsbatallon 23 im Elsaß gepackt: 1 Hemd, 22 Paar Strümpfe, 2 Par Fußlappen, 3 Pfund Schokolade, 150Zigarren, 4 Mundharmonikas, 2.Pfd. Honig, 4 Pfd. Würfelzucker, 2.Pfd. Kaffee.

Ein Trupp von 16 Gardereitern unter einem Sergeanten rückte mir 18 Pferden und einem Krümpergeschirr ein, um in der Ernte zu helfen. Die Ernte, von gutem Wetter geleitet, war kurz, Körnerertrag gut, aber besonders Hafer, sehr klein.

Durch Vermittlung des Landeskulturrates bekam die Gemeinde eine Anzahl belgischer Beutefohlen, da die Militärbehörde immer aufs neue Pferde anforderte. So wurde der Zugochse, der bis dahin in der bäuerlichen Wirtschaft nicht gehalten wurde, eingestellt.

Auch  Futtermittel wurden angeboten: Kartoffelflocken, Zuckermelasse, Zuckerhäcksel. Aber Mais und Baumwollsaatmehl und die übrigen Kraftfuttermittel waren nur noch für Luxuspreise zu haben. Womit also die Schwein füttern? Die Wissenschaft schrieb in den Zeitungen: „Das Schwein ist unser gefährlichster Feind. Es frisst uns die Nahrungsmittel auf. Also weg mit ihm!“ April und Mai waren böse Monate für die lieben Borstentiere – Im Sommer und Herbst fehlten sie dann.

Der Verbrauch des Brotgetreides wurde eingeschränkt. Jeder Bäcker sollte nur noch  3 Viertel des Mehles verbacken, was er sonst verbraucht hatte. Das Nachtbacken wurde verboten, und damit verschwanden die knusprigen Brötchen vom Frühstückstische. Ins Brot kamen Kartoffeln, und es musste mit dem Buchstaben K gekennzeichnet sein.

Um Weihnachten hielten wir die ersten eisernen Fünfpfenniger in den Händen. Da Fett, Zucker und ausländische Waren bald bedenklich knapp wurden, zogen die Preise an, und manche Leute kauften sich ganze Warenlager zusammen. Auch die Butterpreise gingen in die Höhe. Die „Hamster“, die namentlich sonntags das Dorf überschwemmten, boten immer mehr über dem Tagespreis. Das Stückchen Butter stieg von 63 auf 75 Pf, auf 1,0 M; 1,25 M; 1,50 M. vor Weihnachten kam das Stollenbackverbot. Weil aber manche Hausfrauen dieses Verbot „gerochen“ hatten, war in den meisten Fällen bereits vorher gebacken worden.

1916. Die Schulkinder helfen fleißig Heilkräuter sammeln: Huflattichblätter, Schafgarbe, Rainfarn, Spitzwegerich, Lindeblüten.

Da die Industrie in Dresden und dem Plauenschen Grunde, auf den Krieg eingestellt ist,, viel Arbeit hatte und gute Löhne zahlte, fuhren immer mehr Männer und Frauen dahin. Weil es der Landwirtschaft an männlichen Arbeitskräften fehlte, wurden vom Truppenlager Königsbrück Kriegsgefangene geschickt: Russen. Serben, Franzosen. Das Jahr 1916 war en nasses Jahr, so daß das Getreide wohl in die Höhe schoß, doch fehlte es an Körnern. Die Kartoffelernte war eine Missernte. Zur Brotmarke kamen Butter- und Fleischmarken. Auch  Gemüse, Kartoffeln gabs nur gegen Markenabgabe. Im Winter musste dann zum Ärger manches Essers die Kohlrübe herhalten.

1917. Infolge des empfindlichen Mangels an Kupfer und Zinn verfügte die Regierung die Beschlagnahme alles nur irgendwie entbehrlichen Metalls. Glocken, Orgelpfeiffen, kupferne Kessel, Wärmflaschen, messingne Türklinken usw. mussten abgegeben werden.

17.4.1917 Glockenabschiedsfeier in Sora (Bericht Pfarrer Großes): Eine zahlreiche Gemeinde hatte sich ein halb 9 Uhr abends im Gotteshaus zur Kriegsgebetsstunde eingestellt. Nach 3 Versen von „Befiehl du deine Wege“ und der den Bußton tragenden Liturgie wurde eine Ansprache über Jeremia 22,29 gehalten: „Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.“ Es wurde daran erinnert, wie diesen Ruf die Glocken in ihrer besonderen Sprache bei Freud und Leid 88 Jahre, besonders jetzt bis ins 3.Kriegsjahr ins Land getragen. Nach dem Verse 327,2 („Weck mich durch den Glockenton“) und dem Dank- und Fürbittgebet für den Dienst der Glocken und die Krieger und den Abendversen „Nun sich der Tag geendet hat“ ging die Gemeinde an den Fuß des Turmes. Nach einer kurzen Beschreibung der Glocken ließen sie noch einmal ihre Stimme in ihrer besonderen Bedeutung als Tauf-,  Bet-, Kinderbegräbnis- und Sonntagsglocke hören. Mit dem Vers „Bald mit Liebe, bald mit Leiden“, das diese Töne zusammenfaßte, und nach der Schlußliturgie samt dem Vers „Ein Tag, der sagts dem andern“, endete die Feier. Dann läuteten von ½ 10 bis ½  11 Uhr die Glocken zusammen ihr Abschiedsgeläut.

Ein eigen Bild der Feldarbeit: wer hätte je gedacht, daß Russen, Serben, Franzosen, auch  Italiener die Feldarbeit auf den heimischen Fluren unter der Leitung der Frauen und Väter der Gemeinde, die als Siebziger noch wie Vierziger arbeiten, die Feldarbeit verrichten würden? Daß unter den Lutheranern der Gemeinde Griechisch-Katholische, Römisch-Katholische und Juden russischer Abkunft jahrelang wohnen würden?

Hatte man infolge des langen strengen Winters 1916/17 schlimme Befürchtungen hinsichtlich der Ernte gehabt, so war man doch fehlgegangen. Die Kartoffelernte war überaus gut und reich.

Obwohl zu den vielen Karten die Kohlenkarte hinzugekommen war, bestand doch eine empfindliche Kohlennot. Was in der Woche um 31.Dez. 1917 bis 6.Jan 1918 einem jeden an Lebensmitteln zugebilligt war: 4 Pfd. Brot -,78 M, 1. Lit. Magermilch -,15 M, 50 gr. Butter -,29 M, 250 gr. Fleisch 1,- M, 125 gr. Zucker und 2 Pakete Haustee 1,47 M, 125 gr. Kunsthonig -,19 M, 90 gr. Teigwaren -,16 M, 7 Pfd. Kartoffeln -,28M.

1918. Im Juni forderte die „Spanische Grippe“ auch „Influenza“ genannt eine Anzahl Opfer namentlich unter den jungen und kräftigen Leuten. Hört man die Gespräche im Eisenbahnwagen, kann einem Angst werden. Von Monat zu Monat werden die Befürchtungen schwerer. Die Heeresberichte machen das Herz voller Sorgen. Waffenstillstand und Zusammenbruch. Die Jugend aber tanzt.

Nachkriegszeit

19.6.1919. Fieberhafte Erregung in Sora. Die neuen Glocken aus Bochum (Westfalen) sind in Meißen eingetroffen.

22.6.1919 Feierliche Einholung der Soraer Glocken und Begrüßung an der Ortsgrenze Röhrsdorf/Sora durch Pfarrer Große: Hosea 6,1 „Kommt wir wollen wieder zum Herrn; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch verbinden.“ Darauf Bekränzung der Lutherglocke (25 Zentner), der Betglocke und der Taufglocke.

6.7.1919 Trauergeläut: Es gilt dem Gewaltfrieden von Versailles!

 

Kriegteilnehmer 1914/18 von Sora

1.      Börner. Max                                                                                                                                                   + 02.11.1918

2.      Donath, Georg

3.      Donath, Waldemar

4.      Fischer, Max

5.      Friedrich, Arno

6.      Friedrich, Max

7.      Goldschmidt, Max

8.      Götze, Paul

9.      Grüttner, Karl                                                                                                                                                + 20.10.1918

10.   Henke, Max

11.   Heyde, Artur

12.   Imhof, Otto

13.   Krätzer, Ernst

14.   Lantzsch, Max

15.   Ludwig, Kurt

16.   Nitzsche, Erich

17.   Nitzsche, Kurt

18.   Partzsch, Arno

19.   Petry, Heinrich

20.   Philipp, Eugen

21.   Risse, Paul

22.   Scholz, Artur

23.   Schönhals, Martin

24.   Schubert, Emil

25.   Schumann, Alwin                                                                                                                                + 20.10.1918

26.   Schumann, Artur

27.   Schumann, Walter

28.   Steuer, Kurt

29.   Steuer, Martin

30.   Steuer, Walter

31.   Tamme, Arno

32.   Vollprecht, Max

33.   Weinhold, Walter

34.   Wemme, Artur

 

Am 18.Oktober 1918 früh ½ 8 Uhr erlag im Luisenhospital in Aachen im Alter von 27 Jahren der aus Lampersdorf gebürtige Paul Alfred Berger, Klempner in Dresden, Sohn des Schmiedemeisters Berger, seiner schweren Verwundung (Bauchschuß) am 20.Sept. bei Meufuiller.

Am 26.Juli 1915, nachmittags  zwischen 3 und 4 Uhr, fiel durch Granatsplitter östlich von Verdun der Tischler in Nossen Julius Max Friebe aus Lotzen, im Alter von 34 Jahren, bestattet in Harville. Er hinterließ eine Ehefrau, ein sechsjähriges Mädchen und einen zweijährigen Knaben. Er hatte 1914 vielen Kameraden Särge gemacht. Nun viel er plötzlich im Priester-Wald.

Am 25.Juli folgte im Ostern der Tischler in Wilsdruff Max Oswald Naumann aus Schmiedewalde, der als Sohn des Wirtschaftsbesitzers Max Oswald Naumann seine Kindheit in Lotzen verlebt hatte, er hinterlässt eine Witwe mit 2 kleinen Kindern.

1915 fiel auch der Stiefsohn des Stellmachers Klaus in Lampersdorf, Kurt Lehmann, der in Hamburg Gelbgießer war, im Alter von 26 Jahren. Am 22.Okt. in Belgien schwer verwundet durch Ober- und Unterschenkel, starb er am 26.Oktober. Nach anderer Nachricht wurde er am 23.10.1914 verwundet und starb am 30.10.1914

1916: 6.Febr. Ernst Moritz Schönhals, Grenardier 101 + in Dresden 10.aug. Alfred Oskar Pietzsch, Jäger 13,1 Lampersdorf, gefallen bei Sturmangriff an der Obydra-Höhe bei Zalocze, Galizien, Kopfschuß

4.September, Otto Hugo Moses, Grenardier 101,3 Lotzen, bei Vermando-Villers, Kopfschuß

1917: 10.August, Kurt Artur Lorenz. 4.Inf.-Reg. 103, Lampersdorf, Hetzels Gut, bei Tembrielen.

1918: 15.Juli Oskar Alfred Arnold, 2.Grenardier 101, Lampersdorf, bei Ceurthinzy, Kopfschuß. 30 Juli Kurt Kamillo Mehlig, Res. Inf. 103,8 Lampersdorf, gefallen bei Ploegstreat, 29.Juli schwer verwundet, beerdigt bei Touquet-Berths.

19.September Georg Ernst Kirsten, Res.Inf. 102,3 im Kriegslazarett zu Edingen in Belgien gestorben an der am 9.September erlittenen Verwundung (Lungenschuß), er war der älteste Sohn des bis 1900 auf der Kirstenmühle ansässigen Kirstenmüllers Georg Kirsten. 2.September Georg Max Börner, Fahrer 246,6 Sora + im Feldlazarett bei Montigny, Fliegerbombe.

15.Oktober, Otto Woldemar Donath, Gefreiter, 13.Inf. 178, gefallen bei Büntheville, Kopfschuß

15.Oktober, Emil Arno Schlechte, Pionier, Ers.Bes.Baukomp. 3.Eisenbahnerreg., + an Grippe, Lazarett in Hagen.

20.Oktober, Karl August Grüttner, Unteroffizier, 133, Sora, Grippe nach Lungenschuß

Friedrich Alwin Schumann, Jäger 12, M.G.K. Sora, + Dresden Unterleibstyphus

 

Verwundet wurden:

Arnold, Alfred  11.5.1915

Arnold, Richard

Fischer, Arno

Friedrich, Max

Günter, Bernhard

Menke, Max

Hennig, Kurt

Heyde, Artur

Kawitzke, Artur

Keller, Willy

Kolske, Max,  2.10.1915 Granatsplitter

Krätzer, Ernst, 5.8.1914 Sturz vom Pferde

Lorenz, Max,

Nitzsche, Erich, 11./12.05.1915 rechtes Auge, 25.6. linkes Bein

Partzsch, Arno, 3.9.1915

Petry, Heinrich, 22.09.1915 Querschlag

Rentzsch, Artur

Scholz, Artur, Schrappnellschuß

Steuer, Kurt, Herbst 1915 zweimal verschüttet

Weinhold, Walter

Winkler, Ernst, Typhus

 

Kriegsteilnehmer 1914/18 Lampersdorf

 

Bei Kriegsausbruch dienten aktiv:

Arno Giersch, Bäckergeselle

Alfred Pietzsch, Kaufmannsgehilfe, + 10.8.1916 beim Sturmangriff an der Obydra-Höhe bei Zalosze, Galizien durch Kopfschuß

Artur Pietzsch, Bäckergeselle

 

Am 2. 8.1914 trafen ein:

Paul, Arnold, Gutsbesitzer

Arno Fichtner, Landwirt

Arno Kühn, Mühlengutsbesitzer

Artur Lorenz, Schirrmeister auf Hetzels Gut + 10.8.1917 bei Tendbrielen

Richard Schreiber, Tischler

Ernst Winkler, Kartoffelhändler (im Sommer 1915 am Typhus schwer erkrankt)

 

Im Laufe des Krieges zum Heeresdienst einberufen:

Alfred Arnold, Landwirt, verwundet 11.5.1916 + 15.8.1918 bei Courthunzy durch Kopfschuß

Paul Bielas, Knecht (Hetzels Gut) + 1918

Arno Fischer, Knecht (Kuhns Mühlengut), verwundet 1915

Artur Fischer, Knecht (Hetzels Gut), seit 17.8.1918 bei Braisne vermisst

Paul Haymann, Schirrmeister, Landsturm ohne Waffe

Richard Hetzel, Gutsbesitzer u. Gemeindevorstand, zum Landsturm nach Dresden. An seiner Stelle führte Gemeindeältester Mühlengutsbesitzer Gustav Naumann die Amtsgeschäfte von Anfang 1915 bis 10.März 1919

Franz Hellfeuer, Knecht bei Oswin Pietzsch

Hans Kurt Keller, Knecht in Kuhns Gut

Aurel Klunker, Gutsbesitzer

Kurt Mehlig, Gutsbesitzer (Thierbachs Gut) + 30.8.1918 bei Pfoegstreat, nachdem er am 29.8.1918 schwer verwundet worden war – beerdigt bei Tougust-Berthe

Arthur Naumann, Landwirt, nur in Garnison

Ewald Petzold, Stellmachersgeselle, 28.6.1918 – 28.09.1919 in englischer Gefangenschaft

Albin Pietzsch, Landwirt

Oswin Pietzsch, Gutsbesitzer

Alfred Paul, Reichenbach, Knecht in Kuhns Mühlengut

Hermann Schubert, Fabrikarbeiter

Fritz Arno Schuster, Knecht bei Aurel Klunker

Kurt Schüttoff, Landwirt

Alfred Zill, Schmiedemeister

Hugo Paul Ziege, Schirrmeister bei Frau verw. Hamann

 

Kriegsteilnehmer nach 1918 zugezogen:

Walter Erdmann, Stellmachermeister Nr. 9b

Kurt Funke, Hufbeschlagmeister, Nr. 9d

Edwin Kümmel, Bauer, verheiratet 4.12.1919 mit Martha Mehlig geb. Thierbach, Witwe des am 30.,8.1918 gefallenen Gutsbesitzers Kurt Mehlig

Max Kunze, Bahnarbeiter Nr. 2b

Richard Lehnert, Schmiedmeister, Nr. 9d

Alfed Lorenz, Landwirt, Schwerkriegsbeschädigter

Arno Patzig, Gasthofsbesitzer und Bauer

Alfred Pietzsch, Leutnant d. Reserve, Bauer, eingeheiratet in Hetzels Gut am 10.10.1921 mit Elsa Hetzel

Paul Richter, Maschinenarbeiter

Max Rüdrich. Wirtschaftsbesitzer

Max Spitzenberger, Schlosser

 

In Gefangenschaft gerieten:

1915     Emil Kolske aus Lotzen, Inf. 178,2 in Frankreich

1916     Walter Schumann, Sora,  Inf. 26,10 in England

            Willy Keller, Sora, Landwehr 101 einst Kästners Gut, in amerikanische

Gefangenschaft in Frankreich

1918     Ewald Petzold, Lampersdorf, Inf. 182, in engl. Gefangenschaft

 

Kriegsteilnehmer 1914/18 Lotzen

 

1.      Arnold, Richard

2.      Dienhold, Bruno

3.      Friebe, Max,                                   + 26.04.1915

4.      Günther, Bernhard

5.      Hermann, Paul

6.      Kästner, Paul

7.      Kawitzke, Otto

8.      Kolske, Alfred

9.      Kolske, Emil

10.   Kolske, Max

11.   Lorenz, Artur

12.   Lorenz, Martin

13.   Lorenz, Max

14.   Moses, Otto                                    + 04.11.1916

15.   Naumann, Max                                + 25.08.1915

16.   Rentzsch, Alfred

17.   Rentzsch, Arno

18.   Rentzsch, Artur

19.   Rentzsch, Martin              + 06.02.1916 Res.Laz. I. Dresden

20.   Saupe, Artur

21.   Schlechte, Arno                               + 15.10.1918

22.   Schlechte, Reinhold

 

Die Gefallenen 1914/18 siehe am Beginn der Schilderung 1914/18.

 

Kriegsteilnehmer 1939/45 Sora                          

 


Rudolf Danner

Herbert Dietrich

Gerhard Erler

Erich Fleischer

Heinz Götze

Martin Haubold

Erhard Heyde                                               + 19.08.1945

Arndt Heyde

Herbert Imhof

Martin Kaiser

Karlfried Klotzsche

Fritz Krätzer

Kurt Kutzsche

Werner Kutzsche

Kurt Obendorfer

Helmut Partzsch

Hermann Petry

Johannes Petry

Rudolf Petry

Wilhelm Pompsch

Gerhard Proske

Joachim Risse

Heinz Risse

Werner Risse

Rudolf Rülker                                               + 23.08.1942

Christian Schönhals

Kurt Schubert

Otto Schubert

Willy Schultze

Erich Schumann

Heinz Schumann

Ernste Schuster

Kurt Stange

Herbert Tamme

Paul Fritz

Friedrich Ziller

Kurt Zuschke


 

Kriegsteilnehmer 1939/45 Lampersdorf

 

Erich Arnold, Jungbauer                                                                                                                      ab 12.02.1940

Herbert Claus, Stellmachermeister                                                                                                      ab 18.04.1940

Kurt Friedrich, Wirtschaftsgehilfe bei Alfred Pietzsch                                                                           ab 25.02.1943

Otto Frieke, Landhelfer b. Bauer Arthur Hamann                                                                                  ab Dez. 1939   + 1943

Kurt Funke, Schmied- und Hufbeschlagmeister                                                                                     ab 27.08.1939 – 25.8.1940

Max Jähnigen, Landwirtschaftsgehilfe bei Herbert Wetzig                                                                    ab 17.11.1942

Karl Kretzschmar, Geschirrführer b. Alfred Pietzsch                                                                              ab Sept. 1939

Gunther Kuhn, Jungbauer                                                                                                                    ab 14.10.1940

Erich Kümmel, Jungbauer                                                                                                                    ab 07.02.1941

Wilfried Kümmel, Jungbauer                                                                                                               ab 08.01.1944 RAD

Arno Kunze, Landwirtschaftsarbeiter                                                                                                   ab 27.08.1939

Florenz Lorenz, Landwirt                                                                                                                     ab 16.04.1941

Johannes Mehlig, Landwirt                                                                                                                  ab 1937 + 1945 Ostpreußen

Kurt Müller, Geschirrführer bei Alfred Pietzsch                                                                                     ab 30.08.1941

Walter Müller, Angestellter                                                                                                                  ab 15.12.1940

Willy Müller, Geschirrführer bei Oswin Pietzsch                                                                                    ab 15.06.1940

Max Münch, Zimmerer                                                                                                                        ab 25.11.1940

Rudolf Novotny, Landwirtschaftsgehilfe bei Edwin Kümmel                                                                    ab 15.06.1940

Werner Patzig, Wirtschaftsgehilfe                                                                                                       ab 02.11.1940

Gotthard Pietzsch, Jungbauer                                                                                                              ab 24.08.1943

Paul Prause, Ziegeleifacharbeiter                                                                                                        ab 02.03.1940

Rudolf Schreiber, Lokomotiv-Heizer                                                                                                    ab 24.06.1943

Paul Richter, Maschinenarbeiter                                                                                                          ab 27.08.1939 – 4.10.1940

Otto Schubert, bei Alfred Pietzsch als Melker                                                                                       ab 25.02.1943

Max Spitzenberger, Schlosser                                                                                                              ab 03.09.1939

Erich Stehr, Landwirtschaftsgehilfe                                                                                                     ab 1939

Franz Trenker, Geschirrführer bei Alfred Pietzsch                                                                                 ab Sept. 1939

Friedrich Walter, Ofensetzer                                                                                                               ab 11.12.1940

Herbert Wetzig, Landwirt                                                                                                                   ab 18.12.1943

Helmut Winde, Landwirtschaftsarbeiter bei Edwin Schüttoff                                                                 ab Dez. 1939

Gerhard Witt, Wirtschaftsgehilfe bei Oswin Pietzsch                                                                            ab 15.10.1940

Alfred Pietzsch, Bauer                                            1.8.-20.8.1939, 3.3.1941-6.7.1943, 1.11.1942 zum

Hauptmann befördert, führte eine Batterie vor Leningrad

 

11. Von den Berufen im Orte

Landwirtschaft und Viehhaltung

Versuchen wir das Zahlenwerk aus nachfolgenden Übersicht zu entschleiern: Es handelt sich in dieser Zusammenstellung der Dörfer um Sora durchweg um kleine Dörfer von 50 – 625 Einwohnern. Die Fläche wird zu 90 - 97% landwirtschaftlich genutzt und diese Nutzung weist wiederum nur auf Ackerbau (90 – 95 %). Nur Klipphausen hat eine größere Rittergutsholzung (85 ha), deren Ausdehnung durch den Bau der Reichsautobahn wesentlich zurückgegangen ist.

Beachtlich ist die größere Jungviehweide der Genossenschaft in Birkenhain (25%). Bis zu 73 % (Lampersdorf) ist die Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Nur Klipphausen, Taubenheim, Ullendorf und Röhrsdorf liegen unter 50 %; hier wohnen vielfach Arbeiter, die in Wilsdruff, Meißen und anderwärts ihr Brot finden.

 

Seit Jahrhunderten galt die Dreifelderwirtschaft: Alles Ackerland war in 3 Teile, sogenannte Drittfelder (Vorder-,  Mittel-, Hinterfeld) eingeteilt. Die Fruchtfolge war im ganzen Dorf einheitlich geregelt. Im 1.Jahre wurde Wintergetreide (Weizen, Roggen) angebaut, im 2.Jahr Sommergetreide (Roggen, Hafer, Gerste) und im 3.Jahr blieb das Land brach liegen. Das aufgeschossene Unkraut wurde vom Vieh abgeweidet. Kurz nach 1800, nachdem Kartoffel und Klee allgemein bekannt geworden waren, fing man an, die Brache zu besommern = sie mit Hackfrüchten und Futterpflanzen zu bestellen. Kartoffeln baute man im 18.Jahrhundert noch ganz wenig an, „weil die Bauern nicht mit ihnen umzugehen verstanden.“ Die Ernteerträge waren naturgemäß bedeutend geringer als heute. Bei Korn rechnete man mit etwa fünffachen, bei Hafer mit sechsfachem Ertrag. Heute trägt Korn etwa fünfzehn-, Hafer achtzehnfältig. Bei der Dreifelderwirtschaft fehlte es stets an Futter. Die Folge davon war eine geringe Viehhaltung, die ihrerseits wieder Düngermangel verursachte.

In der ersten Hälfte des 19.Jahrunderts hörte der Bauer von den Gedanken eines Albrecht Thaer, eines Adolf Stöcker-Tharandt über Drainage und künstlichen Dünger. Das Ablösegesetz vom 17.3.1832, das ihn frei machen sollte von aller Fron, wurde durchgeführt. Es bedurfte der geistigen Besitzergreifung dieser Neuerungen. Der Bauer aber war langsam und schwerfällig. Man gründete daher landwirtschaftliche Vereine: 1834 in Tharandt, 1840 in Kesselsdorf, 1844 in Klipphausen. Ihr ziel war die Verbesserung der landwirtschaftlichen Technik, Anwendung von Futter- und künstlichen Düngmitteln, Ertragsbereicherung einzelner Nebenzweige (Viehzucht, Zuckerrügen- und Obstanbau). Um 1850/55 löste sich der Feldbau von der reinen Dreifelderwirtschaft und ging zur geregelten Fruchtfolge über. Durch Wegfall der Brache verringerte sich zwar das Weideland, aber dafür gewann man größere Mengen an Sommer- und Winterfutter (Klee, Rüben, Kartoffeln). Es konnte mehr Vieh gehalten werden. Damit wuchs die Menge des Düngers. Der Weizenanbau steigerte sich. Gemenge, Erbsen und Wicken baute man nur als Ersatz, wenn der Rotklee nicht geriet. Dazu trat etwas amerikanischer Pferdezahnmais. Hopfen-, Hanf- und Flachsanbau wurde immer mehr beseitigt.

Was baute der Bauer auf seinen Feldern an?

 

1792

Weizen, Korn, Hafer, Gerste, Erbsen, Wicken, Raps, Kraut,  Erdbirnen, Rüben, Klee

1874

Weizen, Roggen,  Hafer, Gerste, Erbsen, Wicken, Raps, Kartoffeln, Runkelrüben, Kohlrüben, Klee, Kraut, Möhren

1937

Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Mais, Raps, Hülsenfruchtgemenge, Mischfrucht, Kartoffeln,  Zuckerüben, Runkelrübe, Möhren, Kohl, Flachs, Klee, Luzerne, Futtergetreide.

 

Die Anbaufläche der verschiedenen Feldfrüchte hat sich geändert.

Im Deutschen Reich

1883

1938

1913

1932

Weizen

Vierfach

Weizen

Sechs Fünftel

Roggen

Zwei Fünftel

Roggen

Zwei Fünftel

Gerste

Etwas verringert

Kartoffeln

Zwei Drittel

Kartoffeln

Etwas vermehrt

 

 

Flachs

Neuer Anfang

 

 

Die Arbeitsweise ist eine andere geworden: 1865 fand in Dresden eine Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen statt. Hier sah der Bauer Pflüge, Sämaschinen englischen und amerikanischen Ursprungs, Hack-, Dresch-, Häckselmaschinen und Lokomobilen der Firma Sack und Siederleben. Immerhin musste erst die Schlacht von Sedan geschlagen werden, ehe man solche Maschinen in den eignen Hof hereinholte.

 

Anschaffung fortschrittlicher Verbesserungen in Lotzen

 

1892     Göbeldreschmaschine Arnold, Schlechte, Göpfert

1894     Fahrrad Arnold

1908     Mähmaschine Arnold

1909     Kartoffelroder Arnold

1911     Flügelmäher Arnold

1926     Willi Lorenz

1928     Posthilfsstelle Lampersdorf Fernsprecher Gemeindeamt Lotzen

1940          Garbenbinder Emil Arnold

 

In Sora

1886     Göbeldreschmaschine Joh. Friedr. Bennewitz (Später Risse)

1890     Flügelmäher Otto Bennewitz

1896     Mähmaschine Otto Bennewitz

            Kartoffelroder Otto Bennewitz

1897     Balkenfahrt in der Scheune Otto Döring

1903     Fahrrad Ernst Krätzer

1906     Garbenbinder Paul  Riße

1910     Kraftrad Ernst Krätzer

1912     Automobil Paul  Riße

1920     Strohpresse Alwin Pietzsch

1924     Traktor Paul Riße

1930     Melkmaschine Alwin Pietzsch

1937     Heuaufzug Martin Schönhals

 

In Lampersdorf

1850     ließ Karl Gottlob Hetzel das erste Röhrwasser in Holzröhren legen

1867     Eduard Hetzel die erste Wurfmaschine (Getreidereinigung)

1875     Theodor Pietzsch die erste Breitsämschine

1876     Eduard Hetzel die erste Göpeldreschmaschine

1880     Eduard Hetzel die erste Häckselmaschine

1882     Laura verw. Naumann Dreschmaschine mit Wasserantrieb

1885     Schneiderin Maria Erfurt erste Nähmaschine

1885     Eduard Hetzel erste Drillmaschine, eiserne Ringelwalze

1886     Eduard Hetzel Doppelpflug

1887     Eduard Hetzel Trieur

1888     Eduard Hetzel Kleesämaschine, Kartoffelroder, Tigerrechen

1891     Oswin Pietzsch Milchzentrifuge

1894     Richard Hetzel Grasmähmaschine

1895     Richard Hetzel Selbsttränke im Kuhstall, Heuwender,

Flügelmaschine (Getreidemäher),  Viehwaage

1896     Richard Hetzel Düngerstreuer                    

1896     Richard Hetzel Kartoffelsortiermaschine

1897     Maurer Joh. Werner das erste Fahrrad

            Richard Hetzel Kartoffeldämpfe mit Kupferblase

1898     Richard Hetzel Feldscheune

1903     Richard Hetzel marktfertige Reinigung an der Dreschmaschine

1904     Richard Hetzel Maschinenschuppen für Landmaschinen

1905     Richard Hetzel Rübentüppelmaschine

1906     Schadenrechen

1907     der erste Fernsprecher

1910     Aurel Klunker erste Balkenfahrt für die Scheune

1913     das elektrische Licht kommt ins Dorf

            Richard Hetzel das erste elektrische Butterfaß

            Paul Arnold elektrische Wasserpumpe

            Richard Hetzel elektrischer Milchentrahmer

            Richard Hetzel das erste Automobil (Ford)

1914     Arthur Naumann das erste Motorrad

1916     Richard Hetzel Bindemäher, Selbstbindestrohpresse

1918     Gustav Naumann, Kreissäge, erste Streugebläse                                                                    

1921     Oswin u. Alfed Pietzsch,  Kartoffelpflanzlochmaschinen

            Arthur Naumann, Stallhängebahn (für Dünger, Futter)

1922     Oswin Pietzsch erste Hackmaschine

            Alfred Pietzsch elektrische Jauchepumpe

1924     Arthur Naumann Radio mit Lautsprecher

1925     Alfred Pietzsch der erste Traktor (Fordson)

1926     Alfred Pietzsch Heugebläse

1927     Edwin Kümmel elektrische Waschmaschine

1928     Arthur Naumann Jaucheleitung

            1. v. Frieda Münch Einrichtung der ersten Posthilfsstelle

1929     Arthur Naumann automatische Selbsttränke mit wasserleeren Becken

1930     Arno Kuhn erste Melkmaschine

1934     Arthur Naumann pflastert den Hofraum mit Granit

            elektrischer Kochherd

1935     Alfred Lorenz elektrische Wäschetrockentrommel

1937     Arthur Naumann erster liftbereifter Traktor (Deutz Diesel, Universalmaschine)

            Herbert Claus, elektrisch-automatische Hauswasseranlage                                                     

1938     Paul Arnold elektrische Gewürz- und Kaffeemühle

1943     Arthur Naumann elektrische Wäscherolle

            Herbert Wetzig elektrische Kartoffeldämpfe

 

Schon Mitte der 70er Jahre kam aus einem der Nachbardörfer eine transportable Göpeldreschmaschine, die unter anderem auch mehrere Jahre in der Kirstenmühle das Getreide ausgedroschen hat, bis dann ein Anschluß an die Wasserkraft aus der Mühle gebaut war und die Dampflokomobile sie ganz aus dem Dorf verdrängt hat, wie auch nach einigen Jahrzehnten die Elektrizität den Göpel ganz ausgeschaltet hat.

 

Unter Bismarks Förderung entstand 1885 der “Deutsche Bauernbund“. Als Bismark 1890 in den Ruhestand trat, machte sich der Mangel landwirtschaftlicher Organisation unter Caprivi, dem „Manne ohne Ar und Halm“, fühlbar. 1893 gründete man daher den „Bund der Landwirte“. Zur rechten Zeit bekam unsere heimische Landwirtschaft den rechten Mann: Georg Andrä.

Er pachtete 1897 Rittergut Limbach, steckte sein Vermögen in eine gute Drainage der nassen Felder, nahm 1887 Rittergut Wilsdruff hinzu, richtete 1906 als erster eine Jungviehweide hier ein und kaufte schließlich 1890 rittergut Braunsdorf, wo er in alle Zweige der Landwirtschaft, vor allem aber in Stalldünger und Jaucheaufbewahrung Versuche anstellte und größte Erfolge erzielte.

Seinem Vorgehen verdanken der landwirtschaftliche Verein Wilsdruff (1894), die landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft, der landwirtschaftliche Buchführungsverein (1920/21) ihre Entstehung.

Hinsichtlich der Viehzucht handelte es sich zuerst um die Rinderzucht. Früher legte man wenig Wert auf sie. Die Kühe waren durchschnittlich zu alt und brachten keinen Gewinn. Man hielt sie als notwendiges Übel des Düngers wegen. 1834 gab es in Sora 201, in Lampersdorf 127, in Lotzen 22 Rinder, 1942 dagegen in Sora 226, in Lampersdorf 204, in Lotzen 32. Man bevorzugte einen eingeführten Oldenburg/Holländer Schlag, der mit der früheren Landrasse gekreuzt wird. Seit        gibt es eine Rinderzuchtgemeinschaft. Seit Juli 1936 muß sämtliche Milch der Großmolkerei in Dresden zugeführt werden.  Auf dem Bauernhof verbleibt nur die Menge für den Eigenbedarf.

Das Vieh wurde ehemals auf die Allweide, auf Stoppeln und Brache getrieben. Niemand durfte die Hutung hindern. Es bestand die sogenannte „Altgemeinde-Gerechtigkeit“. Nachdem 1907 die große Viehweide Birkenhain eingerichtet worden war, erwarben die Bauern hier Anteile und treiben ihr Vieh dort auf. Um den Fettgehalt der Milch zu erhöhen, hat man seit 1936 mit Reichsbeihilfe Silos gebaut zur Einlagerung eiweißhaltigen Futters (Grünfutter, Kartoffeln).

Beliebt war ehemals die Schafzucht. 1834 gab es in Lotzen 160, 1837 in Lampersdorf 455, 1847 in Sora sogar 841 Schafe. Aber das Schaf wurde im Stalle von Kuh und Schwein verdrängt und auf dem Acker durch Getreide und Hackfrüchte. Die Wolle wurde aus Nordamerika  und Argentinien, namentlich aber aus Australien eingeführt. Boden und Arbeit wurden bei uns zu teuer, um sich den sinkenden Wollpreisen anpassen zu können. Nur die Rittergüter behielten ihre Herden (aber nur einige). Das ehemalige Hut- und Hirtenhaus in Sora, etwa hundert Meter vom Spritzenhaus nach Philipps Gute zu, rechts am Birkenhainer Wege, wurde am 27.5.1863 für 450 Thlr. An Gutsbesitzer Leberecht Philipp verkauft, der es am 5.8.1902 wegreißen ließ. Von den ehemaligen Hirten nennt uns das Kirchenbuch in Sora:

            1577 Jacob Eichler, der Hutmann

            1589 Jörg Fröller, Hirt der Gemeinen

            1652 Hans Fiedler

            1665 Georgius Kalert

            1685 Hans Pfeiffer

            1692 George Richter, Hutmann

            1758 Davit Blau

            1771 Johann Blau

            1777 + Joh. Mich. Lindner, Hutmann, 68 Jahre alt

In Lampersdorf:

            1581 Benedix Rudolff

            1585 Thomas Hennig, der Vihe Hirte

            1608 gibt es ein Hirtenhaus

            1627 Jacob Keule

            1648 Hans Fiedler

            1686 Hans Gebhardt

 

Der Weltkrieg 1914/18 brachte Wollmangel brachte Zellwolle, Spinnstoffsammlung, Punktkarte. Der zweite Weltkrieg 1939/45 brachte nicht nur Punkt- oder Kleiderkarte sondern entblößte uns aller Faser- und Spinnstoffe, besonders die nach dem Waffenstillstand einsetzende Ausplünderung des deutschen Volkes.

Wie in der Rinderzucht, so haben auch in der Schweinezucht, besonnene Züchtung, sorgfältige Wartung und reichlichere und rationelle Fütterung zu bedeutsamen Aufstieg geführt. Vergleichen wir die Gegenüberstellung:

 

 

1834

1933

 

Lotzen

8

62

Schweine

Lampersdorf

43

464

Schweine

Sora

55

454

Schweine

 

Daß Meißner veredelte Landschwein wird gern gekauft. Der Wilsdruffer Ferkelmarkt, der ehemals die erzgebirgischen Schweinhändler freitags herbeizog, ist zwar weggefallen, aber Wilsdruff hat immerhin zwei ständige Ferkelhändler, die den Bahnversand der Ferkel besorgen, und im Schweinekontrollring Wilsdruff, 1928 gegründet, besteht eine besondere Ferkelvermittlungs-Stelle.

Nicht so glücklich war man in der Pferdezucht. Man kauft einen ostfriesischen Schlag und ein Kaltblutpferd und betreibt durch Kreuzung mit gutem Erfolg sächsische Zucht. Nach neueren Zuchtgesetzen nimmt man indessen Abstand von Kreuzungen und bevorzugt reine Kalt- oder Warmblutzucht. Von Bedeutung für die Pferdezucht ist die seit 1828 in Kesselsdorf bestehende Beschälstation, die mit ersten Hengsten des Sächsischen Landesstallamtes Moritzburg besetzt ist. Um Verlusten vorzubeugen, wurde 1904 der Pferdeversicherungsverein ins Leben gerufen, und 1934 angegliedert.

Sehr beachtlich ist die Geflügelzucht geworden. Überall sind moderne Hühnerställe entstanden, die es mit sich bringen sollen, daß die Hühner auch im Winter legen. Der Staat hat die Preisbildung der Eier in die Hand genommen, hat Mindest- und Höchstpreise festgesetzt und bürgt damit für eine gleichmäßige und stetige Preisbildung für das ganze Jahr. Seit 1936 besteht in Sora eine Eiersammelstelle. Die Haltung der Tauben ist sehr zurückgegangen infolge geringer Preisbildung. Einen erfreulichen Aufstieg nahm auch der Obstbau. Durch jahrelange Beobachtung der Erträgnisse fand man für den Ort passende Sorten.

 

 

 

Obstbau in Obstgärten

In offener Flur

 

 

Apfel

Birne

Pflaume

Kirsche

Apfel

Birne

Pflaume

Kirsche

1900

Lampersdorf

646

383

886

2

--

--

60

540

 

Lotzen

261

138

322

22

22

15

-

2

 

 

Tragfähig

Noch nicht tragfähig

1912

Lampersdorf

453

236

715

330

449

154

65

49

 

Lotzen

240

133

7

27

171

28

33

40

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1925

Lampersdorf

237

93

146

43

183

50

101

62

 

Lotzen

546

343

648

786

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1934

Lampersdorf

603

197

222

129

293

122

139

187

 

Lotzen

288

64

82

41

111

27

65

49

 

Sora

404

203

428

56

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1938

Sora

585

252

430

56

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1942

Lampersdorf

351

146

165

121

263

110

170

177

 

 

 In Lotzen

 

Pferde

Rinder

Schafe

Schweine

Ziegen

Feder-vieh

Gänse

Enten

Kanin-chen

Bienen

1834

-

22

160

8

4

-

-

-

-

2

1837

-

21

-

6

-

-

-

-

-

8

1840

1

23

-

6

-

-

-

-

-

1

1844

-

19

-

8

3

-

-

-

-

1

1847

-

28

-

21

5

-

-

-

-

2

1850

-

37

-

18

10

-

-

-

-

2

1853

-

28

-

7

8

-

-

-

-

3

1855

-

20

-

8

2

-

-

-

-

2

1858

-

40

-

22

11

-

-

-

-

1

1861

-

39

-

19

13

-

-

-

-

1

1864

-

36

-

19

10

-

-

-

-

2

1867

-

38

-

23

12

-

-

-

-

5

1873

-

39

-

23

6

-

-

-

-

2

1933

4

42

-

62

10

209

9

5

2

6

1938

4

36

1

62

11

206

38

7

35

8

1942

4

33

-

24

13

154

9

2

23

8

In Sora

1834

47

201

530

55

34

-

-

-

-

6

1837

46

195

630

53

21

-

-

-

-

1

1840

47

199

691

59

19

-

-

-

-

2

1844

44

188

745

57

15

-

-

-

-

2

1847

50

211

841

57

23

-

-

-

-

1

1850

53

229

552

83

10

-

-

-

-

3

1853

48

230

601

93

11

-

-

-

-

10

1855

44

237

440

83

14

-

-

-

-

2

1858

43

250

441

121

16

-

-

-

-

-

1861

52

242

393

90

21

-

-

-

-

14

1864

51

239

367

132

22

-

-

-

-

7

1867

47

241

370

147

13

-

-

-

-

15

1873

55

247

237

196

14

-

-

-

-

3

1933

53

275

-

454

8

12

15

56

91

9

1934

55

263

-

419

-

-

-

-

-

-

1935

57

270

-

319

-

-

-

-

-

-

1936

58

271

-

408

-

-

-

-

-

-

1937

55

287

-

396

-

-

-

-

-

-

1938

38

278

-

388

-

-

-

-

-

-

1939

41

281

-

434

-

-

-

-

-

-

1940

41

280

-

333

-

-

-

-

-

-

1941

41

275

-

286

-

-

-

-

-

-

1942

41

266

-

167

-

-

-

-

-

-

1943

41

272

-

248

-

-

-

-

-

-

In Lampersdorf

 

Pferde

Rinder

Schafe

Schweine

Ziegen

Feder-vieh

Gänse

Enten

Kanin-chen

Bienen

1834

34

127

353

43

18

-

-

-

-

11

1837

35

143

455

48

18

-

-

-

-

17

1840

39

140

302

67

18

-

-

-

-

5

1844

36

152

276

49

15

-

-

-

-

6

1847

43

163

214

55

11

-

-

-

-

5

1850

42

154

193

77

13

-

-

-

-

8

1853

37

155

325

53

11

-

-

-

-

6

1855

35

144

292

77

6

-

-

-

-

11

1858

39

158

76

96

15

-

-

-

-

11

1861

36

164

3

66

12

-

-

-

-

-

1864

36

164

3

86

14

-

-

-

-

2

1867

36

167

1

84

11

-

-

-

-

6

1873

31

165

1

108

11

-

-

-

-

6

1933

37

208

3

464

7

804

59

37

16

31

1934

38

204

1

401

7

688

83

22

20

23

1935

39

201

2

358

8

717

90

27

15

26

1936

43

201

2

344

7

684

75

21

9

31

1937

43

214

3

292

18

732

74

28

6

33

1938

45

209

1

247

8

758

98

53

18

40

1939

31

208

1

330

12

688

64

24

20

41

1940

30

202

4

255

11

710

118

54

29

33

1941

33

204

10

253

13

577

69

74

35

38

1943

29

204

20

180

14

758

92

74

82

21

 

Die beiden Lampersdorfer Mühlen

Die ehemalige Obermühle scheint durch Jahrhunderte der Familie Hoier (Hoyer) gehört zu haben. Das Kirchenbuch Sora nennt uns 1573 einen Peter Hoiyer. Am 14.2.1589 wird „der Hoffemüller zu Lampersdorf. Matthes Wustlich (offenbar eine Pächter) vom Wasserrad erdrückt.“ 1683 ist die Mühle im Besitz Hans Hoiyers. 1648 wird ein Müller Georgius Hun auf Georgii Hoyers Mühle genannt.  1661 hat Georgius Hoyer die Mühle an Hans Gansauge verpachtet. 1674 heißt der Pachtmüller George Mehlich, am 2.11.1720 Martin Dietze.

1725 erneuert der Müller Adam Hoyer die Erdgeschossräume seiner Mühle. Den westlichen Giebel lässt er bis zur Dachspitze vollständig massiv herstellen. Der Eingang zur Mühle bekommt einen neuen Sandsteinbogen, der in der Mitte das Müllerwappen (Mühlstein, Haueisen, Zirkel, Winkel) trägt dazu A. 1725 H. Links und rechts vom Wappen ist der Spruch verteilt:

            Giebt Gott mir Weitz und Korn,

            Mahlgast und Fluth die Fülle

            So ist sein Segen da

            Und steht die Mühl nie stille.

Adam Hoyer verkauft an den Müller Gottlieb Lommatzsch. Dieser baute 1748 dreizehn Ellen an das Wohn- und Stallgebäude an, da durch die vergrößerte Ackerfläche, gewonnen durch Rohdung des Waldlandes, der Kuhstall zu klein geworden war. Den  nördlichen Giebel ließ er ebenfalls wie sein Vorgänger massiv erstellen. Er baute einen Torbogen zwischen Wohnhaus und Seitengebäude und ließ an ihm ein Müllerwappen einhauen mit der Jahreszahl 1748 und seinem Namen. Dann sind Besitzer der Mühle bis 1803 Johann Gottfried Lommatzsch, bis 1820 Johanna Rosine verw. Lommatzsch, bis 1841 Joh. Friedrich  Pietzsch, bis 1856 Adolf Eduard Pietzsch. Er baute 1842 die Erdgeschoßmauern des Hausflur massiv. Über den  Hausflur ließ er die Anfangsbuchstaben seines Namens E.A.P. mit der Jahreszahl 1842 einhauen. Auch setzte er neue Öfen, am Stubenofen eingegossen 1846, am Ofen der Oberstube E.A.P. 1842. Er steht noch heute. Von seinem Vater Gottfried Pietzsch ist noch ein großer in Sandstein gehauener Wassertrog mit der Jahreszahl 1842 vorhanden, der als Milchkühltrog benutzt wird. Gottfried Pietzsch baute 1848 auch die neue Scheune. 1855 verkaufte Eduard Pietzsch seine Mühle in der Lotzener Schänke an Friedrich  Wilhelm Naumann. Die Felder nach der kleinen Triebisch aber nahm er aus und verkaufte sie später einzeln meistens an Lotzener Einwohner. 1875 kam die Mühle bis 1892 an Laura Florentine verw. Naumann geb. Weise, bis 1921 an Friedrich Gustav Naumann, von da ab an Joh. Gustav Arthur Naumann, den heutigen Bürgermeister (bis zum Zusammenbruch 1945). Die Besitzung hat aufgehört, Mühle zu sein, seit 1921.

 

Die Niedermühle, die ehemalige Kirstenmühle in Lampersdorf, dürfte einst in gutem Ansehen gestanden haben, auch hinsichtlich der Landwirtschaft. Bis zum Jahre 1736 waren drei Wasserräder in Betrieb. Sie galt als die größte Mühle an der Kleinen Triebisch. 1847 nahm der damalige Besitzer Karl Gotthelf Kirsten, als er die Mühle an seinen Vetter, Karl Wilhelm Kirsten, verpachtete und sich in Seeligstadt ein Gut kaufte, an dessen Flur er grenzte, wohl ungefähr soviel wie ein Zweispännergut mit nach Seeligstadt. Etwa 10 ha (36Scheffel) bleiben bei der Mühle in Lampersdorf. Als Besitzer nennt uns das Kirchenbuch 1561 Merten Löwe, 1653 einen Peter Löwe. In den Kaufbüchern, Steuerlisten und anderen Urkunden im Sächs. Landeshauptarchiv ist darüber noch  nichts festgestellt. Im Gerichtsbuch Wilsdruff erste Ausgabe, Seite 182, finden wir einen Jorge Rudloff. Dieser verkauft 1581, Freitag nach Fabian und Sebastian an Georg Bobertzsch. 1582 kauft am Sonntag Estomihi Peter Burckhardt das Anwesen. Die Kinder des Peter Burckhardt verkaufen die Mühle 1593 am 22.2. für 2800 Gulden an Lorenz Kirsten, Sohn des Hans Kirsten aus Naustadt. Über Lorenz Kirsten und dessen Ehefrau Dorothea geb. Götze, Tochter des Jacob Götze, ein Siebenachtelhüfner in Lampersdorf, gibt auch die Familiegeschichte KIRSTEN wenig Auskunft. Ob Lorenz Kirsten im Anfang des dreißigjährigen Krieges umgekommen ist oder ob er an der Pest gestorben ist oder vorher geflohen und in seiner Heimat Naustadt oder einem seiner Geschwister gestorben ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Seine Ehefrau starb am  11.Mai 1637 ihres Alters 60 Jahre als Witwe. Andreas Kirsten kauft die Mühle am 2.12.1628 für 2100 Gulden von seinem Vater Lorenz Kirsten. Nach 34 Jahren geht die Mühle an Andreas Kirsten II über, er kauft sie am 11.6.1662, zwölf Jahre später kauft er noch die Helbigsdorfer Mühle von seinem Schwiegervater Hans Hun, denn seit dem 22.4.1662 war er mit Anna Hunn aus Helbigsdorf verheiratet. Andreas Kirsten III erwirbt die Mühle von seinem Vater Andreas Kirsten II  am 10.10.1696 für 1000 Gulden. Im Jahre 1699 stiftete Andreas Kirsten der Kirche zu Sora ein Tragkreuz mit massiv goldener Heilandsfigur für Begräbnisse, welches bedauerlicherweise in der Nacht vom. 20.2.1920 mit noch anderen kirchlichen Gegenständen gestohlen wurde, ohne daß man bis heute eine Spur des Täters finden konnte. Ein Sohn Andreas III., Andreas IV. kauft das Nachbargut der Mühle, aus der einst seine Urahne, die Ehefrau des Lorenz Kirsten, die Dorothea Götze, stammte. (sieh auch  Besitzfolge in Lampersdorf). Johann George Kirsten kauft 1722 am 17.2. von seinem Vater Andreas die Mahlmühle und 1 ½  Hufen Mühlennahrung für 1000 Gulden. Johann Gottlieb Kirsten übernimmt 1760 als einziges Kind und Erbe, wie es im Kaufvertrag heißt, von seinem im vorigen Winter verstorbenen Vater Johann George Kirsten, die Mühle und ein einhalb Hufengut. Johann Gottlieb verpachtet die Mühle für 52 Gulden an Johann Gottlieb Küchenmeister, bisher Pachtmüller in Garsebach. Wie lange die Mühle verpachtet gewesen ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Wahrscheinlich hat Joh. Gottlieb Kirsten nur die Landwirtschaft betrieben. Ob er verheiratet war, ist nicht bekannt. Trotzdem er der alleinige Erbe dieses großen Anwesens war, das mit reichen Barmitteln und schuldenfrei gewesen ist, verkauft er schon nach acht Jahren, als Junggeselle. Wie aus dem Verkauf zu ersehen ist, waren viele Schulden vorhanden, selbst Arbeitslohn war noch zu zahlen, was alles bei diesem Verkauf geordnet wurde und nicht ohne Schwierigkeiten abging. Im Jahre 1766 wurde von Gottlieb Kirsten, der als einziger Erbe 1760 die Mühle übernommen hatte, ein neues Wohnhaus gebaut. Johann George Kirsten, ein Urenkel von Andreas Kirsten, der 1674 die Helbigsdorfer Mühle zu seiner in Lampersdorf noch hinzu kaufte und dessen Nachfahren bis heute noch dort ansässig sind, war der Käufer der am 14.5.1768 die Mühle für 1600 Meißnische Gulden erwarb. Am 19.1.1769 wurde Johann George Kirsten mit Anna Regina, Johann George Dietzens, ehel. älteste Tochter getraut. Joh. Gotthelf Kirsten erwirbt lt. Gerichtsbuch Wilsdruff II, Abgabe Nr. 42 am 15.11.1806 (Seite 264) Nr. 10 des Lampersdorfer Brandversicherungs Catastri, von seinem Vater, dem Mühlennahrungsbesitzer Joh. George Kirsten, seine Mahlmühle mit 1 ½ Hufengut, nächst künftigen Weihnachten zu übergeben für 1400 Gulden. Im Kaufvertrag sind umfangreiche Steuerlasten verzeichnet. Im Inventarverzeichnis sind auch noch die Brenngeräte mit aufgeführt. Nur ist daraus nicht zu erkennen, ob Wein oder Kornbrandt hergestellt wurde. Der Weinberg muß damals noch im Betrieb gewesen sein, erst 1830 soll der Weinbau zum Erliegen gekommen sein. Johanna Rosina Kirsten geb. Adam, die Ehefrau des am 25.Juni 1827 verstorbenen Vorbesitzers der Mühle, erwarb diese am 28.8.1827 für 1400 Gulden oder 1225 Thaler. Der Kaufvertrag enthält eine sehr ausführliches Inventarverzeichnis mit 190 Posten, dieses gewährt einen Einblick in den damaligen Besitz der Mühle und Landwirtschaft, auch die Brenneinrichtung ist mit aufgeführt, doch scheint sie schon nicht mehr ganz vollständig zu sein. An Stelle des Weinbaus scheint schon damals der Obstbau getreten zu sein, denn die Obstbäume, von denen der Obstwein stammt,, der zu einem kleinen Teil noch im Besitzer der heutigen Nachfahren ist und um 1884 hergestellt wurde, ist von alten, sehr reich tragenden Bäumen. Von welch hoher Qualität diese Obstweine waren, und daß hier eine von Generationen erworbene Erfahrung mitgewirkt hat, beweist die noch heute diesen Weinen innewohnende Güte. Der vom Mühlenhof abwärts rechts gelegene steile Hang verrät den Weinberg noch heute durch seinen Terrassenbau. Während man trotz des ehemaligen starken Mühlenbetriebs jahrhundertelang durch die Triebisch in den Mühlenhof fuhr, war es einer Frau und zwar der Witwe Johanna Rosina Kirsten vorbehalten, eine Brücke zu bauen, die sich mit ihren zwei Bögen noch heutigen Bauweise würdig zur Seite stellen kann, jedenfalls gerade um ihres vornehmen Aussehens willen zog die ehemals ringsum  von Lerchen und Kastanien beschattete Brücke um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Lampersdorfer Jugend kräftig an; sie war ihr Tummelpetz an schönen Sommerabenden. Karl Gotthelf Kirsten, der Sohn der beiden letzten Besitzer der Mühle, kauft sie von seiner Mutter, am 22.6.1845 für 1259 Thaler.  Seit 1768 war dieses Anwesen nu in der dritten Generation vom Vater (oder von der Mutter) auf den Sohn übergegangen. Karl Gotthelf hatte nun aber keine Kinder und wohl auch nicht den rechten Sinn für kleinliche Müllerei, und so verpachtetet er 1847 die Mühle an seinen Vetter, der wie sein Großvater eine Müllerssohn aus der Kirstenmühle in Helbigsdorf war, an Karl Wilhelm Kirsten. Im Jahre 1853 jedoch entschloß sich Karl Gotthelf Kirsten, die Mühle zu verkaufen. Er hatte sich Fertigkeit angeeignet, Geld zu machen, und so versucht er auch hier, die Sache geschickt anzufassen. Leitete freiwillige Versteigerung der Mühle ein, obwohl er wusste, daß sein Vetter, der sich am 18.11.1849 mit Christiane Friedericke Kirchner aus Birkenhain verheiratet und die Mühle schon sechs Jahre in Pacht hatte, Wert auf den Erwerb der Mühle legte, die ihn und seine Familie ernähren und den Namen Kirsten weiter tragen sollte. Ja aber Karl Gotthelf Kirsten reget einen Gutsbesitzer an, in der Versteigerung tüchtig zu treiben und es gelang; die Mühle kam verhältnismäßig teuer in den Besitz seines Vetter, Karl Wilhelm Kirsten. Zu dem Treiber bei der Mühlenversteigerung, Dem Bauer G. Gießmann in Lampersdorf ließe sich noch vieles, aber nichts Gutes berichten. Er leistete den Pferdehändlern Zutreiberdienste in der gewissenlosesten Weise, bei Güterschlächtern half er mit den dunkelsten Machenschaften zu betreiben und beteiligte sich noch an mancherlei trüben Geschäften. Die eigene Wirtschaft befand sich in einem verwahrlosten Zustand, Borgerei war an der Tagesordnung, aber trotzdem trat er und seine Familie immer großspurig auf. Die Tochter bekam eine Hochzeit ausgerichtet, wie sie Lampersdorf wohl je einmal erlebt hat, doch als G. bankrott war, zeigte es sich, daß weder Handwerker oder Lieferanten bezahlt worden waren. So wie G. mit Schimpf und Schande von seinem Hofe gehen musste, scheint sich sein verwerfliches Tun auch noch an seinen Kindern gerächt zu haben, Krankheit, Ehezerrüttung und wieder Bankrott verfolgte sie.

Vor dem dreißigjährigen Kriege soll zwischen Lampersdorf und Taubenheim eine Silbergrube „Schloß Falkenstein“ genannt, bestanden haben. Dies mochte, im ehemaligen Mühlen, späteren Gutsbesitzer in Seeligstadt, Karl Gotthelf Kirsten, im Kirstenschen Familienkreise der „reiche Vetter“ genannt, neues Begehren geweckt haben. Er taufte auf Seeligstädter Seite des Triebischhanges, unterhalb Lampersdorf, einen Schacht und entwickelte einen großzügigen Plan. Das gesamte, zwischen Lampersdorf und Taubenheim liegende, aber noch ungenützte Nutzgefälle der Triebisch, zirka 25 Ellen (14m) sollte ausgebaut werden. Das Gefälle seiner einstigen Besitzung, der Kirstenschen Erbmühle, sollte, wenn nicht freiwillig zu erreichen, durch eingeleitete Zwangsenteignung hinzugenommen werden. Diese schon beträchtliche Wasserkraft sollte nun der Silbergewinnung dienen. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt. In jender Zeit sandte die kommende Goldwährung ihre Strahlen voraus, der schöne Plan des reichen Vetters zerrann, und die Lampersdorfer Kirstenmühle blieb als solche erhalten (Sieh hierzu auch „Unsere Heimat“, Beilage zum Wilsdruffer Tageblatt 1935). Karl Gotthelf Kirsten brachte es zu außergewöhnlichem Reichtum.  In Dresden, Ecke Schweizer- und Hohe Straße besaß er eine Villa mit großem parkartigen Garten (bei der großen Vernichtungskatastrophe am 13. und 14.2.1945 wurde sie mit zerstört, jetzt stehen noch die Ruinen, und wie lange wird es noch dauern, und auch diese letzten Spuren des einstigen Besitzes sind nicht mehr). Karl Gotthelf Kirsten vermehrte aber auch hier noch seinen Reichtum durch  Börsenspekulationen.

Dem damaligen Kirstenmüller bzw. seiner Mutter, der Amalie Therese Kirsten in Helbigsdorf, gab er den Rat, den fast 300 Jahre immer vom Vater auf den Sohn vererbten Besitz zu verkaufen und das Geld in Papieren anzulegen, die hohen Gewinn bringen sollten. (Siehe „Mein Lebensgang“ von Georg Michael Kirsten, Helbigsdorf). Aber all dieser Reichtum reichte nicht bis an das Lebensende von Karl Gotthelf Kirsten, im Armenhaus in Dresden auf der Maternistraße (jetzt Arbeitsamt) ist er in Not gestorben.  Von den Kindern seines Vetters, dem er die Mühle so teuer verkaufte, wurde er noch unterstützt.

Karl Wilhelm Kirsten war Besitzer vom 30.7.1853, nachdem er, wie schon oben aufgeführt, sechs Jahre Pächter der Mühle war. 1860 unterbaute er das 1766 erbaute Wohnhaus, dabei ist sicher auch der ehemalige Weinkeller mit neu gedeckt, der sicher auch 1766 erbaut worden ist. Am Wohnhaus über der Tür brachte Karl Wilhelm Kirsten den Spruch „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ Aus Josua 24,15 an. Auch die Wasserleitung, welche durch feines Wurzelwerk fast zugewachsen war und kein Wasser mehr durchließ, erneuerte er. Der Obstbau muß damals in seinen besten Jahren gewesen sein. Von ihm haben wir, seine Nachfahren, noch kleine Mengen dieses nun schon über sechzig Jahre alten Weines.(Siehe auch Familiengeschichte Lydia Risse geb. Kirsten Nr. 4 u.5.)

Christiane Friedericke Kirsten geb. Kirchner übernahm nachdem ihr Ehemann am 10.3.1881 verstorben war, am 15.8.1881 die Mühle. Sie bewirtschaftete sie mit ihren zum Teil erwachsenen Kindern acht Jahre. Johannes Georg Kirsten, der jüngste Sohn der vorigen Besitzer, erwarb die Kirstenmühle Lampersdorf am 16.8.1889. Ein Schadenfeuer zerstörte 1897 Scheuen und Seitengebäude (am 31.Oktober) und am 28.9.1901 brannte die neuerbaute Scheune ebenfalls nieder. In der Mühle selbst hat Georg Kirsten mache Neuerung  geschaffen, unter anderem den ersten Benzinmotor aufgestellt. Bei dieser Modernisierung hat er aber keinen rechten Erfolg gehabt, sondern er kam in eine Lage, die es ihm unmöglich machte, die Kirstenmühle Lampersdorf, dessen 13.ter Kirsten als Besitzer er war, sich und seinen Söhnen zu erhalten. Emil Oskar Kleber, eine Schwager des vorigen, erwarb am 14.12.1900 in der Zwangsversteigerung. Karl Bruno Bäulich kaufte die Mühle von dem Kleber am 18.7.1901. Bei diesem war es auch, wo die Scheune am 28.9.1901 zum zweiten Mal in so kurzer Zeit brannte. Die Brandursache blieb in beiden Fällen (1897 und 1901) unermittelt, doch sollte wohl bei dem Scheunenbrand 1901 das nunmehr 135 Jahre alte Wohnhaus mit aus dem Wege geräumt werden, zu welcher  Annahme die Tatsache berechtigt, daß in diesem Wohnhaus am 6.9.1906 mittags 11 Uhr, wie festgestellt werden konnte, die Besitzersehefrau abermals Feuer anlegte, welches aber durch schnelles Eingreifen ihres Sohnes niedergehalten werden konnte. Hermann Arno Kuhn kaufe am 10.10.1912 das Anwesen, welches er aber später an Herbert Wetzig verpachtete (sieh hierzu „Die Geschichte der Kirstenmüller an der Kleinen und Großen Triebisch von Prof. Dr. Herbert Schönebauer).

 

Handwerker

„Handwerker zu setzen“ gehörte vor Jahrhunderten nicht zu den Rechten eines Dorfes.  Wir gehen aber kaum fehl, wenn wir annehmen, daß es in Sora und Lampersdorf jederzeit einen Schmied und einen Stellmacher gegeben hat. Brauchte man einen Bäcker, Beutler, Färber, Fleischer, Gerber, Glaser, Klempner, Kürschner, Sattler, Schneider, Schuhmacher, Seiler, Töpfer, Tischler, Zinngießer, Böttcher, Maurer und Zimmermann, musste man zur nahen Stadt gehen. Durch das Gesetz vom 9.10.1840 bekamen die Dorfgemeinden, Handwerker zu setzen. Bedingung war, daß der Handwerksgeselle, der sich selbständig machen wollte, der städtischen Innung beitrat, keinen Lehrling hielt und die Jahrmärkte nicht bezog. Von weittragenden Folgen war dann das neue Gewerbegesetz vom 15.10.1861 § 3 lautet: „Jedem dispositionsfähigen Inländer ohne Unterschied des Geschlechts, ohne Beschränkung in der Wahl des Ortes, ist es erlaubt, jedes Gewerbe zu betreiben.“ Was das sächsische Gewerbegesetz noch vergessen hatte, das beseitigte 1869 die Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund.

 

Handwerker, die auswärts ihr Brot verdienen (1940)

1.      Dachdecker Richard Arnold

2.      Arbeiter Greichen in Fa. Louis Seidel, Wilsdruff

3.      Maurer Kolske im Baugeschäft Berthold, Wilsdruff

4.      Installateurmeister Lorenz

5.      Maurer Willy Müller, im Baugeschäft Berthold, Wilsdruff

6.      Zimmerer Kurt Rentzsch im Baugeschäft Otto & Schlosser, Meißen

7.      Eisenbahner Oswin Rülker auf Bahnhof Wilsdruff

8.      Rudolf Schmieder, Zimmerer bei Träber, Röhrsdorf

9.      Zimmerer Sicker, bei Träber, Röhrsdorf

 

Bergbau in Sora, Lampersdorf und Lotzen. Ja, hat´s gegeben! Als 1826 im Gräflichen Einsiedelschen Eisenhütten zu Gröditz und 1841 durch Kammerherrn Freiherrn von Dathe auf Burgk in seiner „König Friedrich-August-Hütte“ im Plauenschen Grund ein Hochofen gebaut worden war, herrschte bald ein starkes Bedürfnis nach Eisenerz. Gebiete uralter Schiefergesteine enthalten gemeiniglich solche gesuchte Brauneisenlager, und so war es kein Wunder, daß man, nicht ohne Erfolg, an zahlreichen Stellen unserer Heimat auf. Brauneisenstein grub. In der Lotzener Delle auf Lampersdorfer Flur entstanden 1837 die Wilhelm und die Wolfgang Fundgrube, auf soraer Flur im gleichen Jahr die Hermann Fundgrube, nachdem hier bereits 1790 Wunderbares Glückerbstollen getäuft worden war. Hoffnungen aber und Gewinn zerflossen. Wie man 1793 damals den Bergbaubetrieb eingestellt hatte, so tat man es in der Wilhelm Fundgrube 1840, nachdem der Betrieb in den beiden anderen Fundgruben im Jahre ihrer Entstehung bereits zum Erliegen gekommen war.

 

Unser Kaufmannsladen

Wer von uns wusste den nicht? Und wer wäre unbefriedigt aus dem Lädel herausgekommen? Hier stand früher K. Gottlieb Bachmanns Bauerngut, das am 20.März 1847 wegbrannte. Auf der Brandstelle baute Vater Goldschmidt sein Fachwerkhäuschen. Seine Frau tat Botendienste. Sie kam wöchentlich nach Meißen, an und zu auch nach Dresden, zweimal nach Wilsdruff. Was man ihr auftrug, wurde treu und brav erledigt. Sie kaufte aber auch zum wiederverkauf, und so wurde ihre Stube nach und nach ein kleiner Laden mit Schachteln und Büchsen und vielen vielen Tüten. Mit der Zeit sah man die Unzulänglichkeit der Stube ein und baute einen Laden, einen richtigen kleinen Kaufmannsladen mit Tisch und Regalen, Mit Garnschrank, Salzkiste und Erdölständer. Gott was barg das kleine Lädel bald alles! Von den Gewürzinseln der Südsee, von den Kaffeeländern Amerikas, von England und Norwegen gab´s nun Verbindungswege bis in Goldschmidts Laden in Sora. Man konnte in ihm seinen  Würfelzucker, der bis vor kurzem noch etwas unbekannt war und Zuckerhut und Zuckerzange führend waren, zum Kaffee, seinen Pökling zum Abendbrot kaufen. Die Weißöl- und die Erdöllampe wurden von ihm getränkt. Der Junge kaufte seine Pferdeschmitze, das Mädel seinen Aniszucker. Nichts, nichts, was der Kaufmannsfrau unbekannt gewesen wäre! Am 1.April 1882 richtete das Kaiserliche Postamt zu Wilsdruff bei Marie Auguste Goldschmidt geb. Walther eine Posthilfsstelle ein, und diese Posthilfsstelle wuchs am 1.September 1904 zur Öffentlichen Fernsprechstelle. Gutsbesitzer Reinhold Nitzsche war es, der damals zuerst die Fernsprechstelle benützte, indem er den Tierarzt anrief. Die Gemeinde musste auf 5 Jahre die Verpflichtung übernehmen, nachzuzahlen, wenn nicht jährlich 130 M einkamen. Sie hat nicht nachzuzahlen brauchen: der Fernsprecher wurde zum Bedürfnis. Mit dem Tode der Inhabern ging der Laden auf die Kinder über. ER erweiterte, vervielfachte, verhundertfachte seine Bestände. Vom Neuruppiner bunten Bilderbogen über den festen 3-Zoll-Nagel, Holzpantoffel, über Syrup, Bolus, Kaffeezusatz, die ganze Welt war da! Alles, alles konntest du nun in Sora haben!

In Lampersdorf wurde 1911 im neuerbauten Gasthof ein Kaufmannsladen eingerichtet, der aber 1932 wieder einging.

 

Aus dem Einnehmerhaus

1825/26 war die Meißen-Wilsdruffer Straße chaussiert worden und  in Sora hatte man nach dem Baukostenanschlag des Kreisamtsmaurermeisters Ilschner für 1093 Thlr. 17 Gr. 3 Pf. Ein Chauseegeldeinnehmerhaus gebaut. Am 1.!1.1826 wurde dieses Chausseegeld-Einnahme eröffnet. Ihr erster Einnehmer war Friedrich Wilhelm Haupt, der von Zehren her versetzt wurde. Er bekam 7 Thlr monatliches Fixum, den 24ten Pfennig vom Chausseegeld-Einkommen, 18 Thlr. jährlich Beihilfe für Holz, Licht und Schreibmaterial, 16 Thlr. Zur Unterhaltung der Laterne. Mit dieser Chausseegeld-Abgabe war man nicht allgemein einverstanden. Der Rittergutsbesitzer von Heynitz und die Gemeinde Miltitz kamen zuerst mit einem Gesuch ein. Sie erreichten, daß man ihnen Ermäßigung des Chausseegeldes auf zwei Drittel für den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Dresden und für die Anfuhr von Steinkohlen zubilligte. Dann taten sich zusammen die Gemeinden Ullendorf, Riemsdorf, Reichenbach, Bockwen, Naustadt, Taubenheim und Lampersdorf, führten aus, daß sie beim Bau der Straße kostenlos Steine angefahren hätten und baten ebenfalls um Ermäßigung des Chausseegeldes, was sie auch erreichten. 1832 starb Einnehmer Haupt. Nachfolger wurde Accis-Güterbeschauer Johann Gottfried  Lehrig in Lommatzsch, nachdem der Accus-Güterbeschauer Kotter /Meißen die Soraer Einnahmestelle vertretungsweise besorgt hatte. 1834 bereits wird Lehrig an die Chausseegeldeinnahme bei den Katzenhäusern versetzt. Nach Sora aber kommt der Accis-Torschreiber Christian Friedrich Koitz vom Brüdertor in Oschatz. Jahr um Jahr sitzt er hinter seinem Einnahmefenster. 1841 muß sein Expeditionsofen ausgebessert werden, 1842 sogar der Schlagbaum erneuert. 1844 kommt Koitz an die Einnahmestelle Kaitz an der Dippoldiswalder Straße, und man ersetzt ihn in Sora durch  Oberchausseewärter und Amtsstraßenmeister Carl Friedrich  Thümmel aus Zschopau. E bekommt 132 Thlr. Jährliches Gehalt, 7 % Einnahmegebühren von den eingekommenen Chausseegeldern, 18 Thlr. Für Holz, Licht und Schreibmaterial, 16 Thlr für die Laterne und freie Wohnung, muß aber 100 Thlr. Kaution stellen. Die unruhigen Jahre 1848/49 gehen vorüber. Thümmel fühlt sich in Sora nicht wohl. Sein Einkommen ist schmal, seine Dienstwohnung ungesund. ER bittet mehrfach um seine Versetzung und erreicht schließlich, daß  er 1853 nach Mohorn versetzt wird. Da sich ein verabschiedeter „Hautboist“ Kaden für die Stelle gemeldet hat, kommt man tatsächlich auf dessen Anstellung zu, erhöht sogar sein Einkommen auf 10% von den Einnahmegeldern. Kaden ist lungenkrank und stirbt am 30.1.1854. Die Steueraufseher Gottschalk und Rose verwalten zunächst die Einnahmestelle, bis sich am 1.4.1854 der pensionierte Amtsarchivar Friedrich Heinrich Steegen findet. Er hat die Feldzüge 1813 in Sachsen, 1814 in den Niederlanden, 1815 in Frankreich mitgemacht und war dann von 1821 ab volle 30 Jahre Copist und Amtsarchivar am Justizsamt Stollberg, wo er sich beim Aktenausheben einen Leistenbruch zuzog. Er lässt 1856 einen neuen Schlagbaum setzen, kümmert sich aber nicht sonderlich um seine Amtstätigkeit. Seine Familienverhältnisse sind zerrüttet. Er trinkt und man droht ihm mit Dienstentlassung, die auch tatsächlich erfolgt zu sein scheint. Am 1.10.1860 zieht der pensionierte Unteroffizier Nic. Mroß in das Soraer Einnehmerhäuschen,, der vordem an der Albertsbahn in Tharandt angestellt war. Ein Blitzschlag 1866 richtet wohl Gebäudeschaden an, verschont aber die Insassen. Am 1.10.1869 wird Mroß nach Plauen versetzt. Die Einnahmestelle bekommt Friedrich Ernst Schubert, der in der Schlacht bei Königsgrätz das rechte Bein verlor. Er scheint über den deutsch-französischen Krieg hinaus die Soraer Stelle versorgt zu haben. 1892 setzt man die Einnehmerwitwe Dathe aus Kesselsdorf ins Soraer Einnehmerhaus, aber 1885 verkauft man das Grundstück für 2700 M an den Bäckermeister Ernst Woldemar Schulze aus Taubenheim. Die Chausseegeldeinnahme war geschlossen.  Vom Chausseegeldeinnehmer: HB 1936/54 E. Däßler, von der Meißen-Wilsdruffer Straße. HstA: die Chausseegelder-Einnehmer bei Sora vol I. 1826/57,  II 1857/72. Loc. 34 288 34 319 Rep.LXII Nr. 2109

 

Von den Gasthöfen

Keines der drei Dörfer besitzt einen Erbgerichtsgasthof wie etwa Röhrsdorf, Grumbach, Herzogswalde, Mohorn. Blättern wie im Kirchenbuche, stoßen wir wohl hier und da auf „den Schenken von Lampersdorf“, nicht aber auf einen Schenken von Sora. Die Soraer Bauern besaßen das Recht des Reiheschanks, ausgeübt 1790 von Bauer Kunze. Da erhebt Bauer Joh. Georg Klemm (Lampersdorf) Einspruch gegen diese Anmaßung, und das Schönbergische Gericht zu Limbach verbietet tatsächlich solchen Reihenschank bei 40 Thlr. Strafe. Kunze kehrt sich nicht an dieses Verbot und wird darum mit 22.THlr. 23 Gr 9 Pf, gebüßt. Jetzt tritt der Richter von Sora, Johann Christoph Rülker, auf und erklärt im Namen seiner Gemeinde, daß Kurfürst Friedrich  August von Sachsen am 22.9.1794 der Gemeinde Sora  die Befugnis zum Reiheschank erteilt habe. Klemm(Lampersdorf) habe durchaus kein Recht, Gäste zu setzen, Tanzmusik zu halten und den Schank auszuüben. Klemm wendet sich an den Gerichtsdirektor Leonhardt in Wilsdruff, der im Grundbuch 3 Verkäufe  eines Schenk-Bauerngutes mit Erb- und Bierschankbefugnis in Lampersdorf feststellt ( 1609 Peter Wittig/Martin Dietze, 1616 Martin Dietze/Paul Dietze, 1767 Martin Schubert/Johann Gottlieb Schubert) und der daraufhin ein neues Schankverbot für Kunze/Sora erläßt. Kunze setzt nichtsdestoweniger seinen Schankbetrieb fort, da er noch 5 Tonnen Wilsdruffer Bier im Keller habe und außerdem einen großen Vorrat verschiedener Speisen angeschafft habe, die er nicht verderben lassen könne. Nunmehr wird die Angelegenheit der allerhöchsten Behörde zur Entscheidung vorgelegt, von der am 5.12.1810 folgender Bescheid ergeht: Uns ist geziemend vorgetragen worden die Klage Johann Georg Klemms in Lampersdorf gegen Johann Gottlieb Kunze in Sora und gegen denselben erlassenes Verbot des Bier- und Branntweinausschankes. Wir werden es bei solchem Verbot bewenden lassen und weisen Kunzens Begehren hiermit ab. Dresden, am 1.Nov. 1810 A.v.Hünerbein. Die Gemeinde Sora ist damit durchaus nicht einverstanden, wendet sich wiederholt an das Schönbergische Gericht in Limbach und verlangt vom Gerichtsherrn, daß er bei 20 Thlr. Strafe den Schank in Lampersdorf verbieten solle. Klemm wendet sich  an den Advokaten Georg Ernst Müller. Er verlangt bestimmte Beweise, inwiefern Sora das Recht des Reiheschank haben soll. Man bringt 6 Zeugen herbei, die da aussagen, daß Sora seit mehr als 40 Jahren den Reiheschank besitze, 1778 auf Tamme, 1780 auf Philipps und darnach in Kästners Gut, daß übrigens in Sora nicht immer Wilsdruffer, sondern auch fremdes Bier verschenkt worden sei. Die Gerichtspersonen wissen keinen anderen Ausweg, als beide Parteien zum Vergleichstermin einzuladen, in dem versucht werden soll, eine Einigung zwischen den beiden Gemeinden herbeizuführen. Der Gerichtsdirektor bringt es auch dahin, daß die Feindseligkeiten von beiden Seiten eingestellt werden und Kunze und Klemm die Kosten gemeinsam tragen. Kunze kauft im Oberdorf eine Wirtschaft, da der Verkehr auf der Landstraße jährlich wuchs. Sein Nachfolger, Der Gastwirt Böhme, erbaute 1830 den heutigen Gasthof, der aus den Händen des Erbauers auf Carl Ernst Richter überging, der mit der Wirtschaft eine Bankfleischerei betrieb. Sein Sohn bewirtschaftete jahrzehntelang den Erbgerichtsgasthof in Grumbach. 1882 wurde Richters Schwiegersohn, Güldner, der in Taubenheim eine Fleischerei mit Schankbetrieb besaß, Besitzer des Gasthofs in Sora. Güldner blieb aber in Taubenheim und verpachtete den Gashof in Sora an Gastwirt Thiele. Im August 1885 kaufte ihn Holzhändler Friedrich  August Fickmann. Er baute 1896 die ganze Vorderseite massiv und verlängerte die Fensterfront um4 auf 13 Fenster. Er errichtete auch den großen Pferdestall der häufigen Beherbergung von Kohlefuhrwerken wegen, die die Landstraße nach Meißen bis zur Errichtung der Bahn 1909 belebten. Im April 1908 kam der Gasthof an Fleischermeister Max Haubold, der 1899/1908 in Wilsdruff eine Fleischerei in Wilsdruff betrieben hatte. Seine Gattin, humorbegabt und schlagfertig, war als die „Tausendjährige Ida“ im weiten Umkreis beliebt und bekannt. Sie starb am 13.6.1941, ihre Ehemann am 31.3.1943

 

Die Döringstiftung

In Lampersdorf steht auf der Straßenkreuzung eine Linde, an deren Einfriedung man lesen kann: Zur Erinnerung an die Döringstiftung 1904.Am Westausgang von Limbach stößt man am Zusammenfluße des Dorfweges mit der Staatsstraße auf eine ähnliche Linde: die Döringlinde 1906. Ernst Heinrich Döring wurde als Sohn eines Gutsbesitzers am 29.Oktober 1836 in Lampersdorf geboren. Seine Eltern siedelten dann nach Grumbach über, da sie das jetzt im Besitz des Gutsbesitzers Umlauft befindliche Gut am 12.Juli 1838 gekauft hatten, das am 30.9.1854 wieder in andere Hände überging. Hier in Grumbach verlebte Ernst Heinrich seine Jugendzeit. Nur ganz wenige Altersgenossen können sich seiner noch erinnern, die ihn als einen talentvollen, tüchtigen Jungen bezeichnen. Nach Entlassung aus der Schule erlernte er das Handwerk als Zimmermann, das er während der schönen Jahreszeit betrieb. Im Winterhalbjahr besuchte er die Bauschule Dresden. Später ließ er sich in Darmstadt als Architekt nieder. Vom dortigen Bürgermeisteramte war nur die Mitteilung zu erlangen, daß er die letzte Zeit als Rentner dort gelebt hat und ledigen Standes geblieben ist. Verschiedene Tatsachen lassen darauf schließen, daß Döring ein zurückgezogenes Leben geführt hat und wenig in die Öffentlichkeit getreten ist. Über sein tragische Ende sei folgendes berichtet: Döring ging am 10.Juni 1904 wie fast täglich nachmittags allein in den ein halbe Stunde von Darmstadt entlegenen Anlagen der Ludwigs- und Marienhöhe spazieren. Hier fand ihn das anwesende Publikum, welches nach Vernehmen zweier Revolverschüsse zum Tatort eilte, am Wege liegend tot vor. Eine Kugel war ihm durch eine Hand, welche er wahrscheinlich zur Abwehr hochgehalten hatte, und die andere durch das Herz gegangen. Keiner der Anwesenden wagte den Mörder zu fassen, da er jeden mit vorgehaltenem Revolver niederzuschießen drohte, und so entkam er. Raubmord scheint nicht vorgelegen zu haben, da Uhr und Geld bei Döring noch vorgefunden wurde. Als der Tat verdächtig, beziehentlich als Anstifter hierzu, war ein Neffe, der um diese Zeit sich in Darmstadt aufgehalten und sich in heruntergekommenen Zustande befunden hat, in Haft genommen wurde, aber wegen mangelnder Beweise wieder freigegeben werden musste. Der Ermordete hatte am 15.Novemerb 1902 ein Testament gemacht, aus dessen sehr umfangreichen Inhalt nur das für uns in Frage kommende mitgeteilt sei: § 1 Zu Erben meines Vermögens setze ich unbeschadet der später verordneten Vermächtnisse und Anordnungen ein: 1. den landwirtschaftlichen Verein der Provinz Starkenburg zu einem Vierteil; 2. die Dorfgemeinschaft Lampersdorf, Birkenhain, Limbach und Grumbach, sämtlich bei Wilsdruff im Königreich Sachsen gelegen, zusammen auf eine Vierteil, in welches sie sich gleichenteilig teilen; 3. den Gustav-Adolf-Verein des Kreises Darmstadt zu einem Vierteil; 4.Die Stadt Darmstadt zu einem Vierteil. Auszugsweise von § 2: die unter 2 genannten Dorfgemeinden haben das ihnen zufließende Kapital ebenfalls verzinslich anzulegen und die Zinsen alljährlich zur Beschaffung von jungen Obstbäumen und Pfählen zu verwenden, welche an solche Dorfbewohner, die geeignete Gras- oder andere Gärten oder bis zu 10 Hektar zur Obstzucht geeignetes Land besitzen mit der Bestimmung der Anpflanzung nötigenfalls Okulierung, ententgeltlich abzulassen sind. Wenn in den betreffenden Gemeinde die kleinen Grundstücksbesitzer alle mit Bäumen versorgt sind und zur Obstzucht kein geeignetes Feld mehr übrig haben, dann können auch an größere Grundbesitzer Obstbäumchen unentgeltlich abgegeben werden. Die Auswahl der Personen steht überall dem Gemeindevorstand zu.“

Auf Grund dieser Bestimmung fiel einer jeden der genannten Gemeinden ein Erbteil von 3095,42 M zu, deren Zinsen alljährlich satzungsgemäß Verwendung gefunden heben. Weiter kommt noch eine Bestimmung in  § 5 sub. 2 hier in Betracht, die folgenden Wortlaut hat: „Meinem Bruder Friedrich Ernst Döring, dessen Aufenthalt mir unbekannt ist;  er ist schon seit vielen Jahren abwesend, vermache ich 6000 M. Sollte derselbe vor mir verstorben sein oder aus einem sonstigen Grunde das Vermächtnis nicht erwerben können oder wollen oder sollte er bereits verstorben sein, so tritt seine eheliche Nachkommenschaft an seine Stelle. Ist solche Nachkommenschaft nicht vorhanden, so teilen sich in diese 6000 M die in § 1 unter NR.1,2 und3 genannten Erben.“ Nachdem das Amtsgericht Tharandt unter dem 16.Oktober  1904 für diesen verschollenen Bruder eine Pflegschaft einrichten ließ und dasselbe Amtsgericht unter dem 20.2.1906 dessen Tod erklärte und als Zeitpunkt des Todes den 31.12.1871 annahm, fiel den genannten Dorfgemeinde ein weiteres Erbteil von je 448,25 M zu, deren Zinsen in gleicher Weise zur Verwendung kommen. Kurz sei noch erwähnt, daß Dörings übrige Geschwister Vermächtnisse erhielten, und zwar 10000 M der erste acht, dann je 6000M und einer 3000 M. Weiter verpflichtete Döring eine Testamentsvollstrecker auf Kosten des Nachlasses zur Errichtung eines Grabmonumentes  mit eiserner Einfriedung auf dem Darmstädter Friedhof und bestimmte hierzu sie Summe von 12000 M. Das Fundament sollte bestehen aus besten, wetterfesten , hellgrauen Sandstein oder auch von weißem Marmor mit seinem Medaillon. Für den Entwurf sollte ein Preisausschreiben erlassen und hierzu bis zu 1500 M verwendet werden. Talauf, talab stehen Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumenbäume, teils Zwerg- teils Hochstämme, an die 625 allein auf Lampersdorfer Flur. Sorglich sind sie mit Pfählen und Drahtschutz versehen. Überall waltet unsichtbar sichtbar Dörings Stifterhand. Denken wir dankbar seiner ! Und suchen wir seine Heimatliebe auf unsere Nachkommenschaft zu übertragen!

 

12.Statistisches

Einwohner

 

 

Sora

Lampersdorf

Lotzen

 

Einwohner

Gebäude

Haushalte

Einwohner

Gebäude

Haushalte

Einwohner

Gebäude

Haushalte

1834

164

-

-

125

-

-

76

-

-

1843

187

-

-

144

-

-

62

-

-

1846

176

-

-

157

-

-

72

-

-

1849

181

22

31

161

17

24

61

13

18

1852

198

22

28

173

17

24

59

13

17

1855

205

24

27

159

18

24

64

13

16

1858

196

24

24

163

18

19

61

13

16

1861

204

24

28

163

19

24

63

13

16

1864

202

24

30

153

19

24

74

13

14

1867

201

23

28

159

19

20

70

13

16

1871

201

23

29

150

19

21

70

13

20

1875

195

25

33

128

19

23

65

12

16

1880

192

25

31

130

19

24

67

13

16

1885

193

23

30

137

19

23

65

13

16

1890

195

25

29

134

19

19

70

13

15

1895

193

25

-

140

18

-

82

13

-

1900

197

-

-

135

19

20

83

13

14

1905

183

-

-

125

21

19

65

13

13

1910

196

-

-

107

20

18

59

13

13

1919

218

-

-

126

-

21

55

-

14

1925

217

-

-

129

-

 

59

-

-

1933

214

23

38

116

-

28

50

-

-

1936

-

-

-

116

-

29

-

-

-

1939

-

-

-

116

-

29

-

 

 

1941

-

-

-

-

-

-

51

13

17

1943

-

25

43

-

-

-

33

-

-

1944

-

-

-

-

-

-

36

-

-

 

In Sora waren es 1933 14 Höfe und 9 Hausgrundstücke mit 38 Haushaltungen, 1943 14 Höfe und 11 Hausgrundstücke mit 43 Haushaltungen.

In Lampersdorf sind 1943 zwei Fliegergeschädigte aus Köln und einer Frau Erna Rothe mit 3 Kindern aus Berlin, 1944 kommen zu diesen noch weitere drei fliegergeschädigte Frauen mit je 2 Kindern aus Leipzig.

 

Die Richter